der insbesondere Karl Albrecht (CDU) die CVP massiv attackierte. Nur innerhalb des
Heimatbundes galt dies nicht: Die SPD-Fraktion trat betont defensiv auf, wenn sie
zugunsten der schnellen Vereinigung mit Deutschland auf wichtige Elemente ihres
eigentlichen Programms verzichten wollte. Auf diese Weise schlossen sich die
Sozialdemokraten praktisch selber aus der Parlamentsdebatte aus, die im weiteren
Verlauf so gut wie ohne ihre Beteiligung geführt wurde.1
Bis Mitte Juli 1956 band so der Versuch, angemessene Kooperationsformen zu
finden, einen erheblichen Teil der Arbeitszeit in den Plenarsitzungen. Richtungsweisend
hierfür war die Diskussion um eine Resolution zur Zukunft der Röchling-Werke
Mitte Januar 1956. Die Landesregierung hatte es nicht zuletzt auf Druck aus
Bonn hin übernommen, durch eine gemäßigt formulierte Resolution die Verabschiedung
eines DPS-Antrags über einen Volksentscheid in dieser Frage zu verhindern.17 18
In der folgenden Debatte zeigte sich die besondere Bedeutung der „Vergangenheitsbewältigung“
in der Frühphase der parlamentarischen Arbeit: Die DPS erklärte sich
mit der Nichtbefassung ihres Antrages einverstanden - nachdem sie ihn vorher hatte
immerhin ausführlich begründen können. Die CVP wiederum versäumte nicht, darauf
hinzuweisen, daß sie dem DPS-Antrag alleine schon aus verfassungsrechtlichen
Gründen nicht hätte zustimmen können, daß sie aber mit dem Regierungsentwurf
zufrieden sei, weil er direkt an ihre Politik vor der Volksabstimmung anknüpfe. Nach
einer kurzen Attacke gegen die Saarpolitik Adenauers konnte die Resolution dann
verabschiedet werden/' Mit der Verabschiedung dieser Resolution schrammte die
saarländische Politik innen- wie außenpolitisch haarscharf an einer „Katastrophe“
vorbei. Die Lösung baute inhaltlich auf dem Vertrauen der Partner im Heimatbund,
formal aber auf dem steuernden Eingreifen der Regierung in die Vorgänge innerhalb
des Parlamentes auf. Die gelungene Zusammenführung aller Parteien in der gemeinsamen
Resolution kann als Indiz dafür gelten, daß bei den handelnden Personen die
Erkenntnis reifte, auch in solch politisch hochgradig belasteten Themen eine zweckmäßige
Konsenslösung herbeiführen zu können, ohne die Chance, sich eindeutig zu
positionieren, aufgeben zu müssen.
Ein symbolisch wie sachpolitisch noch sehr viel bedeutsameres Ereignis stellte kurz
darauf die gemeinsame Grundsatzerklärung der Landtagsfraktionen zur Eingliederung
17 LTDS, 3. WP, Abt. I, 1. Sitzung v. 10.1.56, S. 27. Möglicherweise spiegeln sich hier noch Rückwirkungen
aus der für die Saar-SPD besonders schwierigen Einbindung in den Heimatbund wider, vgl.
hierzu Jean-Paul Cahn, CDU, FDP et SPD face à la question sarroise 1947-1956, in: Gilbert Krebs u.
Gérard Schneilin (Hgg.), L’Allemagne 1945-1955. De la capitulation à la division, Asnières 1996,
S. 153-176. Aus dieser Sitzung scheint der Fraktionsvorstand der SPD sehr schnell gelernt zu haben,
zumindest gab die SPD bereits drei Wochen später diese zurückhaltende Linie auf.
IK LASB A A 436, Besprechungsvermerk v. 13.1.56.
19 LTDS, 3. WP, Abt. 1, 3. Sitzung v. 17.1.56, S. 49ff. Größere Schwierigkeiten scheint diese Resolution
den Vertretern der Kommunisten und der Fraktion der SPD gemacht zu haben: Der Abgeordnete Basel
(KP) versuchte - fast möchte man sagen: verzweifelt - die Rückgabe des Werkes als Erfolg der Arbeiter
gegen das Kapital darzustellen, s. ebd., S. 47. Und auch Friedrich Regitz (SPD) betonte hauptsächlich den
Aspekt des Mitspracherechts der Mitarbeiter der Völklinger Hütte und weniger die Reprivatisierung dieses
Werks der Grundstoffindustrie, s. ebd., S. 51.