ersten Regierungserklärung85 zunächst eine recht defensive Vorgehens weise. Er gab
praktisch keine relevanten Informationen zur Frage der internationalen Verhandlungen
über die Saarfrage preis, und auch seine Analyse der innenpolitischen Angelegenheiten
wies - obwohl detailreicher - nur sehr wenig programmatische Schärfe
auf.86 Statt dessen verwendete Ney immer wieder Wendungen, die auf die durch das
Christentum bestimmte Basis seiner Politik rekurrierten, und beschränkte sich im
wesentlichen auf Wiederholungen bereits bekannter Programmpunkte des Heimatbundes.
Etwas ausführlicher dagegen wurde die Kulturpolitik gewürdigt, wobei hier
auch die Person des verantwortlichen Ministers ausführlich thematisiert wurde.8
Auch die zweite Regierungserklärung Neys im April 1956 war von den vielfältigen
äußeren und inneren Einflüssen auf die Politik der Landesregierung geprägt. Wie
bereits erwähnt, stellte diese Rede offenbar einen Versuch der „Flucht in die Öffentlichkeit"
dar, der aber in engem Zusammenhang mit den anstehenden Kommunalwahlen
stand, ln seiner breiten Darstellung der Regierungsperspektive auf die Saarverhandlungen
betonte Ney die Einigkeit der Parteien des Heimatbunds und grenzte
indirekt seine Politik gegenüber der CVP ab.88 89 Diese Vorgehensweise wurde zu
diesem Zeitpunkt auch - noch - von allen Heimatbundparteien akzeptiert, die zwar die
Chance zur inhaltlichen Profilierung durch Reden zu bestimmten Teilaspekten
nutzten,81' auf grundlegende Kritik am Verhandlungs- und Regierungsstil Neys jedoch
verzichteten.90
Diese Grundlinie der Politik Neys gegenüber dem Parlament sollte sich jedoch schon
bald als nicht haltbar erweisen - nicht nur aufgrund der veränderten außenpolitischen
Situation und der wachsenden Konflikte innerhalb des Heimatbundes, sondern auch,
weil er de facto das Parlament in seiner Funktion als einem Kontrollorgan gegenüber
der Regierung und als einem wichtigen Ort zur Diskussion von Politik außer Funktion
setzte.41 Am 27. November 1956 forderte die DPS im Landtag eine ausführliche
145 LTDS.3. WP, Abt. I, 2. Sitzung v. 10.1.56, S. 16-20.
86 Bevor die Debatte in eine Grundsatzdiskussion um die jüngste saarländische Vergangenheit abglitt,
wurde Ney von einzelnen Rednern der CVP an genau diesem Punkt indirekt kritisiert. Franz Schneider z.B.
fragte ganz konkret nach den Details der Saarverhandlungen, LTDS, 3. WP, Abt. I, 2. Sitzung v. 10.1.56,
S. 22.
8 LTDS, 3. WP, Abt. 1, 2. Sitzung v. 10.1.56, S. 19. Ney begründete die Auswahl Egon Reinerts für das
Doppelamt des Justiz- und Kultusministers damit, daß ein gesundes Empfinden für Kultur Ähnlichkeit
habe mit einem gesundem Rechtsempfinden. Stellten diese Ausführungen möglicherweise eine Art
Rechtfertigung dafür dar, daß der Jurist Reinert auch für das Kultursressort verantwortlich wurde - und
nicht z.B. Franz Josef Röder?
88 LTDS, 3. WP, Abt. 1,14. Sitzung v. 27.4.56, S. 321 ff.
89 Heinrich Schneider (DPS) hielt eine lange Rede über die Vergangenheit des Warndt-Problems, Friedrich
Regitz (SPD) betonte die sozial- und arbeitsmarktpolitischen Aspekte, LTDS, 3. WP, Abt. 1, 14. Sitzung
v. 27.4.56, S. 336ff.
90 Ansatzweise Kritik äußerte nur Manfred Schäfer, der vor einem zu frühen Eingehen auf französische
Vorbedingungen, insbesondere beim Moselkanal, warnte, LTDS, 3. WP, Abt. I, 14. Sitzung v. 27.4.56,
S.34I.
91 Unter diesem Aspekt könnte der Regierungsstil Neys als Reaktivierung einer in der unmittelbaren
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