Full text : Das Saarland im doppelten Strukturwandel 1956 - 1970

Argument  fand  die  Forderung  nach  Maßnahmen  zur  Vereinfachung  und  Etfizienzsteigerung
  der  Verwaltungstätigkeit  praktisch  durchgehend  Verwendung,  eine  Forderung,
  die  jedoch  mangels  konkreter  Vorschläge  meistens  ohne  weitere  Wirkung
blieb.Statt  dessen  häuften  sich  die  Forderungen  nach  einer  allgemeinen  Wiederbesetzungssperre,104
  die  Anfang  I960  dann  auch  in  Kraft  gesetzt  wurde.2110
Um  nichts  weniger  problematisch  gestaltete  sich  die  Meinungsfindung  zu  wirtschaftspolitischen
  Elementen  der  Haushaltsberatungen.  Obwohl  mit  der  Aufteilung  des  Etats
in  einen  sogenannten  „ordentlichen“  und  einen  „außerordentlichen“  Haushalt  bereits
ein  erheblicher  Teil  der  staatlichen  und  mit  Sondermitteln  der  Übergangsmaßnahmen
finanzierten  Investitionen  gesondert  ausgewiesen  wurde,* 201  waren  andere  regionalwirtschaftlich
  wirksame  Mittel,  wie  z.B.  die  Steuerausfälle  aus  dem  Gesetz  über
steuerliche  Maßnahmen202  oder  die  Steuerpräferenzen.2"'  in  unterschiedlichen  Einzeletats
  berücksichtigt.  Zudem  war  die  Höhe  der  jeweils  eingesetzten  Positionen  durchgängig
  entweder  durch  Mittelzusagen  aus  Bonn  oder  durch  Schätzungen  der  Verwaltung
  weitgehend  vorgegeben,  so  daß  eine  Veränderung  kaum  in  Frage  kam.
Dementsprechend  wurden  die  finanzpolitischen  Grundlagen  der  Wirtschaftspolitik  im
engeren  Sinne  nur  Anfang  des  Jahres  1957  intensiv  diskutiert,  ln  dieser  Debatte
trafen  insbesondere  die  grundsätzliche  Ablehnung  eines  deficit-spending  durch
Manfred  Schäfer204  und  die  Forderung  einer  von  fiskalischen  Erwägungen  zunächst
l%  Mit  einem  solchen  konkreten  Vorschlag:  LTDS,  3.  WP,  Abt.  1,  46.  Sitzung  v.  12.2.58,  S.  1329.  Das
Problem  der  Verwaltungsvereinfachung  scheint  im  hier  zu  besprechenden  Untersuchungszeitraum  in  der
sonstigen  Tätigkeit  der  Regierung  weitgehend  untergegangen“  zu  sein,  obwohl  bereits  Anfang  1957  die
Erarbeitung  einer  allgemeinen  Dienstpostenbewertung  vorgesehen  war,  LASB  StK  1715,  Kabinettsprotokoll
  v.  30.1.57.  Die  Personalkommission  unter  van  Recum  scheint  diese  Tätigkeit  aber  durchgefuhrt
zu  haben,  so  daß  erst  Ende  1960  eine  dazu  eingesetzte  Kommission  ihre  Arbeit  aufnahm,  LTDS,  4.  WP,
Abt.  I,  40.  Sitzung  v.  27.11.63,  S.  1470.
iW  Erstmals  in:  LTDS,  3.  WP,  Abt.  1,  52.  Sitzung  v.  17.7.58,  S.  1545,  wobei  der  Antragsteller  Ludwig
Schnur  ausdrücklich  mit  dem  Vorbild  von  Rheinland-Pfalz  argumentierte.
200  Ein  solcher  Wiederbesetzungsstopp  hatte  bereits  1956  kurzzeitig  bestanden,  LASB  StK  1713,  Kabinettsprotokoll
  v.  9.4.56.
201  Z.B.  liefen  die  Mittel  für  den  Ausbau  des  saarländischen  Verkehrsnetzes,  insbesondere  der  Ausbau  der
Bundesstraßen  und  der  Neubau  der  Autobahn  Mannheim-Saarbrücken,  über  diesen  Haushalt.  Die  dazu
eingesetzten  Mittel  bezifferte  Weiant  für  die  Jahre  bis  1958  auf  66,5  Mio.  DM,  Peter  Weiant,  Die  Saar  und
ihre  Wirtschaft,  o.O.  1958  (=  Bundes-Firmenregister,  Nachdruck).  Nach  Angaben  des  Bundesfinanzministeriums
  wurden  bis  I960  insgesamt  83  Mio.  DM  zu  diesem  Zweck  verausgabt,  Cuntze,  Eingliederung,
  S.  102-114,  hier:  S.  113.
202  Cuntze,  Eingliederung,  S.  105,  beziffert  die  hauptsächlich  zum  Ausgleich  für  die  Einnahmeausfälle  aus
diesem  Gesetz  geleistete  allgemeine  Finanzhilfe  auf  1  10  Mio.  DM.  Karlheinz  Klein,  Erkenntnisse,  S.  117,
geht  von  einer  Summe  von  91  Mio.  DM  (=  10,7  Mrd.  FF)  konkret  eingetretender  Ausfälle  aus,  die  sich
nach  Even,  Investitionen,  S.  16,  auf  6,9  Mrd.  FF  Einkommen-  und  Körperschaftsteuer  und  3,8  Mrd.  FF
Gewerbesteuer  verteilten.  Buddeberg,  Verlagerung,  S.  179,  erwartete  dagegen  noch  Ausfälle  von  18  Mrd.
FF.
21)1  Zu  den  Steuerpräferenzen  siehe:  Reinhard  Koch,  Finanz-  und  Steuerpolitik  im  jüngsten  Bundesland,  in:
Die  Saarwirtschaft.  Zwischenbilanz  nach  der  Wiedereingliederung  (=  Der  Volkswirt  I  I  (1960),  Beilage),
S.  17-18.  Cuntze,  Eingliederung,  S.  1  14,  beziffert  die  Kosten  für  den  Bund  auf  33,4  Mio.  DM.
204 Schäfer  bekannte  sich  zu  dem  Ziel,  daß  die  Übergangszeit  „unter  keinen  Umständen  zu  wirtschaftlicher
Stagnation  führen  [darl]  ...  [es  muß]  sogar  über  das  normale  Maß  hinaus  investiert  werden“  -  gleichzeitig

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