darauffolgenden Jahres waren die Früchte und das Brot wiederum theier49, und im
Sommer stiegen die Preise nochmals an50. In diesem Jahr ereigneten sich zudem zwei
schwere Unwetter, von denen das erste im Frühjahr ganz Teutschland ergriff. Der
städtische Chronist stellte erneut fest, daß der mittel und gemeine Mann über die
geldrare Zeit klagte und fügte nun ausdrücklich hinzu, daß dies ohne Zweifel von der
Theuerung und Mißwachs von den vorherigen Jahrgängen herrühret5\ Mitte des
Jahres 1776 ereignete sich in der Grafschaft Saarbrücken ein fürchterliches Hagel-Wetter,
welches zu Güdingen, Bübingen, Fechingen wie auch zu Völklingen und im
Köllertal vielen Schaden an den Früchten verursacht hat(te); dieses Unwetter, das
sich in der Nacht vom 15. auf den 16.Juli zugetragen hatte, hinterließ besonders
schlimme Spuren auf dem Land, wo viele Dörfer (...) ruinirt und verschlagen worden
seien. Im Kellerthal - hieß es - habe dieses Wetter noch ärger gewüthet, hier seien die
zur Emde bald reiche(n) Früchte dergestalt zerschmettert und ruinirt worden, so daß
mancher Bauer von einer zu hoffenden Emde, wo er hätte können 100 Quarten
Früchten machen, nach seiner Aussage keine 5 Quarten gute Frucht zu ernden
gedenckt; allein in Berschweiler, einem Köllertaler Ort, hatte der Sturm einen Schaden
von 40 Klaftern Holz nur an Obstbäumen angerichtet52. Zu einer erneuten
Teuerung war es 1776 zwar nicht mehr gekommen, was mehrentheils daher rührt(e),
daß die Fruchtsperre zwischen hier und unserer Nachbarschaft gänzlich aufgehoben
wurde53; aber der allgemeine Geldmangel, von dem auch die Saarbrücker Regierungs-
und Hofkreise überzeugt waren, konnte dadurch nicht beseitigt werden54;
Kälte und Regen hielten den ganzen Winter 1776/77 an und verursachten vor allem
bei dem armen Landmann großes Elend, zumahl bei denjenigen, welche in dem
vorjährigen Jahr durch daß Hagel Unwetter zur Helft vemichtigt worden, indem es
ihnen nunmehro an allem fehlt und (sie) nichts pflanzen oder verdienen können.
Unser Chronist faßte die Situation im Jahr 1777 so zusammen, daß viele Bürger und
Bauren duch Theuerung, Mißwachs, Hagelwetter, item schlechte Nahrung in kümmerliche
Umstände versetztet worden seien55.
49 Handel, Memorabilia, §27 mit den entsprechenden Zahlenangaben; vgl. auch Gottlieb, Eintrag von
1775, der ebenfalls behauptet, daß der Fruchtpreis in den Monaten April und Mai sehr gestiegen sei,
mit den jeweiligen Zahlenangaben, die nicht ganz identisch sind mit denen von Handel.
50 Vgl. Gottlieb, Eintrag von 1775, hier Mitte Juni mit den exakten Zahlenangaben.
51 Gottlieb, Eintrag von 1775; indirekt bestätigt Gottlieb damit die These von Jung von der Diskrepanz
zwischen objektiver ökonomischer Situation, die für die Städte in den 1770er Jahren gar nicht so
verheerend war, und subjektivem Krisenbewußtsein der Bürger infolge der punktuellen Mißernten
und Teuerungen seit 1770 (Ackerbau, S.207-227).
52 Vgl. Gottlieb, Tagebuch, Eintrag v.1776.
51 Gottlieb, Eintrag von 1776: hier heißt es, daß der Frucht Preiß nicht sonderlich gestiegen sei.
54 Vgl. das Schreiben des Saarbrücker Hoffats Posth an den Kanzleidirektor Handel v. 10.Dezember
1776: LA SB 22/30371, fol.72f. (zit.72).
55 Gottlieb, Tagebuch, Eintrag von 1777.
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