Full text: Obrigkeit und Untertanen

hen worden seien141. Und weil sie wußten, daß Wilhelm Heinrich wie bislang kein 
Landesherr vor ihm, alle Mittel ergreifen würde, eine Stadt blühend zu machen und 
in Aufnahme zu bringen, erhoben sie zusätzlich zur allgemeinen Bitte um 
Privilegienkonfirmation vier spezielle Forderungen, die allesamt ausschließlich 
ökonomische Aspekte betrafen. Das war eine taktisch kluge Argumentation, um die 
Herrschaft an ihren eigenen Ansprüchen zu messen. Sie wollten erstens wieder in den 
Genuß der Weinkaufzehrungen auf dem Rathaus gelangen, die ihnen anläßlich der 
Rathausschenkung von 1604 überlassen, seit einigen Jahren aber entzogen worden 
waren, wodurch der Schaden für die Städte angeblich beträchtlich sei; in diesem 
Zusammenhang wiederholten die Gerichtsleute ihre bereits 1748 abgeschlagene Bitte 
um Überlassung der vollen Weinkompetenz zu ihrer Besoldung142. Zweitens bean¬ 
spruchten sie die Ausdehnung des halben Ohmgeldes auf die beiden, von der Herr¬ 
schaft neuangelegten Wirtshäuser, die zwar außerhalb der Städte, aber noch auf 
deren Bann lagen, nämlich das Brauhaus in der Talstraße auf Saarbrücker und das 
Wirtshaus bei der Kohlwage auf St.Johanner Bann143. Die dritte spezielle Forderung 
stand in indirektem Zusammenhang mit der städtischen Marktfreiheit: Die Gerichte 
baten um generelle Befreiung vom Brückengeld und beriefen sich darauf, daß die 
Einwohner beider Städte bislang von allen Waren und Gütern, die in den Städten 
blieben und entweder zur Handelschaft gehört haben oder auch zum eigenen Ge¬ 
brauch consumiret worden sind, kein Brückengeld zahlen mußten; diese Abgabe 
wurde erst seit einiger Zeit von der Bürgerschaft verlangt, wodurch aber das Com¬ 
mercium sehr leiden würde144 145. Die vierte besondere Bitte schließlich betraf den 
Eckpfeiler der städtischen Marktfreiheit: das eigene Siegel, das den Städten bereits 
im Freiheitsbrief verliehen und dann nach Verlust im Jahre 1462 durch ein neues 
ersetzt worden war; die Städte benutzten dieses Siegel bei gerichtlichen und außerge¬ 
richtlichen Händeln, bis vor einigen Jahren vom Oberamt der Befehl kam, daß sie 
sich des Propsteisiegels bedienen sollten. Die Beschwerde ging nun dahin, daß das 
Stadtgericht wie ein anderer Privatus die von Stadtgütern beschehende(n) Verkäufe 
dem Probsteyen Protocollo inseriren zu laßen angehalten werden willH5. Diese letzte 
Spezial-Forderung verweist zugleich auf einen weiteren Problemkomplex, der in der 
Supplik von 1762 zum ersten Mal zum Tragen kam: Jetzt erst zeigten sich in vollem 
Umfang die Auswirkungen der Gründung des Oberamts von 1741. Die Tatsache, daß 
141 Ebd., fol.l; s.a. das Eingangsprotokoll d. Freiheitsbriefs: zu Unserm Nutz und Besserung (Köllner, 
Städte I, S.28). 
142 Petition der beiden Städte an den Fürsten wegen ihrer Privilegien v. 18.Februar 1762: LA SB 22/2851, 
fol.4f. (zit.4); vgl. zur Rathausschenkung von 1604 inkl. der Weinkaufzehrungen nochmals Köllner, 
Städte 1,8.221. 
143 Vgl. dazu auch Jung, Ackerbau, S.141f, 
144 Petition der beiden Städte an den Fürsten wegen ihrer Privilegien v. 18.Febmar 1762: LA SB 22/2851, 
foi.5v.u.6r. 
145 Ebd., fol.6v.; vgl. dazu auch das Schreiben des Stadtgerichts v. 14.Mai 1762: ebd., fol.39f., das diese 
Beschwerde etwas näher erläutert. 
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