weitere Vorgehens weise vorlegte.1’2 Angesichts dieser Linie der Regierung, die als
neues Element besonders die Stellung des Ministerpräsidenten hervorhob, gelang es
der Opposition im Landtag nicht, eine überzeugende kritische Haltung zu formulieren.
Die DPS sah sich gezwungen, ihre Nicht-Ablehnung des Gesetzes zu erklären,
und auch die SVP fand mit ihrer Generalabrechnung, die sich gegen praktisch alle
Parteien im Landtag richtete, kaum Widerhall.1"
Eine Verschärfung der Auseinandersetzung mit der SPD dagegen trat im ersten
Kabinett Röders - soweit überhaupt feststellbar - erst recht spät ein. Zu nennen ist
hauptsächlich der von der SPD-Fraktion eingebrachte Entwurf für ein Gesetz über
eine Weihnachtsgratifikation für Beamte. Diese Vorlage rief heftige Empörung bei
der CDU hervor, die teilweise unter Verweis auf die haushaltspolitischen Rückwirkungen
im Verhältnis zum Bund, teilweise aber auch - und hier besonders von
Röder - unter Hinweis auf den Bruch mit den Gepflogenheiten in der Koalition formuliert
wurde.132 134 Mit der Neubildung der Regierung nach den Landtagswahlen I960
verschärften sich diese Konflikte. Die nun erstmals in der Opposition befindliche
SPD wählte einen neuen Stil in ihrer Debattenführung, indem sie bei kontroversen
Debatten die jeweils zuständigen Minister in ihrer persönlichen Verantwortung für
ihren Geschäftsbereich angriff.135 Neu hinzu trat auch die direkte und persönliche
Attacke auf die Amtsführung des Ministerpräsidenten. Zunächst noch in die Form der
bereits bekannten Polemik gegen seinen Dispositionsfonds gekleidet,136 wurden die
132 LTDS, 3. WP, Abt. I, 86. Sitzung v. 22.8.60, S. 2337f.
133 Emil Weiten (SVP) argumentierte damit, daß der Justizminister bei der Abstimmung über das Gesetz
den Raum verlassen habe, daß die SPD dem Gesetz zugestimmt habe, weil der Verzicht auf Doppellisten
der CDU sich für sie „rentiert“ habe, und schließlich sogar damit, daß die DPS die Regierung habe
„blamieren“ wollen, LTDS, 3. WP, Abt. I, 86. Sitzung v. 22.8.60, S. 2350f.
134 Die SPD-Fraktion verwahrte sich von Anfang an gegen den Vorwurf, ein Wahlkampfgeschenk machen
zu wollen, und argumentierte statt dessen mit der Gleichstellung der saarländischen Beamten gegenüber
dem Personal in der Wirtschaft und in anderen Bundesländern, LTDS, 3. WP, Abt. 1, 90. Sitzung v.
15.11.60, S. 2415. Den Himveis darauf, daß diese Frage auch in Berlin zu Problemen angesichts der
Finanzhilfe des Bundes und der Länder geführt habe, wollte Regitz nicht gelten lassen: „Wir wollen uns
nicht mit Berlin vergleichen, wir wissen, daß es dort eine völlig andere Situation ist. Berlin wird Finanzhilfe
brauchen, wenn man an der Saar lange nicht mehr darüber reden wird.“, ebd., S. 2420.
135 Auf diese Weise wurden geradezu der Reihe nach praktisch alle Minister im Laufe des Jahres 1961
attackiert: Der Finanzminister, der mit dem „Rotstift“ „gewütet“ habe, LTDS, 4. WP, Abt. I, 5. Sitzung v.
8.2.61, S. 117; die „Unfähigkeit“ des Wiederaufbauministeriums, die bereits zugesagte Bundesmittel
gefährde, LTDS, 4. WP, Abt. I, 7. Sitzung v. 18.4.61. S. 175, und dessen Bericht zur Raumplanung eine
„Bankrotterklärung“ darstelle, LTDS, 4. WP, Abt. 1, 8. Sitzung v. 20.4.61, S. 311; der Arbeitsminister, der
unsachgemäße, weil partei-orientierte Personalpolitik betreibe, LTDS, 4. WP, Abt. 1, 8. Sitzung v.20.4.61,
S. 302; der Innenminister, weil die verzögerte Einbringung des Gesetzes über kommunale Selbstverwaltung
ein „schweres Versäumnis“ darstelle, LTDS, 4. WP, Abt. I, 10. Sitzung v. 26.6.61, S. 357; der
Wirtschaftsminister, dessen Antwort auf eine Anfrage zu den Auswirkungen der DM-Aufwertung „nicht
angemessen“, weil lapidar gewesen sei, ebd., S. 390; die Reihe ließe sich fortsetzen.
136 Die rein persönlichen Vorwürfe konterte Röder übrigens von Anfang an, so z.B. in der Frage seiner
Dispositionsfonds, auf die er praktisch eine Antwort verweigerte und sich statt dessen gegen den - so gar
nicht erhobenen - Vorwurf verteidigte, seine Dienstwohnung zu kostspielig ausbauen zu lassen. Röder
nutzte diese Wendung, um sich für seine Bescheidenheit loben zu lassen, LTDS, 4. WP, Abt. I, 8. Sitzung
v. 20.4.61, S. 224f.
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