Reichshofrat beschlossen. Im Jahre 1782 war die Schuldenfrage zumindest organisatorisch
soweit geregelt, daß Fürst Ludwig die Verwaltung des Haushalts wieder
übertragen wurde; es sollte allerdings weitere fünf Jahre dauern, bis die
Schuldentilgungskommission endgültig abzog und Ludwig wieder die volle
Souveränität über sein Territorium erlangte. Die Tätigkeit der kaiserlichen Kommission
liefert einen exemplarischen Beleg dafür, daß das Reich auch gegen Ende des
Ancien Régime noch imstande war, dem Absolutismus der Duodezfürsten die Grenzen
zu weisen181. Wir werden im weiteren Verlauf unserer Geschichte noch häufig
auf diese relativ intakte Funktion des Reichs zurückkommen182. Vorläufig ist es
wichtig für uns festzuhalten, daß Fürst Ludwig im ersten anderthalb Jahrzehnt seiner
Regierungszeit ein 'Fürst ohne Hausmacht' war - für das Verhältnis von Obrigkeit
und Untertanen ist dies von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Aber auch für die
politische Haltung des Fürsten blieb dies nicht ohne Rückwirkung.
Es ist anzunehmen, daß der zeitweilige Entzug der eigenen Macht durch die kaiserliche
Kommission den Fürsten zur 'Rationalisierung' seiner Politik zwang. Daß diese
Rationalisierung nicht allein auf absolutistische Zentralisierungsbestrebungen
zurückzuführen war, sondern im Zeichen der Aufklärung stand, erklärt sich aus der
Grundhaltung des Fürsten. Fürst Ludwig zeigte sich nämlich von Anfang an "dem
Ideengut der Aufklärung noch aufgeschlossener als sein Vater"183. Dies wiederum lag
vor allem an der Erziehung durch seine Mutter, Fürstin Sophie, die sich durch ihren
bekannten Briefwechsel mit Diderot bereits den Ruf einer aufgeklärten Regentin
erworben hatte184. In Briefen an den Enzyklopädisten Friedrich Melchior von Grimm
bekundete sie ihr Einverständnis mit Diderots Betrachtungen über Fragen der
Kindererziehung und sandte sie an den damals 13jährigen Erbprinzen Ludwig. In
einem Begleitbrief der Fürstin, dem einzig bislang bekannten Dokument zur Erziehungsgeschichte
Ludwigs, heißt es: Unterlasse niemals die reinste Verehrung, die
wir dem höchsten Wesen (Etre suprême) schulden und die darin besteht, ebenso
wohltätig (bienfaisant) wie dieses selbst zu werden185. Hier zeigt sich sehr schön, wie
eng das eudämonistische Glückseligkeitsstreben mit dem Gottesgnadentum verbunden
war - ein Spannungsverhältnis, das den aufgeklärten Reformabsolutismus letztlich
zerreißen sollte. Das Kernstück der Erziehung des Erbprinzen bildete eine
außergewöhnlich lange Bildungsreise von 1759 bis 1766, die ihn nach Frankreich,
181 Vgl. zu diesem Gedanken: Jung, Wirtschaftspolitik, S.144f.
182 Vgl. allgem. zur Reichsidee Fehrenbach, Reich; zur These des relativ intakten Reichsverbands bis
zum Ende des Alten Reichs vgl. vor allem die Arbeiten von Press und Schmidt im Literaturverzeichnis.
183 Herrmann, Kleinstaat, S.267.
184 Vgl. zur Erziehungsgeschichte Fürst Ludwigs: Bleymehl, Aufklärung, S. 15-21; zum Briefwechsel der
Fürstin Sophie mit Diderot s. den teilweisen Abdruck der Briefe in: MHV Saarg. H.7 (1900), S.259-264;
s. dazu auch Schlobach, Aufklärung.
185 Bleymehl, Aufklärung, S.19.
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