Jahresende hin die Maßnahmen zur Auflösung der Kasse im Parlament vertreten
mußte.125 127 Diese Verschärfung des Konflikts mit der DPS griffen auch die CDU-Minister
auf.126 Der Ministerpräsident jedoch zeigte sich stets um ein grundsätzlich
kooperatives, auf Basis der gemeinsamen Verantwortung stehendes Verhältnis zur
DPS bemüht. Die Sozialdemokraten jedoch zwang der verschärfte Konflikt zwischen
Regierung und Opposition zu problematischen Konkretisierungen ihrer Politik. So
sah sich z.B. Friedrich Regitz in der gleichen Debatte dazu veranlaßt, gegenüber der
DPS die Grubenstillegungen bei den Saarbergwerken als notwendige Modernisierung
und als keinesfalls unangemessene Reaktion auf die Absatzkrise zu verteidigen.12
Allerdings nutzte die SPD auch den ihr eingeräumten Spielraum. Im Vorfeld der
(ersten) Kommunalwahlen 1960 versuchte Innenminister Kurt Conrad nachdrücklich,
die kommunalpolitische Kompetenz der SPD herauszustellen. Überdeutlich bestimmte
dieses Element seine Rede zur Neufassung des kommunalen Finanzausgleichs
im Frühjahr I960.12*
Eine Veränderung dieses Stils deutete sich erst mit dem Urteil über die Verfassungswidrigkeit
des Gesetzes zur Kommunalwahl im Mai 1 960 an. Dieses Gesetz war im
Laufe des Jahres 1959 im Kabinett ohne Diskussion, aber stets mit Hinweis auf die
Verspätung der Vorlagen beraten worden, was wohl als Indiz für die politische
Problematik der dort vorgenommenen Regelungen gewertet werden muß.124 ln der
folgenden parlamentarischen Beratung wurde der später entscheidende Kritikpunkt,
nämlich der Wegfall der Kandidatur freier Listen, nur ansatzweise thematisiert.130
Nachdem die Wahl für ungültig erklärt worden war,131 setzte ein intensives Krisenmanagement
der Regierung ein: In einer geschickt angelegten Regierungserklärung
nahm der Ministerpräsident einerseits den zuständigen Minister aus der Schußlinie
der Kritik, indem er die Schwächen des Gesetzes zugestand, demonstrierte aber
gleichzeitig Handlungsfähigkeit, indem er seine weiteren Maßnahmen zur Abwendung
der akuten Krise bei den Gemeinden und präzise Terminvorstellungen über die
125 Die Kasse stellte Ende des Jahres 1959 ihren Betrieb ein, die restlichen Mittel wurden an die Leistungsemptänger
ausgeschüttet, LTDS, 3. WP, Abt. I, 75. Sitzung v. 4.1 1.59, S. 2035.
126 So z.B. in einer Auseinandersetzung zwischen Wirtschaftsminister Manfred Schäfer und Heinrich
Schneider über die Verkehrspolitik. LTDS, 3. WP, Abt. I, 77. Sitzung v. 1.12.59, S. 2092.
127 Ebd., S. 2096.
128 Conrad hielt nicht nur ein detailreiches Referat über die juristischen und politischen Regelungen,
sondern verwendete viel Zeit darauf, durch Vergleich mit der Situation in anderen Bundesländern die
außerordentlichen Leistungen des Saarlandes für die Kommunen zu würdigen, LTDS, 3. WP, Abt. I, 79.
Sitzung v. 29.3.60, S. 2142fT.
1211 Erstmals wurde das Gesetz im Juni 1959 „mit Verspätung“ eingebracht, LASB StK 1721, Kabinettsprotokoll
v. 22.6.59, und auch in der „Beratung“ im Juli wurde aus „Zeitmangel“ auf eine Diskussion
verzichtet, so daß die Stellungnahmen der Minister erst bei der Beratung im Landtag erfolgen sollten,
LASB StK 1721, Kabinettsprotokoll v. 8.7.59.
130 LTDS, 3. WP, Abt. I, 73. Sitzung v. 17.7.59, S. 1976.
131 Das Urteil löste geradezu hektische Reaktionen im Kabinett aus. Zur Abstimmung des weiteren
Vorgehens wurde sogar eigens eine Kabinettssitzung nach München einberufen, LASB StK 1 724,
Kabinettsprotokoll v. 4.8.60.
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