Full text : Das Saarland im doppelten Strukturwandel 1956 - 1970

Stimmenverteilung  bei  der  Landtagswahl  1955

5,8

CDU  Q]  CVP  g  SPD  |  SPS  |  DPS
Angaben  in  Prozent  der  gültigen  Stimmen.  Lesebeispiel:  Die  sozialdemokratischen  Parteien  erreichten  mit
zusammen  nur  knapp  über  20%  nicht  das  Ergebnis  der  CVP.  Quelle:  Stat.  Amt  d.  Saarl.  (Hg,),  Die  Wahlen
im  Saarland  am  4.  Dezember  1960,  Saarbrücken  1961  (=  SiZ,  Sonderh.  17).
Möglicherweise  erklärt  diese  Konstellation  auch  die  Entspannung  der  Lage  im
Vorfeld  der  Landtagswahlen  1955.  Nach  dem  heftigen  AufeinandertrefFen  im  Abstimmungskampfverlief
  der  Wahlkampf  in  überraschender  Ruhe.10  Allerdings  zeigt
die  Übereinkunft  zwischen  den  Parteien,  in  der  Wahlauseinandersetzung  auf  bestimmte
  Verunglimpfungen  des  politischen  Gegners  zu  verzichten,1’  wie  belastet  der
Umgang  miteinander  noch  war.12  Zudem  war  von  einer  scharfen  Abgrenzung  der
Positionen  eine  mobilisierende  Wirkung  zu  erwarten,  während  eine  auf  Kooperation
und  Ausgleich  angelegte  Strategie  allenfalls  die  eigene  Position  zu  schwächen  drohte,
kaum  aber  nennenswerte  Vorteile  zu  bringen  versprach.  Den  politischen  Kosten  einer
10  Vgl.  u.a,  Craddock,  Saar-Problem,  S.  465,  Cahn,  Second  retour,  S.  30.
!l  Schmidt  bezeichnete  diese  Episode  als  „Separatismus-Streit“,  zu  den  Details  siehe:  Robert  H.  Schmidt,
Saarpolitik,  Bd.  3  S.  382ff.  Bei  der  Interpretation  dieser  Vorgänge  ist  der  Hinweis  von  Cahn,  Quatrième
République,  S.  36,  hilfreich,  der  die  zunehmende  Ausrichtung  der  Argumentation  der  deutschen  Sozialdemokraten
  auf  eine  scharfe  Polemik  gegen  die  führenden  Vertreter  auf  deren  eigene  Unsicherheit  im
Umgang  mit  der  Saarffage,  besonders  seit  dem  Bekanntwerden  des  Naters-Plans,  zurückfühlt.
12  Zu  Symbolik  und  Methoden  der  Auseinandersetzung  siehe:  Jürgen  Hannig,  Grenzen  der  Politik.
Saarffage  und  Abstimmungskampf  1955,  in:  Stadtverband  Saarbrücken,  Regionalgeschichtliches  Museum
(Hg.),  Tag  X,  S.  351-376,  hier:  S.  367fT.  Zum  Referendum  als  „ungeheuerlicher  Vorgang“:  Otto  Klinkhammer,
  „Nein“  war  positiv,  „Ja“  war  negativ.  Die  Abstimmung  über  das  Saar-Statut  1955,  in:
Klaus-Michael  Mallmann,  Gerhard  Paul,  Ralph  Schock  u.  Reinhard  Klimmt  (Hgg,),  Richtig  daheim  waren
wir  nie.  Entdeckungsreisen  ins  Saarrevier  1815-1955,  Bonn  1987,  S.  258-263.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.