Full text : Das Saarland im doppelten Strukturwandel 1956 - 1970

erklärung  Egon  Reinerts  dar,  die  dieser  nach  der  außerordentlich  komplizierten
Regierungsbildung  im  Sommer  1957  im  Parlament  abgab:* 40  Nachdem  die  Aussprache
zu  dieser  Regierungserklärung  zunächst  vertagt  worden  war,  fand  das  Parlament  -
anscheinend  auch  angesichts  der  hohen  Belastung  mit  sozialpolitischen  Themen  -
keine  Gelegenheit  mehr  dafür;  somit  fand  zur  ersten  Regierungserklärung  eines
neugewählten  Ministerpräsidenten  schlichtweg  keine  Aussprache  statt  -  ein  in  demokratischen
  Systemen  wohl  einmaliger  Vorgang.

Regierungskoalitionen  und  Kabinette  im  Saarland  1956-1965

Kabinette

CDU

CVP

SPD

SPS

DPS  ab  1964
FDP/DPS

SVP

X

X

X

X

X

X

X

X

X

X

X

X

X

CNG

Kabinett  Ney,
10.1.56-25.3.57
1.  Kabinett  Reinert,
4.6.57-21.1.59
2.  Kabinett  Reinert,
26.2.59- 23.4.59
1.  Kabinett  Röder,
30.4.59- 2.1.61
2.  Kabinett  Röder,
17.1.61-10.7.65

Nach  dem  öffentlichen  Eklat  zwischen  den  Heimatbundparteien  am  13.  Dezember
1956  gelang  es  der  DPS  in  der  Folgezeit  kaum  noch,  wirklich  „Fuß“  in  der  Parteienlandschaft
  des  Saar-Parlamentes  zu  fassen.  Durch  ihre  Regierungsbeteiligung  teilte
sie  alle  möglichen  Angriffspunkte  mit  den  beiden  anderen  Parteien,  was  sich  insbesondere
  im  Bereich  des  Ministeriums  für  Öffentliche  Arbeiten  und  Wiederaufbau
als  nachteilig  erweisen  sollte.  Die  ständigen  Probleme  im  Bereich  der  umfangreichen
Baumaßnahmen,  vor  allem  im  Verkehrssektor,  führten  zu  einer  dauernden  Bedrohung
durch  öffentliche  Angriffe.41  Gleichzeitig  gelang  es  ihren  Ministern  jedoch  nicht,

CDU/CSU-Fraktion  in  der  6.  Wahlperiode  1969-1972,  Bonn  1976,  hier:  S.  151T.,  als  Regelmäßigkeit
annimmt.
40  LTDS,  3.  WP,  Abt.  1,  37.  Sitzung  v.  12.6.57,  S.  1051-1063(1).
41  Es  drängt  sich  der  Eindruck  auf,  daß  in  dieser  Frage  ein  „Skandal“  über  Monate,  wenn  nicht  länger,  „am
Kochen  gehalten“  wurde,  obwohl  offenbar  kein  wirklicher  Anlaß  vorlag:  Die  in  Rede  stehende  Vergabe
von  Bauaufträgen  war  bereits  Anfang  1957  Gegenstand  von  Beratungen  im  Kabinett,  in  dem  die  Vorwürfe
als  Mißverständnis  bei  der  Amtsübergabe  nach  dem  Ausscheiden  von  Minister  Blind  dargestellt  wurden,
siehe:  LASB  StK  1715,  Kabinettsprotokoll  v.  25.6.57.  Trotzdem  sah  sich  die  DPS  Anfang  1959  gezwungen,
  einen  Untersuchungsausschuß  gegen  ihren  eigenen  Minister  zu  beantragen,  um  diesen  von  den
Vorwürfen  freizusprechen,  siehe  LTDS,  3.  WP,  Abt.  I,  73.  Sitzung  v.  17.7.59,  S.  1999.  Der  Antrag  wurde
jedoch  abgelehnt,  was  als  „Schweinerei“  bezeichnet  wurde.  Daneben  wurde  aber  auch  der  schleppende
Vollzug  verschiedener  Baumaßnahmen  immer  wieder  kritisiert,  was  umfangreiche  Rechtfertigungsversu-125


            
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