Full text : Das Saarland im doppelten Strukturwandel 1956 - 1970

verbunden,  die  eine  Zeitlang  die  Aufmerksamkeit  der  Öffentlichkeit  erregten.136
Betroffen  war  insbesondere  die  Preisentwicklung:1'  Obwohl  nach  der  Abwertung  des
Franc  Ende  1958  ein  relativ  angemessener  Wechselkurs  angewandt  wurde,  löste  die
Einführung  der  DM  heftig  kritisierte  Steigerungen  der  Konsumentenpreise  aus.138
Dies  war  wohl  nicht  ausschließlich  auf  Währungstragen,  sondern  auch  auf  aufgestaute
  Konsum  wünsche,134  auf  die  Unerfahrenheit  saarländischer  Kunden  auf  dem
neuen  Markt140  und  auf  saisonale  Gründe141  zurückzuführen.14  Dem  entsprachen  auch
teilweise  hektische  Reaktionen  im  Bereich  der  Löhne  und  Gehälter.  Diese  wurden
zum  Teil  durch  die  faktische  Neufestsetzung  der  Bezüge  gemäß  dem  Gesetz  zur
Einführung  deutschen  Rechts  auf  den  Gebieten  der  Arbeitsbedingungen  und  des
Familienlastenausgleichs  im  Saarland  vom  30.  Juni  1959,143  zum  Teil  -  insbesondere
im  Öffentlichen  Dienst  -  durch  punktuelle  Ausgleichsmaßnahmen  überwunden.  Einen
wichtigen  Beitrag  zur  Kompensation  der  Schwankungen  von  Preisen  und  Löhnen
leisteten  auch  gewisse  Sonderregelungen.  Zum  einen  wirkten  sich  die  gesetzlich
verankerten  „Lohnsteuerpräferenzen“  positiv  auf  die  Höhe  der  Nettolöhne  aus,  zum

136  Gegen  die  zu  erwartende  Verunsicherung  setzten  die  Institutionen  der  saarländischen  Wirtschaft  eine
regelrechte  Aufklärungskampagne,  die  sich  anhand  der  jeweiligen  Ausgaben  von  Zeitungen  und  Verbandszeitschriften,
  aber  auch  anhand  einzelner  Informationsbroschüren  wie  z.B.  Peter  Weiant,  Grundlagen  und
Aspekte  der  Endregelung  des  Saarvertrages,  Saarbrücken  1957,  nachvollziehen  läßt.
13  Aus  statistischen  Gründen  ist  es  sehr  schwierig,  die  Auswirkungen  der  Währungsumstellung  nachzuvollziehen:
  Ein  direkter  Vergleich  z.B.  der  in  DM  und  Franc  bilanzierten  Umsatzwerte  ist  kaum  sinnvoll,
weil  nach  der  Eingliederung  z.T.  auch  völlig  andere  Preisgestaltungen  zum  Einsatz  kamen.  Vgl.  hierzu:
Stat.  Amt  d.  Saarl.  (Hg.),  Saarländische  Bevölkerungs-  und  Wirtschaftszahlen  11/12  (1959/1960),
Saarbrücken  1960,  S.  88,  mit  ausführlichen  Preisvergleichen.  Leichter  fällt  demgegenüber  die  Auswertung
der  Produktionsentwicklung,  zumal  hierzu  auch  in  den  zeitgenössisch  publizierten  Statistiken  etliche
Vorarbeiten  geleistet  wurden.  Vgl.  Die  Rückgliederung  des  Saarlandes  und  die  Entwicklung  des  Binnenaustausches
  in  den  Erzeugnissen  der  EGK.S,  in:  Statistische  Informationen  des  Statistischen  Amts  der
Europäischen  Gemeinschaften  (1961),  S.  157-164.
138  Hans-Walter  Herrmann,  Modellfall,  S.  47;  Wannemacher,  Mairegen,  S.  250;  Heinen,  Blick  zurück.
139  Liepelt  u.  Loew,  Menschen,  S.  56.
140  Heinen,  Blick  zurück.  Von  den  Zeitgenossen  wurde  auch  der  Einfluß  allzu  offensiver  Marketingstrategien
  der  bundesdeutschen  Unternehmen  gegenüber  ihrer  saarländischen  Konkurrenz  sehr  oft  betont,
vgl.  bspw.  Paul  Keuth,  Der  Saarmarkt  in  der  Umstellung,  in:  Die  Saarwirtschaft.  Zwischenbilanz  nach  der
Wiedereingliederung  (=  Der  Volkswirt  11  (1960),  Beilage),  S.  13-14;  die  mit  Macht  auftretenden  neuen
Marktteilnehmer  fanden  sogar  Eingang  in  den  Saarbrücker  Karneval,  vgl.  hierzu  die  Büttenrede  mit  dem
vielsagenden  Titel  „Die  Invasion“  von  Willi  Decker  bei  Hans-Christian  Herrmann,  Landeshauptstadt,  S.
380f.
141  Erich  Conrad,  Auswirkungen,  S.  151.
142  Diese  plötzlichen  Preissteigerungen  fielen  im  Vergleich  zur  dramatischen  Entwicklung  der  Lebenshaltungskosten
  in  den  Jahren  1957  bis  I  958  jedoch  sehr  viel  geringer  aus.  Vgl.  hierzu:  Stat.  Amt  d.  Saarl.
(Hg.),  Saarländische  Bevölkerungs-  und  Wirtschaftszahlen  9/10(1959/60),  S.  92f.
143  Ausführlich  hierzu:  H.  D.  Wurthmann,  Löhne  und  Lohnkosten  im  Saarland.  Strukturunterschiede
erschweren  Anpassung,  in:  Der  Volkswirt  11  (1957),  S.  12-15;  Industrie-  und  Handelskammer  des
Saarlandes  (Hg.),  Das  französische  und  deutsche  Wirtschaftssystem  aus  der  Sicht  der  Saarwirtschaft.  Eine
kritische  Würdigung  durch  die  Industrie-  und  Handelskammer  des  Saarlandes  insbesondere  im  Hinblick
auf  die  Schaffung  des  Gemeinsamen  Europäischen  Marktes,  Saarbrücken  1960,  hier:  S.  23fif.

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