Full text: Obrigkeit und Untertanen

von dem Grafen bereits vor einem halben Jahr angekündigte 'gemeine Forstordnung' 
zu entwerfen; denn schon Anfang 1726 ließ von Botzheim den beiden Bürgerschaf¬ 
ten von Saarbrücken und St.Johann 60 Forstartikel verkünden und verlangte ihre 
sofortige Entscheidung256. Nachdem die Bürger sich geweigert hatten, die Punkte 
anzunehmen, verweigerte auch der Graf seine Zustimmung257. Der Oberforstmeister 
blieb aber nicht untätig: Speziell für die Grafschaft Ottweiler entwarf er noch im 
Frühjahr 1726 ganze 89 Forstartikel, die eine außerordentliche Einschränkung der 
kommunalen Forstrechte darstellten. Jetzt wollte er nicht nur die kommunalen 
Waldungen der Stadt- und(!) Landgemeinden in die allgemeine Reglementierung 
miteinbeziehen, sondern auch die Waldweiderechte der Untertanen ganz erheblich 
beschneiden258. Aber auch dieses Forstprojekt von Botzheims fand keine Bestätigung 
durch den Grafen. Vielleicht war die verbleibende Regierungszeit zu kurz, vielleicht 
war aber auch kein ernsthafter Wille zur Neuordnung des Forstwesens vorhanden; 
schließlich war Friedrich Ludwig bei der Herrschaftsübemahme der Grafschaft 
Saarbrücken bereits 73 Jahre alt, und außerdem hatte er durch die vielfältigen Auf¬ 
gaben infolge der Leitung des nassauischen Senioriats, durch den plötzlichen Aus¬ 
bruch der sogenannten Bauemrevolution in der gemeinschaftlich verwalteten Graf¬ 
schaft Saarwerden, durch den fortwährenden Streit mit dem Kloster Wadgassen und 
vieles andere mehr gerade in seinen letzten Regiemngsjahren alle Hände voll zu 
tun259. Die Tatsache, daß Friedrich Ludwig sich überhaupt wieder mit dem Forst¬ 
wesen zu beschäftigen begann, hing wohl auch damit zusammen, daß er die Eisen- 
und Glashüttenindustrie, die beiden 'holzfressenden' Industrie werke, forderte: So 
sorgte er dafür, daß 1719 eine Eisenhütte am Sulzbach angelegt wurde260, und 1723 
errichtete er am Fuße der Bildstocker Höhe die Friedrichsthaler Glashütte, die er von 
Glasmeistem aus dem Isenburgischen betreiben ließ261. Aber auch jetzt drohte noch 
keine Holznot, denn zu Beginn des 18.Jahrhunderts war der Holzreichtum in Nassau- 
Saarbrücken" noch so groß, daß das schwachbevölkerte Land die laufende Produk¬ 
tion gar nicht selbst abnehmen, sondern einen bedeutenden Überschuß dauernd 
ausführen konnte"262. Hier kam der seit der zweiten Hälfte des 17.Jahrhunderts 
256 Vgl. die Petition der Vorsteher der beiden Städte Saarbrücken und St.Johann an Graf Friedrich 
Ludwig, Saarbrücken 14.Januar 1726: LA SB 22/2309, S.l-5; s dazu ausführlicher im Kapitel über 
den städtischen Protest (Kap. 1.3). 
257 Vgl, das Dekret Friedrich Ludwigs auf die Petition der beiden Städte Saarbrücken und St.Johann, 
Ottweiler 15.Januar 1726: LA SB 22/2309, S.6; vgl. auch die Regierungsresolution vom gleichen Tag 
LA SB 22/2418, S.l (Nr.l); s.dazu ausführlicher im Kapitel über den städtischen Protest Kap.1.3a). 
258 Vgl. den undatierten Auszug von Botzheims aus einer nassauischen Forstordnung, wonach sich die 
Untertanen der Grafschaft Ottweiler ab dem 1 .April (1726, K R.) zu richten haben: LA SB 22/2308, 
S.65-81. 
25S Vgl. Köllner, Land, S.430ff.; Ruppersberg, Grafschaft II, S.206ff; zu diesem Gedanken auch Rum- 
schöttel, Verwaltungsorganisation, S.121f. 
260 Vgl. Ruppersberg, Grafschaft II, S.212. 
261 Vgl. Haßlacher, Industriegebiet, LXI. 
262 Collet, Wirtschaftsleben, S.28. 
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