Full text : Das Saarland im doppelten Strukturwandel 1956 - 1970

waren,  wurden  in  Form  einer  Anleihe  des  Bundes  in  Höhe  von  14,7  Mrd.  FF  teilweise
  in  fundierte  Schulden  umgewandelt.I5ti  Diese  Maßnahmen  reduzierten  jedoch
die  Verschuldung  des  Landes  per  Saldo  nicht,  und  weiterhin  konnte  dadurch  auch
nicht  verhindert  werden,  daß  trotz  gestiegener  Steuereinnahmen  auch  im  Haushalt  für
1956  ein  Defizit  ausgewiesen  werden  mußte.
Angesichts  der  offenkundig  mit  administrativen  Maßnahmen  kaum  zu  behebenden
Haushaltsschwierigkeiten  wählte  die  Regierung  im  Unterschied  zu  anderen  Sachbereichen
  von  Beginn  an  den  Weg,  diesen  Themenkomplex  der  Restrukturierung
saarländischer  Politik  in  Kooperation  mit  dem  Parlament  zu  bearbeiten.1"'  Bereits  in
seiner  ersten  Regierungserklärung  sprach  der  neugewählte  Ministerpräsident  das
Problem  der  unzureichenden  Finanzkraff  deutlich  an  und  stellte  den  Zusammenhang
zu  anderen  Themenbereichen  her:  Man  müsse  anerkennen,  so  Ney,  daß  „unsere
wirtschaftlichen  Probleme  in  hohem  Maße  auch  finanzielle,  genauer  gesagt  Finanzierungsprobleme
  sind".  Um  diese  Probleme  zu  lösen,  sei  Hilfe  von  außen,  von  der
Bundesrepublik,  nötig,  die  zu  erhalten  „berechtigte  Hoffnung"  bestehe.  Allerdings
führte  Ney  die  Liquiditätsprobleme  in  dieser  Rede  -  noch  -  hauptsächlich  auf  die  spezielle
  Struktur  der  französisch-saarländischen  Finanzordnung  und  die  hohen  Sozialausgaben
  zurück.1'1'1  Das  letztgenannte  Argument  wurde  dabei  besonders  von  Heinrich
  Schneider  in  den  folgenden  Sitzungen  immer  wieder  aufgegriffen.* 161 *  Etwas
konkreter  verlief  die  Debatte  anläßlich  der  Haushaltsrede  von  Finanzminister  Blind
im  Februar.  Nachdem  Blind  in  einer  Art  Lehrvortrag  die  Methodik  der  Haushaltsführung
  in  der  Vergangenheit,  insbesondere  das  System  der  Rückgriffe  auf  Betriebsmittel,
  ausführlich,  dabei  aber  betont  sachlich  erläutert  hatte,  stellte  er  sein  Konsolidierungskonzept
  vor,  das  im  wesentlichen  durch  die  Fundierung  von  Altschulden  und
die  Finanzierung  von  neuen  Aufgaben  durch  Anleihen  geprägt  war.  Als  wichtigste
neue  Elemente  in  der  Haushaltsgestaltung  nannte  er  die  Entlastung  des  Haushalts  um
die  Etats  von  saarländischer  Post  und  Eisenbahn  und  die  Notwendigkeit,  die  geplanten
  Verkehrsmaßnahmen,  vor  allem  Autobahnbau  und  Elektrifizierung  von  Eisenbahnstrecken,
  mit  Mitteln  aus  Bonn  zu  finanzieren.  Trotzdem  stellte  der  Haushalt
keine  völlige  Neuorientierung  dar,  was  sich  insbesondere  im  Verzicht  auf  die  Erstellung
  eines  neuen  Stellenplans  niederschlug.  Angesichts  der  weiterhin  bestehenden
„nationalen  Aufgaben“  der  Landesregierung  blieb  einstweilen  der  Personalbedarf
unverändert.  Dagegen  fand  die  strukturelle  Finanzschwäche  des  Landes  im  Unterschied
  zur  Regierungserklärung  nun  bereits  deutliche  Pointierung:  „Aber  auch
angesichts  dieser  Zahlen  stellt  sich  von  selbst  die  Frage,  wie  es  dazu  kommt,  daß  ein
Industriegebiet,  das  seiner  Struktur  nach  bei  oberflächlicher  Betrachtung  für  bedieses
  Vorgehens  konnte  dieses  Finanzgebaren  zu  einer  Einschränkung  der  Liquidität  des  Staates  fuhren.
158  Stat.  Amt  d.  Saarl.  (Hg.),  Saarländische  Bevölkerungs-  und  Wirtschatfszahlen  8  (1956),  H.l  S.  !  04.
159  Zur  Bedeutung  der  Etatberatungen  als  „Sonderfall  des  Verhältnisses  von  Legislative  und  Exekutive“
vgl.  Gruber,  CDU-Landtagsfraktion,  S.  285-291.
I6i'  LTDS,  3.  WP,  Abt.  1,  2.  Sitzung  v.  10.1.56,  S.  17.
161  Z.B.  LTDS,  3.  WP,  Abt.  1,6.  Sitzung  v.  31.1.56,  S.  143.

153
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.