Full text: Obrigkeit und Untertanen (32)

standen und die Herrschaft ihnen im Dezember 1762 eine Frist von drei Wochen auf¬ 
erlegte, um diese Forderung glaubhaft zu erweisen'61. Die Bitte, die die Stadtgerichte 
dann Anfang Januar 1763 an den Fürsten richteten, belegt einmal mehr den im politi¬ 
schen Rechts Verständnis zu diesem Zeitpunkt noch vorhandenen Primat der Gnade. 
Die Gerichtsleute mußten schweren Herzens eingestehen, daß in dem Stadt Archiv 
ein Document, durch welches wir dießen Beweis klar fuhren könnten, sich nicht 
vorfinde-, sie glaubten aber, in der fortdauernden Gnade des Fürsten hinlängliche 
Ursachen zu finden, ihn darum zu bitten, ihnen eine Gnade zuzugestehen, die ihm 
wenig Nachtheil, den Städten hingegen großen Vortheil bringen würde; denn da¬ 
durch, daß in diesen herrschaftlichen Wirtshäusern nun auch Wein ausgeschenkt 
werde, gehe den Städten einiges an ihrem Ohmgeld verloren und entstehe ein consi- 
derabler Schade(n). Als 'Beweis' der Rechtmäßigkeit ihrer Forderung konnten sie 
lediglich darauf verweisen, daß all das zu einer Stadt gehöre, was in deren Zwing und 
Bann liege, und da die beiden Wirtshäuser sich auf städtischen Bännen befänden, 
fanden sie ihre Bitte, den städtischen Ohmgeld-Anteil auf diese Wirtshäuser auszu¬ 
dehnen und dies in die gnädigst zu ertheilenden Privilegien mit ein(zu)verleiben, 
ausreichend legitimiert167 168. Die Regierung erkannte diesen in der Tat recht schwachen 
Beweis nicht an und schlug die Bitte sogleich ab169. Daraufhin versuchten die 
Stadtgerichte durch Zeugenverhöre und alte Gerichtsprotokolle aus dem 17.Jahrhun¬ 
dert wenigstens nachzuweisen, daß das sogenannte 'Tal' früher fester Bestandteil der 
Stadt gewesen sei und deswegen auch das Ohmgeld vom dortigen Brauhaus an die 
Stadt entrichtet werden müßte170. Aber auch dies erkannten die Behörden nicht an 
und blieben bei ihrer ablehnenden Haltung171. Als nun erneut eine längere 
Begutachtungsphase eingeleitet wurde, die sich übers ganze Jahr hinwegzog172 173, 
drangen die Stadtgerichte Anfang 1764 auf eine Entscheidung, damit endlich wegen 
Bestättigung der Stattprivilegien ein Schluss gemacht werden könne'11. Der Fürst 
hatte mittlerweile den 'Kunstgriff unternommen und das auf St.Johanner Bann 
gelegene Brauhaus auf der Kohlwage zum Malstatter Bann gezogen - in der Hoff¬ 
nung, daß sich damit die Ansprüche der Städte erübrigen würden174. Am 27.Januar 
wurde das Ohmgeld-Gesuch offiziell abgeschlagen und die Privilegienkonfirmation 
in Aussicht gestellt175. 
167 Vgl. das Dekret v. 15.Dezember 1762: LA SB 22/2851, fol.87r. 
168 Vgl. die Bitte der beiden Städte an den Fürsten v. 4.Januar 1763: LA SB 22/2851, fol.88-90. 
169 Vgl. das Dekret der Regierung v. 10.Januar 1763: LA SB 22/2851, fol.91. 
|7fl Vgl. die Supplik der Statdtgerichte v. 29.Januar 1763 inkl. der Zeugenverhöre: LA SB 22/2851, 
fol.92-97. 
171 Vgl. etwa die Kammerresolution v. 8.Februar 1763: LA SB 22/2851, fol.98f. 
Vgl. die Regierungsresolution v.15.Februar 1763 und den Kameralbericht v.l l.Novmeber 1763: 
LA SB 22/2851, fol. 100-102. 
173 Regierungsakte v.20.Januar 1764: LA SB 22/2851, fo).103r. 
174 Vgl. die furstl. Resolution v.27.Januar 1764: LA SB 22/2851, fo!.104r. 
175 Vgl. das Dekret als Regierungsentwurf v. 27.Januar 1764: LA SB 22/2851, fol. 104. 
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