wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des gerade eingegliederten Saarlandes übereinstimmend
in schillernden Farben dargestellt, und auch die Auswahl der Autoren
zeigte eine enge, harmonische Zusammenarbeit saarländischer und bundesdeutscher
Politik mit Unternehmern, Interessenvertretern, Verbänden und Wirtschaftsorganisationen
aus dem Saarland sowie dem überregionalen Kontext.190
Mit der rapiden Verschlechterung der volkswirtschaftlichen Daten zerstoben diese
Hoffnungen auf politische Entspannung jedoch. Als erster Schritt in dieser Entwicklung
ist die am 6. März 1961 vorgenommenen Aufwertung der DM um 5% zu nennen,
die eine gravierende Belastung im deutsch-saarländischen Verhältnis mit sich
brachte.191 Obwohl das Kabinett die Auswirkungen dieser Maßnahme noch am 7.
März 1961 in recht moderaten Tönen analysierte,192 schlug es Mitte April vor dem
Landtag eine völlig andere Argumentationsweise ein. In einer vorab im Kabinett
ausführlich diskutierten Regierungserklärung hob der Wirtschaftsminister Eugen
Huthmacher das Problem von der Ebene der von SPD und SVP geforderten direkten
Ausgleichsmaßnahmen zugunsten einzelner Unternehmer auf die Ebene einer strukturellen
Benachteiligung der Saarwirtschaft, die gemäß einem Zehn-Punkte-Programm
durch Hilfen der Bundesregierung ausgeglichen werden sollte.19' Allerdings konnten
nicht einmal Ausgleichsmaßnahmen für die von der Aufwertung direkt betroffenen
Grenzgänger im lothringischen Bergbau gegen den Widerstand aus Bonn durchgesetzt
werden.194 Ein ähnliches Schicksal teilte ein von der Landesregierung ein Jahr
später erarbeitetes Programm „großzügiger Maßnahmen“ von Seiten Bonns, die als
notwendig dargestellt wurden, um die in der Stagnation sichtbar werdenden, aus
Eingliederung und Standortlage entstandenen Benachteiligungen der Saarwirtschaft
l9U Als teilweise „graue Literatur“ sind die Arbeiten meistens leider bibliographisch nicht nachgewiesen.
Als Beispiele für derartige Publikationen seien genannt: Eduard Dietrich (Hg.), Saarland; Vogel-Verlag
(Hg.), Die Saarwirtschaft heute, Würzburg 1959; Saarbrücker Druckerei und Verlag GmbH (Hg.),
Bundesland.
191 Einen chronologischen Überblick über die währungs- und finanzpolitischen Maßnahmen der Bundesregierung
bietet Kurt-Dieter Wagner (Bearb.), Chronologie zur Finanzgeschichte 1949-1969. Daten und
Erläuterungen, Bonn 1993 (= Schriftenreihe zur Finanzgeschichte 2). Zur Einordnung der Aufwertung in
die handelspolitische Westbindung vgl. Jürgen Bellers, Außenwirtschaftspolitik der Bundesrepublik
Deutschland 1949-1989, Münster 1990, hier: S. 266fF. Den Zusammenhang zur aktuellen Diskussion über
die konjunkturpolitische Dimension der bundesdeutschen Politik in den späten 50er Jahren vgl. Helge
Berger, Konjunkturpolitik im Wirtschaftswunder. Handlungsspielräume und Verhaltensmuster von
Bundesbank und Regierungen in den 1950er Jahren, Tübingen 1997, hier: S. 1421T.
192 LASB StK 1725, Kabinettsprotokoll v. 7.3.61. Der Bericht des Wirtschaftsministers ließ erkennen, daß
wohl der überwiegende Teil der saarländischen Exporte betroffen sei, und zwar so lange, bis entsprechende
Preiserhöhungen in Frankreich möglich würden. Relativ unbeschadet blieben nur diejenigen saarländischen
Firmen, die Niederlassungen in Frankreich unterhielten. Allerdings seien Importe aus Frankreich
in gleichem Umfang begünstigt. Besonders unangenehm sei jedoch die Lage der saarländischen Grenzgänger
nach Lothringen, die faktisch eine Lohnminderung hinzunehmen hätten.
193 Das Programm wurde in der Kabinettsitzung formuliert, LASB StK Kabinettsregistratur, Anlage MW,
Kabinettsvorlage Wirtschaftsministerium v, 17.4.61. In der Landtagsdebatte rekurrierte Hutmacher aber
nicht auf eine geschlossene Programmatik, sondern stellte die einzelnen Forderungen nebeneinander, vgl.
LTDS, 4. WP, Abt. I, 7. Sitzung v. 18.4.61, S. 162ff.
194 LASB StK Kabinettsregistratur, Anlage MW, Kabinettsvorlage Wirtschaftsministerium v. 19.10.61.
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