auszugleichen.192 In einer hochkarätig besetzten Arbeitssitzung im August konnte die
saarländische Seite zwar ihre Forderungen in Bonn vortragen; als positivstes Ergebnis
mußte aber testhalten werden, daß der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium
dem wenigstens nicht in „unverhältnismäßig scharfer Form entgegengetreten“
war.1"1
Auf diese Weise geriet die Landesregierung zu Anfang der 60er Jahre in eine ungewohnte
Situation. Die Stagnationskrise der Jahre nach 1960 erzeugte wirtschaftspolitischen
Handlungsbedarf, der über die bisherigen Konzeptionen der Politik weit
hinausreichte. Der Versuch, dem mit einer Wiederaufnahme der seit den Saarvertragsverhandlungen
bewährten Strategien zu begegnen, scheiterte jedoch. Aus konkreten
Anlässen entwickelte Einzelforderungen und Hilfsprogramme konnten nicht
mehr durchgesetzt werden; dagegen waren die in Verhandlungen mit Bonn erreichten
Zusagen wie die zur Hilfe bei der Finanzierung von Anpassungsmaßnahmen im
Bergbau oder auch die Verlängerung der Absatzhilfe für die Saarwirtschaft zur
Eindämmung der Probleme nicht ausreichend. Diese Mißerfolge stellte auch die
saarländische Opposition in aller Deutlichkeit heraus.19
2.4 Zusammenfassung
Die Bewertung der Übergangszeit fiel im Expertendiskurs der Zeitgenossen durchweg
negativ aus:195 198 Einhellig wurde die Meinung vertreten, daß sie „starke Züge der
Auffechterhaltung des Status quo“1" gezeigt habe, daß keine „irgendwie nennenswerte
Anpassung an die nach der wirtschaftlichen Rückgliederung zu erwartende
Absatzsituation“200 erfolgte und somit „das Ziel der Übergangszeit nicht erreicht“201
wurde, weil „die Hauptphase des Eingliederungsprozesses ... nach dem Tage X [hat]
195 Beschlußlage im Kabinett wurde diese sehr allgemeine Forderung nach Hilfe bereits Anfang Mai, siehe:
LASB StK 1728, Kabinettsprotokoll v. 2.5.62, und zwar auf Basis einer Vorlage des Wirtschaftsministeriums,
siehe: LASB StK Kabinettsregistratur, Anlage MW, Kabinettsvorlage Wirtschaftsministerium v.
2.5.62. Eine ausführliche Beschreibung der Gegenstände, die gegenüber Bonn verhandelt wurden, liefert
die Regierungserklärung Röders in: LTDS, 4. WP, Abt. 1, 21. Sitzung v. 14.5.62, S. 783ff.
196 LASB StK Kabinettsregistratur, Anlage MW, Kabinettsvorlage Wirtschaftsministerium v. 2.11.62.
19 Besonders deutlich wurde dies in der Rede von Rudolf Recktenwald (SPD) in: LTDS, 4. WP, Abt. I, 28.
Sitzung v. 5.12.62, S. 1059ff., der ausdrücklich kritisierte, daß die Regierung zu unpräzise Forderungen
gegenüber Bonn erhoben habe, das Saarland brauche statt dessen mehr als einen „Freundesschwur“.
I9ti Schon 1957 titelte Norbert Weiter, Alles umsonst?, in: Die Arbeitskammer. Zeitschrift der Arbeitskammer
des Saarlandes 5 (1957), S. 294-295. Die Autoren der Arbeitskammer-Zeitung hielten an diesem
negativen Urteil über die Übergangszeit praktisch durchgängig fest. So hieß es bei Walter Gerisch, Die
Saar zieht Bilanz, in: Die Arbeitskammer. Zeitschrift der Arbeitskammer des Saarlandes 6 (1958), S. 4-5:
„Es ist im wesentlichen nicht gelungen, die Wettbewerbsfähigkeit der Saarbetriebe nennenswert zu
erhöhen..“
199 IHK des Saarlandes (Hg.), Wirtschaft, S. 207.
200 Buddeberg, Verlagerung, S. 181.
:i11 IHK des Saarlandes (Hg.), Auswirkungen, S. 7.
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