Full text: Obrigkeit und Untertanen

Zugk inklusive der Aufhebung des dritten Pfennigs (einer Nachsteuer, die bei Ver¬ 
mögensveräußerung von Auswärtigen oder Einheimischen, die sich außerhalb 
verheirateten, an die Herrschaft zu entrichten war) erhielten die Bürger der beiden 
Saarstädte erst auf ihr inständiges Bitten im Jahre 1549 durch einen Begnadigungs- 
Brief von Graf Philipp II, der sich dadurch in Gemeinschaft mit seinen Brüdern 
Johann IV. und Adolf als Liebhaber deß gemein Nutz gerierte17. Zum andern gehörte 
zur bürgerlichen Freiheit ganz wesentlich die allgemeine Befreiung von herrschaft¬ 
lichen Frondiensten. Auch dies war im Freiheitsbrief nicht ausdrücklich geregelt, im 
Gegenteil: An drei Stellen des Freiheitsbriefes wurden die Städte sogar zur Leistung 
von herrschaftlichen Frondiensten verpflichtet. Da ist einmal die Verpflichtung, 
'Stallung zu machen’, d.h. jeder Bürger hatte in seinem Haus einen Stall bereit¬ 
zuhalten für die Pferde der Freunde und Gäste des Grafen, die dort mit Heu und 
Stroh versorgt werden sollten, wofür pro Nacht und Pferd eine Ausgleichszahlung 
von zwei kleinen Toumosen1 vergütet wurde18; diese Verpflichtung blieb weiterhin 
bestehen und wurde noch im Jahre 1702 vertraglich festgeschrieben, wobei die Aus¬ 
gleichszahlung gestrichen wurde19. Sodann waren die Bürger laut dem Freiheitsbrief 
schuldig, auf den Kriegszügen des Grafen bewaffnet, beritten oder zu Fuß, und zwar 
die ersten beiden Tage und Nächte auf eigene Kosten mitzuziehen20; diese Ver¬ 
pflichtung zur 'Heerfolge' wurde im Laufe der Zeit in Botenritte umgewandelt, die 
von der Metzgerzunft gegen die freie Hammelweide auf dem Stadtbann übernommen 
wurde; im Jahre 1685 befreiten sich beide Städte hiervon gegen eine jährliche Zah¬ 
lung von 50 Gulden, wobei auch die den Metzgern verstattete Weideberechtigung 
aufgehoben wurde21. Schließlich waren beide Städte nach dem Freiheitsbrief ver¬ 
pflichtet, jeweils einen sechsspännigen Heerwagen für die Kriegsreise zu stellen22; 
auch von dieser Schuldigkeit konnten sie sich loskaufen durch einen Vergleich, den 
sie mit Graf Ludwig Kraft im Jahre 1694 schlossen, wonach sie gegen eine jährliche 
unter der Rubrik: "die Beschränkungen der Freiheit und die Rechte des Grafen" (S.18f.). 
17 Vgl. die Urkunde von Graf Philipp II. für die beiden Saarstädte v. 1549: LA SB 22/2851, fol.9-14 
(zit.9r.u.l4r ); vgl. dazu auch Köllner, Städte I, S.107f. u. Ruppersberg, Städte I, S.294f. 
18 Vgl. dazu den Art. 15 des Freiheitsbriefes v.1322 bei Köllner, Städte I, S.31; s.a. Ruppersberg, Städte 
I, S.18; bei der kleinen Toumose handelt es sich um eine in der Stadt Tours geprägte Silbermünze. 
19 Vgl. die Konvention zwischen Graf Ludwig Kraft und den beiden Städten Saarbrücken u. St.Johann 
v. 20.März 1702: LA SB 22/2850, fol.72; s.dazu auch: Köllner, Städte I, S.337; Ruppersberg, Städte 
1, S.298; daß diese Verpflichtung noch in der zweiten Hälfte des 18.Jahrhunderts in Gebrauch war, 
ergibt sich aus dem Votum des Saarbrücker Kammergerichtsassessors Krebs zu den städtischen 
Privilegien, Saarbrücken 17.August 1762: LA SB 22/2851, fol.52-55, hier zu §15 (hier auch Verweis 
auf den Vergleich v.1702). 
20 Vgl. den Art.16 des Freiheitsbriefes bei Köllner, Städte I, S.31; s.a. Ruppersberg, Städte I, S.18. 
21 Vgl. die Urkunde Graf Ludwig Cratos v. 1 .Juli 1685 für die beiden Städte Saarbrücken u. St.Johann 
wg. Befreiung v. Metzgerritten: LA SB 22/2850, fot.226f.; s.dazu auch Köllner, Städte I, S.324; ders., 
dass. II, S.186; Ruppersberg, Städte I,S.U8 u. S.297. 
22 Vgl. den Art. 18 des Freiheitsbriefes v.1322 bei Köllner, Städte I, S.31; s.a. Ruppersberg, Städte I, 
S.18. 
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