Full text: Obrigkeit und Untertanen

Zahlung von 500 Gulden nicht nur von den Heerwagen, sondern auch von den eben¬ 
falls im Freiheitsbrief geforderten Abgaben der Fräuleinsteuer und der Schatzung 
befreit wurden21. Alle diese im nachhinein durch Loskauf erworbenen Befreiungen 
wurden in die städtischen Privilegien, die bei jedem neuen Herrschaftswechsel 
bestätigt wurden, mit aufgenommen23 24. Zur allgemeinen Befreiung der Bürger von 
herrschaftlichen Frondiensten gehörte schließlich noch die Befreiung von Jagdfronen 
mit Ausnahme der Wolfsjagden, die sie in ihrem eigenen Interesse auf den städti¬ 
schen Bännen durchführen mußten, und der kleinen Klapperjagden, bei denen 
Knaben für etwas Geld mit der Klapper, einem Jagdgerät, zu erscheinen hatten25. Zur 
bürgerlichen Freiheit erklärte der Graf im Eingangsprotokoll des Freiheitsbriefs noch 
speziell, daß er in beiden Städten keine unbeschränkten Abgaben, wie es von seinen 
Vorfahren geschehen sei, erheben wolle26. Danach folgte die "Zusammenstellung der 
mit der Ausfertigung in Kraft tretenden Stadtrechte"27. 
Das wichtigste Stadtrecht, das am sichtbarsten den Grad der städtischen Autonomie 
beschrieb, wurde gleich zu Beginn des Freiheitsbriefs ausgestellt: Die freie Wahl 
eines gemeinschaftlichen Stadtgerichts, das als unabhängige Gerichts- und Verwal¬ 
tungsbehörde beider Städte fungieren sollte. Es hieß, daß die Burger von Sarbrucken 
und Sante Johanne sollen alle Jahre wählen acht Mann, vier zu Sarbrucken und vier 
zu Sante Johanne, des Sonntags vor Pfingsten, die in den zweien Städten Gerichte 
seien; am Pfingsttag selbst sollten dann die acht Kandidaten dem Grafen oder seinem 
Stellvertreter vorgestellt werden, der daraus einen zum Meier, d.h. zum Vorsitzen¬ 
den, einen zum Heimburgen und sechs zu Schöffen ernennen sollte28. "Die Gewäh¬ 
rung einer infolge der freien Wahl unhabhängigen richterlichen und verwaltenden 
Behörde" bleibt als "ein wichtiger Markstein in der Geschichte der Stadt- 
23 Vgl. die Urkunde von Graf Ludwig Kraft für beide Städte wegen Privilegienbestätigung, Saarbrücken 
30.April 1694: LA SB 22/2850, fol.228; s.dazu auch Köllner, Städte I, S.333; ders.,dass. II, S.186L; 
Ruppersberg, Städte I, S.l 18; die beiden Abgaben der Fräuleinsteuer u. der Schatzung, einer Abgabe, 
die in besonderen Notfällen erhoben wurde, sind im letzten Artikel des Freiheitsbriefes festgelegt, s. 
Köllner, Städte 1, S.39f. u. das Gutachten des Saarbrücker Rentkammerassessors Krebs zu den 
städtischen Privilegien, Saarbrücken 17.August 1762: LA SB 22/2851, fol.55r. 
24 Vgl. dazu etwa die Petition der beiden Städte Saarbrücken u. St.Johann an die Vormünderin wegen 
Bestätigung der Privilegien, Saarbrücken 31.März 1729: LA SB 22/2850, fol.134-140. 
25 Vgl. dazu das Gutachten der Saarbrücker Rentkammer zu den städtischen Privilegien, speziell zur 
Frondienst-Befreiung, Saarbrücken 16.Oktober 1745: LA SB 22/2850, fol.225; zur Wolfsjagd vgl. 
auch den Streit von 1730 ebd., fol.l44ff. u. oben in Kap.1.3, allgem. zu Jagdfronen vgl. Eckardt, Jagd, 
S.l 12ff. 
26 Vgl. die Passage im Eingangsprotokoll, wonach der Graf versprach, hoch und nieder nicht (zu) 
nehmen, bei Köllner, Städte I, S.28; zur Interpretation s. Ruppersberg, Städte I, S.l6 u.l7/Anm.l. 
27 Vgl. Klein, Freiheitsbrief, S.l36. 
28 Vgl. Art. 1 des Freiheitsbriefes bei Köllner, Städte 1, S.28; die Interpretation von Ruppersberg, Städte 
1, S.l6, der sich Ennen, Organisation, S.20, unkritisch anschließt, ist etwas schief, weil sie nur die 
Ernennung des Vorsitzenden und des Heimburgen und nicht die der Schöffen durch den Landesherm 
erwähnt. 
363
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.