Full text : Obrigkeit und Untertanen

Wir  sind  am  Ende  angelangt  und  können  wieder  einen  Bogen  an  den  Anfang  schlagen:
  Mit  den  allumfassenden  und  prinzipiellen  Konsens-  und  Partizipationsansprüchen
  der  Köllertaler  Untertanen  hat  sich  unsere  These  vom  Köllertal  als  einer  relativ
homogenen  konfliktträchtigen  'Landschaft'  bestätigt.  Die  Köllertaler  Gemeinden
traten  nicht  nur  gemeinsam  auf  -  in  unserm  Falle  waren  20  von  29  Orten  am  Kammergerichtsprozeß
  beteiligt  -,  sie  erhoben  auch  Forderungen,  die  auf  eine  gemeinsame
  Mitsprache  bei  der  landesherrlichen  Politik  und  hier  vor  allem  der  Steuerpolitik
hinausliefen.  Wenn  damit  auch  im  Blickleschen  Sinne  keine  echte  'Landschaftsbildung'
  verbunden  war,  so  erstaunen  doch  die  sehr  weitgehenden  politischen
Partizipationsansprüche  bereits  vor  dem  Ausbmch  der  Französischen  Revolution.  Die
Politisierung  war  ohne  Außen-Einfluß  und  damit  gewissermaßen  'systemkonform'
entstanden  und  hatte  einen  nicht  zu  unterschätzenden  Grad  an  Intensität  erreicht,  der
auch  dem  System  selbst,  dem  ausgehenden  Ancien  Régime,  gefährlich  werden
konnte.  Eine  abschließende  Beurteilung  dieses  relativ  starken  Politisierungsprozesses
im  letzten  Drittel  des  18.Jahrhunderts  und  seine  Einordnung  in  den  Gesamtkontext
der  Unruhen  in  diesem  Jahrhundert  können  wir  erst  liefern,  wenn  wir  den  letzten
größeren  Protest  behandelt  haben:  den  städtischen  Privilegienstreit.

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