Full text: Obrigkeit und Untertanen

Daraufhin wurde im Beisein des Oberschultheißen die Pfändung durchgeführt, die 
sowohl die frevelhaften Bürger als auch einige renitente Mitglieder des Stadtgerichts 
betraf114. Bei der Pfändung wurden verschiedene gottlose Reden ausgestoßen und die 
bereits ersteigerten Pfändungsstücke den Steigerern von Bürgersfrauen in einem 
Gasthaus gestohlen119 120. Als die Fürstin in Usingen vernahm, wie schwer es also den 
Unterthanen eingehe, sich in die neue Ordnung zu schicken121, entschloß sie sich im 
Frühjahr 1731 nochmals nach Saarbrücken zu fahren, um beruhigend auf die Gemü¬ 
ter einzuwirken122. 
Als die städtischen Repräsentanten erfuhren, daß die Fürstin erneut nach Saarbrücken 
kommen wollte, entwarfen sie drei Petitionskonzepte, die die Tendenz zur Verrecht¬ 
lichung der Auseinanderstzung zum Ausdruck brachten123: Unter Berufung auf die 
Rechtsversicherung bei der Huldigung, auf die - wie sie es nannten - gerechteste 
Expression, daß jedermann der beständigen Huld und Gnade, besonders aber der 
Handthabung bev Recht und Gerechtigkeit (=zeitgen. Hervorhebung, K.R.) versi¬ 
chert worden sei, baten sie ihre Fürstin, sich entweder an ihr eigenes Versprechen zu 
halten und ihnen ihre alten Waldrechte zu bestätigen oder genadigst zu permittiren, 
daß die Sach durch den Weg rechtens erördert werde, auff daß wir uns bey der 
Nachkommenschaft keine Verantwortung aufladen'24. Die Verantwortung vor der 
Nachwelt, die seit neuestem auch in anderen Konfliktfällen entdeckt wird125, war 
nicht der Hauptlegitimationsgrund für die Verrechtlichung des städtischen Protests. 
119 Vgl. die Pfändungsakte der Saarbrücker Regierung v. 17.2.1731 (mit Personenliste): LA SB 22/2865, 
fol.168. 
120 Vgl. das Schreiben der Saarbrücker Regierung an die Usinger Regierung, Saarbrücken 23.2.1731: LA 
SB 22/2865, fol. 154 (zit.); zum Wirtshaus-Vorfall bei der Pfändung vgl. das Saarbrücker Regierungs¬ 
protokoll v, 17.Februar 1731: LA SB 22/2865, fol. 152f. (zit.l52v.); vgl. zur Pfändungs- bzw. Stei¬ 
gungsaktion vom Februar 1731 auch das undatierte Konzept einer Petition beider Städte Saarbrücken 
und St.Johann in Waldsachen vom Frühjahr 1730: StadtA SB Gemeins. Stadtger. 148, unpag. sowie 
den ersten Entwurf einer Petition der beiden Städte an die Vormünderin vom Mai 1730: StadtA SB 
Gemeins. Stadtger. 153, unpag. 
121 Dekret der Usinger Fürstin an die Saarbrücker Regierung, Usingen 27.Februar 1731: LA SB 22/2865, 
fol. 156. 
122 Vgl. zum nochmaligen Aufenthalt der Fürstin in Saarbrücken vom Mai bis zum September 1731 
rückblickend die Petition der beiden Saarstädte vom 21.November 1731: StadtA SB Gemeins. 
Stadtger. 153, unpag. 
125 Vgl. die drei Petitionskonzepte der beiden Städte vom Frühjahr 1731 (Datum ermittelt): StadtA SB 
Gemeins. Stadtger. 148, unpag.; die Verrechtlichung ergibt sich schon aus dem Titel der Konzepte: 
Aberweit erkühnend unterthänigst in Rechten und der Billigkeit best fundiert fußfälligst bittliches 
Gelangen. 
124 Vgl. das erste u. zweite Petitionskonzept vom Frühjahr 1731: StadtA SB Gemeins. Stadtger. 148, 
unpag. 
125 Vgl. allgem. dazu jetzt Gabel, Ländliche Gesellschaft, S.257f.; diesen Aspekt betonte G.Schmidt 
bereits bei seiner Untersuchung des Mühlhausener Agrarkonflikts zu Beginn des 17.Jahrhunderts: die 
Mühlhausener Untertanen behaupteten, daß sie aus Rücksicht auf ihre Nachkommen in der Sache 
nicht nachgeben konnten (Schmidt, Rebellion, hier S.55). 
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