Full text : Das Saarland im doppelten Strukturwandel 1956 - 1970

das  Ergebnis  der  CDU  bei  der  Landtagswahl  1960  nicht  besonders  überraschend.  Die
CDU  hatte  wohl  bei  der  äußeren  Einigung,  nicht  aber  bei  dem  Kampf  um  die  Integration
  des  ehemaligen  Wählerpotentials  der  CVP  Fortschritte  gemacht  und  dementsprechend
  -  zumal  in  der  Konkurrenzsituation  zu  SVP  und  CNG114  stehend  -  ihren
Stimmenanteil  nicht  signifikant  verändert.  Statt  dessen  erscheint  das  Ergebnis  bei  der
ein  Jahr  später  durchgeführten  Bundestagswahl  eher  als  Überraschung,  gelang  hierbei
der  CDU  doch  mit  48%  der  Stimmen  die  praktisch  nahtlose  Anknüpfung  an  die
frühere  Dominanz.  Die  SPD  dagegen  konnte  ihre  bereits  seit  den  Kommunalwahlen
1956  erkennbare  Ausdehnung  der  Stimmenanteile  bis  zur  ersten  Kommunalwahl
1960  fortsetzen,  bei  der  sie  mit  31%  der  Stimmen  erstmal  wieder  die  30%-Marke
überschritt.  Dabei  dürfte  der  Erfolg  bei  der  Wahl  der  Gemeinderäte  noch  als  sehr  viel
höher  zu  veranschlagen  sein,  da  die  Sozialdemokraten  hierbei  einen  Zugewinn  von
fast  500  Mandaten  erzielen  konnten.  Allerdings  stagnierte  ihr  Stimmenanteil  sowohl
bei  der  Wiederholungswahl  als  auch  bei  der  Landtagswahl  mit  Werten  deutlich  unter
35%.  In  den  Regionen,  in  denen  die  SPD  früher  bereits  erfolgreich  war,  nämlich  den
Kreisen  Saarbrücken-Stadt,  Saarbrücken-Land  und  Ottweiler,  konnte  sie  vor  allem
die  absolute  Zahl  der  für  sie  abgegebenen  Stimmen  nicht  verbessern.115  Erst  bei  der
Bundestagswahl  1961  setzte  sich  ihr  Aufwärtstrend  mit  34%  wieder  fort.
Die  angemessene  Interpretation  der  Wahlgänge  zwischen  1957  und  1961  wird
zusätzlich  dadurch  erschwert,  daß  im  Saarland  zumindest  bis  1961,  von  wenigen
Ausnahmen  abgesehen,  ein  im  Vergleich  zu  den  Bundesergebnissen  hoher  Anteil  von
Stimmen  entweder  ungültig  oder  zugunsten  von  regional  begründeten  Sondererscheinungen
  in  der  Parteienlandschaft  abgegeben  wurde.116 8  Diese  Gruppe  war  auch  keiner
der  Fronten  des  Abstimmungskampfes  eindeutig  zuzuordnen,  wie  das  Kräfteverhältnis
  von  CDU  und  SPD11  sowie  die  Ergebnisentwicklung  der  DPS"s  zeigt.  In  der

Wandel  der  dörflichen  Lebenswelt  in  der  DDR  und  der  Bundesrepublik  Deutschland  1952-1969,  Göttingen
  1999  (=  Kritische  Studien  zur  Geschichtswissenschaft  131),  hier:  S.  314.
114  In  der  Christlich-Nationalen  Gemeinschaft  arbeiteten  Kritiker  des  Vereinigungsprozesses  von  CDU  und
SVP  unter  Führung  des  früheren  Ministerpräsidenten  Hubert  Ney  zusammen.  Wahlerfolge  konnte  diese
neue  Partei  allerdings  nur  vorübergehend  und  auf  lokaler  Ebene,  vorwiegend  im  Kreis  Saarlouis,  erzielen.
115  Stat.  Amt  d.  Saarl.  (Hg.),  Die  Wahlen  im  Saarland  am  4.  Dezember  1960,  Saarbrücken  1960  (=  SiZ,
Sonderh.  17),  S.  14.
116  Diese  Erscheinung  hatte  sich,  schon  bei  den  Kommunalwahlen  1949  abgezeichnet,  fand  ihre  Fortsetzung
  in  den  „WeitJen  Wahlen“  1952  und  bestätigte  sich  zuletzt  noch  in  den  Landtagswahlen  von  1961,  bei
denen  SVP  und  CNG  zusammen  alleine  schon  ca.  15%  der  Stimmen  auf  sich  vereinten,  von  dem  für
FDP-Verhältnisse  immer  noch  ungewöhnlich  guten  Abschneiden  der  DPS  ganz  abgesehen.
11  Der  relative  Erfolg  der  C-Parteien  in  der  Frühphase  ist  mit  einer  für  die  Bundesrepublik  breit  erforschten
  Faktorenkonstellation  in  konfessioneller  Verteilung  und  sozio-ökonomischer  Entwicklung  zu  erklären
und  insofern  „normal“.  Allerdings  sind  die  Erfolge  der  SVP  und  die  gleichzeitig  eintretende  Schwächung
der  CDU  Ende  der  50er  Jahre  wohl  teilweise  auf  deren  indirekte  Nachfolge  der  CVP  zurückzufuhren.
Kappmeier,  Konfession  und  Wahlverhalten,  S.  72,  spricht  ohne  weiteres  gar  von  der  „Nachfolgepartei  der
CVP“.  Andererseits  war  damit  eben  auch  eine  ideologisch-programmatische  Nähe  ihrer  Wählerschaft  zur
CDU  gegeben.
ii8 Ebd.,  S.  77.  Die  ungünstigen  Ergebnisse  der  DPS  an  der  Schwelle  zu  den  60er  Jahren  sind  sicherlich
auch  im  Zusammenhang  mit  dem  Scheitern  des  bis  zum  Abstimmungskampf  unternommenen  Versuchs  zu

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