Full text : Obrigkeit und Untertanen

befanden  sich  die  Bauern  des  Völklinger  Hofs  im  Vergleich  zum  gesamten  Fürstentum
  am  unteren  Ende  der  Vermögensskala,  ihre  soziale  Lage  war  ausgesprochen
schlecht22.  Woran  lag  das?
Der  Anteil  der  landwirtschaftlichen  Nutzfläche  in  der  Meierei  Völklingen  wich  zwar
kaum  vom  Durchschnitt  in  der  Grafschaft  ab:  Etwa  46%  der  gesamten  Bodenfläche
wurden  von  den  Bauern  landwirtschaftlich  genutzt23 24.  Aber  die  Bodenqualität  im
Völklinger  Hof  war  sehr  ungünstig,  so  daß  die  Bauern  sich  nicht  allein  von  der
Landwirtschaft  ernähren  konnten.  Ein  Zeugenverhör,  das  1766  anläßlich  der  Klage
am  Reichskammergericht  durchgeführt  wurde,  belegt  dies:  Auf  die  Frage,  ob  der
Völklinger  Hof  mehrentheils  ein  schlechtes  und  ohnfruchtbahres  Erdreich  besitze[t],
antworteten  unisono  alle  sechs  Zeugen,  die  selbst  im  Völklinger  Hof  gelebt  hatten
und  sich  gut  auskannten,  daß  das  Land  hier  durchgehends  (...)  sehr  schlecht  sei;  denn
in  der  gantzen  Meyerey  wäre  ein  kalter,  nasser  Boden,  in  welchem  die  Sahmen  gar
leicht  aussterben  thäten\  ein  in  Völklingen  gebürtiger  und  nachher  in  Saarlouis
wohnender  Zeuge  meinte,  daß  er  zu  seiner  Zeit  mit  seinem  Vatter  sieben  bis  8  Ackerfelds
  besähet  und  kaum  hiervon  drey  Quarten  Korn  erhalten  (habe)',  ein  anderer
fügte  hinzu,  wie  er  selbsten  hätte  gesehen,  daß  man  Stücker  Landes  im  Herbst  bis
dreymahlen  besähen  mäßen,  dannoch  hätte  das  Land  keinen  Sahmen  behalten24.  Zur
schlechten  Bodenqualität  hinzu  kam,  daß  die  Bauernhöfe  in  der  Meierei  Völklingen
ziemlich  klein  waren:  Während  die  durchschnittliche  Hofgröße  im  Fürstentum  bei  ca.
13  Hektar  lag,  betrug  sie  im  Völklinger  Hof  etwa  5,9  Hektar.  Große  Höfe  fehlten,
abgesehen  von  einem  einzigen  in  Völklingen  selbst;  mehr  als  die  Hälfte  der  Bauern
lebte  auf  kleinen,  ein  Fünftel  auf  mittleren  und  ebenso  viele  auf  mittelgroßen  Höfen;
außerdem  besaß  nur  jeder  vierte  Bauer  im  Völklinger  Hof  eine  Vogtei,  während  es  in
der  gesamten  Grafschaft  fast  die  Hälfte  aller  Bauern  waren;  in  Völklingen  bewirtschaftete
  die  Hälfte  der  Bauern  lediglich  eine  halbe  Vogtei;  14%  der  Bauernhöfe
hatten  hier  sogar  kein  Zugvieh25.  All  das  zeigt,  daß  die  ökonomischen  Grundbedingungen
  im  Völklinger  Hof  im  Vergleich  zum  gesamten  Fürstentum  bzw,  zur  Grafschaft
  ausgesprochen  schlecht  waren  und  die  miserable  soziale  Lage  der  Bauern
mitbedingten.  Vom  Ackerbau  allein  konnten  sich  die  Untertanen  hier  nicht  ernähren,
sie  waren  auf  Nebenerwerb  wie  Fuhrgeschäfte  oder  andere  handwerkliche  Tätig¬22

  Vgl.  auch  die  Tabelle  über  die  Vermögensverhältnisse  der  Bauern  im  Fürstentum  Nassau-Saarbrücken
um  die  Mitte  des  18.Jahrhunderts  bei  Karbach,  Bauernwirtschaften,  S.87;  seine  Berechnung  für  die
Meierei  Völklingen  weicht  geringfügig  zugunsten  des  Völklinger  Hofs  von  der  meinigen  ab.
23  Vgl.  Karbach,  Bauernwirtschaften,  S.28-32,  bes.  S.31.
24  Vgl.  das  Zeugenverhör  vom  23.April  1766  anläßlich  der  Reichskammergerichtsklage  des  Völklinger
Hofs  gegen  Fürst  Wilhelm  Heinrich:  LA  SB  22/2979,  fol.47f.;  vgl.  dagegen  Karbach,  Bauernwirtschaften,
  S.36-41,  der  aufgrund  von  Bannbüchem  von  'mittelmäßiger'  Bodenqualität  im  Völklinger
Hof  spricht.
25  Vgl.  Karbach,  Bauernwirtschaften,  S.65-72  mit  Tabellen.
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