Full text : Obrigkeit und Untertanen

wir  nicht.  In  jedem  Fall  eröffnete  er  dem  Heimeier,  daß  er  ihn  festnehmen  und  auf
die  Hauptwache  nach  Saarbrücken  bringen  lasse.  Ungerührt  dieser  Androhung  blieb
Conrad  Kurtz  dabei,  daß  sie  den  Proceß  solange  fortsetzen  wollten,  bis  der  Fürst
alles  auf  den  Stand  gesetzt  habe,  wie  es  zur  Zeit  seines  Regierungsantritts  gewesen
sei.  Der  Meier  Franz  und  der  Gerichtsmann  Klicker  sowie  der  recht  begüterte  Balthasar
  Franz,  ein  Bruder  des  Meiers,  ließen  erneut  verlauten,  daß  sie  an  dem  Prozeß
nicht  mehr  teilnehmen  wollten,  diese  ihre  Erklärung  aber  bey  der  Gemeinde  und  in
specie  denen  Rädelsführern  nicht  thun  dörfften,  aus  Furcht,  sie  mögten  mißhandelt
werden.  Der  Amtmann  ließ  Conrad  Kurtz,  von  dem  er  sich  nochmals  überzeugen
konnte,  daß  er  von  der  ganzen  Sache  der  Haupt-Rädelsführer  sei,  festnehmen  und
beendete  damit  das  Treffen140 141.  Als  Handel  dem  Regierungspräsidenten  von  Günderrode
  von  der  Unterredung  berichtete,  fügte  er  noch  hinzu,  daß  noch  ein  weiterer,  ihm
nicht  bekannter  Gemeindsmann  ähnlich  wie  Conrad  Kurtz  eine  Redens-Art  an  den
Tag  gelegt  habe,  die  den  Geist  des  Aufruhrs  verriet.  Der  Regierungspräsident  ließ
den  verhafteten  Kurtz  befragen,  wer  dies  gewesen  sei,  worauf  dieser  freimütig
Sebastian  Meyer  nannte,  einen  begüterten  Gemeindsmann  aus  Völklingen;  von
Günderrode  schlug  vor,  auch  diesen  Mann  ohne  Aufschub  (...)  in  gefängliche  Haft
bringen  zu  lassen,  zumal  nach  dem  Bericht  des  Amtmanns  die  Consternation  in
Völklingen  sehr  groß  und  (...)  nicht  zu  zweifeln  seyn  soll,  es  werde  alles  sehr  geschwind
  beygelegt  werden,  wenn  man  den  rechten  Ernst  zu  zeigen  fortfahren  wollte'141.
  Daß  es  an  diesem  Emst  nicht  fehlte,  bewies  einmal  mehr  der  Fürst  selbst.
Wilhelm  Heinrich  machte  am  3.September  nochmals  unmißverständlich  klar,  daß  er
froh  wäre,  wenn  die  Bauern  von  Völklingen  ihr  Unglück,  das  er  ihnen  angedroht
hatte,  selbst  vermeiden  würden;  car  je  suis  résolu,  de  ne  plus  tolerer  leur  opiniâtreté,
puis  qu'on  ne  leur  a  donné  aucune  occasion  pour  prendre  ce  ton'42.  Es  war  also  in
der  Tat  der  respektlose  Ton,  der  dem  Fürsten  hauptsächlich  mißfiel.  Seinem
Regierungspräsidenten  trug  er  auf,  er  solle  die  Bauern  warnen:  Vous  pouvez  les
avertir  de  ma  resolution  et  je  n'y  manquerays  certainement  pas,  et  devrais-je  vendre
mes  chevaux  anglais  pour  continuer  le  procès  contre  euxl43.  Der  Fürst  schien  zu
allem  bereit,  auch  zur  Fortsetzung  des  Prozesses  am  Reichskammergericht,  dessen
Kosten  er  durch  den  Verkauf  seiner  englischen  Pferde  zu  decken  vorgab.

140  Vgl.  den  weiteren  Bericht  des  Saarbrücker  Amtmanns  Handel  zur  Regierungsresolution  in  Sachen
Meierei  Völklingen  gegen  den  Fürsten,  Saarbrücken  3.September  1766:  LA  SB  22/2979,  fol.84f.  (zit.
passim).
141  Vgl.  das  Votum  Günderrodes  zum  Bericht  von  Handel,  Saarbrücken  3.September  1766:  LA  SB
22/2979,  fol.86r.;  daß  es  sich  bei  Sebastian  Meyer  um  einen  recht  begüterten  Gemeindsmann  aus
Völklingen  handelte,  ergibt  sich  aus  dem  Völklinger  Steuerregister  vom  5.Januar  1766:  ebd.,  fol.66-70,
  hier  69r.  sowie  aus  dem  Votum  des  Geheimen  Rats  von  Stalburg  vom  3.September  1766,  der
gerade  deswegen  von  einer  voreiligen  Arretierung  abriet,  weil  besagter  Sebastian  Meyer  ein  wohl
begüterter  Unterthan  seyn  solle  (ebd.,  fol.86r.).
I4:  Brief  Wilhelm  Heinrichs  an  Günderrode,  3.  September  1766:  LA  SB  22/2979,  fol.87r.
143  Ebd.

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