Full text : Obrigkeit und Untertanen

Ludwig  von  der  Landesgeschichtsschreibung  regelrecht  stiefmütterlich  behandelt
wird76.  Die  Dissertation  von  Helmut  Bleymehl  über  die  "Aufklärung  in  Nassau-Saarbrücken"
  ist  rein  ideengeschichtlich  orientiert  und  liefert  kaum  Hinweise  auf  die
Praxis  der  Reformpolitik  in  der  zweiten  Jahrhunderthälfte77.  Die  Politik  Wilhelm
Heinrichs  ist  immer  noch  am  besten  und  umfassendsten  dargestellt  in  einer  biographischen
  Skizze  von  Hans-Walter  Herrmann,  der  zu  dem  Ergebnis  kommt,  daß
Wilhelm  Heinrich  als  "einer  der  typischsten  Vertreter  des  aufgeklärten  Absolutismus
in  den  Kleinstaaten  an  der  Westgrenze"  des  Reichs  zu  gelten  hat'8.  Daneben  ist  auf
die  ebenfalls  biographische  Skizze  von  Winfried  Dotzauer  zu  verweisen,  die  -
entsprechend  der  Konzeption  der  'Saarländischen  Lebensbilder',  in  deren  Reihe  sie
erscheint  -  essayistisch  ausgerichtet  ist79.  Einige  Reformbereiche  und  die  Erziehungsgeschichte
  Wilhelm  Heinrichs  behandelt  Bleymehl  in  einer  Skizze  über  "Stand  und
Probleme  der  Forschungen  über  den  aufgeklärten  Absolutismus  in  der  Grafschaft
Nassau-Saarbrücken"80.  Die  finanzpolitischen  Aspekte  der  Regierung  Wilhelm
Heinrichs  sind  recht  gut  bekannt:  Emst  Klein  widmet  sich  dem  "Staatshaushalt  des
Fürstentums  Nassau-Saarbrücken"  und  geht  der  Frage  nach,  "ob  der  Vorwurf  einer
finanziellen  Mißwirtschaft  den  Fürsten  Wilhelm  Heinrich  zu  Recht  trifft  oder  nicht"  -
mit  dem  Ergebnis,  daß  der  Fürst  nicht,  wie  bisher  angenommen,  eine  Schuldenlast
von  1,8  Millionen  Gulden  hinterließ,  sondern  von  1,6  Millionen  (von  denen  wiederum
  600000  Gulden  nicht  direkt  zurückgezahlt  werden  mußten),  so  daß  sich  die
Staatsschuld  auf  etwa  das  Vierfache  der  jährlichen  Einnahme  belief  und  damit  -  nach
Klein  -  durchaus  "im  Rahmen  des  damals  üblichen"  befand81.  In  einer  weiteren
Studie  beschäftigt  sich  Klein  mit  den  Kreditgeschäften  des  Fürsten  und  seines
Nachfolgers  mit  Frankfurter  Bankhäusern,  zu  denen  aufgrund  der  verwandtschaftlichen
  Beziehungen  zum  Usinger  Hause  eine  Verbindung  hergestellt  werden  konnte82.
Auch  Erich  Nolte  hat  über  die  "riskante(n)  Wechselgeschäfte  unter  Fürst  Wilhelm
Heinrich"  eine  Einzelfall-Studie  verfaßt,  die  die  Handels-  und  Geldgeschäfte  der
fürstlichen  Rentkammer  mit  dem  Juden  Salomon  Alexander,  dem  Beständer  des
Haiberger  Werkes,  zum  Thema  hat83.  In  diesem  Zusammenhang  sei  noch  der  Beitrag
von  Emst  Schilly  über  die  "Tätigkeit  der  Kaiserlichen  Schuldentilgungskommission
und  der  Manutenenzkommission  des  Markgrafen  Karl  Friedrich  von  Baden-Durlach
in  der  nassau-saarbrückischen  Schuldensache  1770"  erwähnt;  die  Schuldenlast,  die
Wilhelm  Heinrich  seinem  Nachfolger  hinterließ,  veranlaßte  diesen  nämlich,  nolens
volens  einen  Schuldentilgungskommission  einzusetzen,  die  erst  1783/87  ihre  Tätig-76

 Vgl.  zu  dieser  Ansicht  auch  Hertmann,  Fürst  Ludwig,  S.170  sowie  ders.,  Kleinstaat,  S.267f.
11  Vgl.  Bleymehl,  Aufklärung,  passim.
Herrmann,  Wilhelm  Heinrich,  S.  13-64,  bes.  S.39-56  (zit.  S.64).
'  Dotzauer,  Wilhelm  Heinrich,  S.61  -81
Bleymehl,  Stand,  S.69-91.
1,1 Klein,  Staatshaushalt,  S.237-276  (zit.  S.240  u.  S.268).
8:  Vgl.  Klein,  Geschäfte,  S.31-53.
Nolte,  Der  Fall,  S.209-215.

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