Full text: Obrigkeit und Untertanen

1730 ließ die Fürstin die neue Forstordnung publizieren, die sich auch auf den 
städtischen Wald bezogt. Damit war zum ersten Mal in der Geschichte Nassau- 
Saarbrückens eme Forstordnung erlassen worden, der sich auch die beiden Saarstädte 
zu unterwerfen hatten. Mit diesem ersten landesweit gültigen 'Forstgesetz' endete 
auch für die Städte die erste Konfliktphase. Sie stellte in vielerlei Hinsicht eine 
Formierungsphase dar: Einmal hatte sich die städtische Konfliktpartei herauskristalli¬ 
siert, an deren Spitze die Mitglieder des gemeinsamen Stadtgerichts standen. Zum 
andern nahm der Konfliktgegenstand immer deutlichere Züge an: Nicht mehr die 
willkürliche Ausdehnung der Wolfsjagd durch das Oberforstamt und auch nicht die 
städtischen Privilegien, deren schriftliche Bestätigung noch nicht erfolgt war, son¬ 
dern einzig und allein die neue Forstordnung und die damit verbundene Aufsicht des 
Oberforstamts über die städtische Forstverwaltung standen von nun an im Zentrum 
des Konflikts. Schließlich hatte sich mit der Veröffentlichung der Forstordnung auch 
die 'Konfliktlage'* 100 m gewisser Weise verändert: Konnten die Städte zuvor noch viel 
ungehemmter gegen die 'Willkür' des Oberforstmeisters klagen, ohne sich gleich dem 
Verdacht auszusetzen, damit auch die Herrschaft zu meinen, so war dies nun nicht 
mehr möglich. Jetzt konnte der städtische Protest unversehens zu einem offenen 
Herrschaftskonflikt werden, den die Bürger bislang stets zu vermeiden gesucht 
hatten. In der ersten Phase von 1728 bis 1730 spielte der städtische Forstkonflikt im 
Vergleich zum Landkonflikt noch keine allzugroße Rolle. Während der Protest der 
meisten Landgemeinden jedoch mit der Veröffentlichung der Forstordnung beendet 
war, begann der städtische Konflikt jetzt eigentlich erst. 
c) Auf dem Weg zum Rechtsstreit mit der Herrschaft (1730-1733) 
Schon Anfang Juni 1730 beschwerten sich die beiden Städte bei der Saarbrücker 
Regierung über das Post Scriptum der Usinger Fürstin vom 15.Mai: Die Tatsache, 
daß sie ihre eigenen Förster bei der Herrschaft beeidigen lassen und daneben einen 
herrschaftlichen Förster bei ihrer Waldaufsicht akzeptieren müßten, wollte ihnen 
nicht einleuchten. Wenn sie auch nur der geringsten Wiedersetzlichkeit in allen 
Stücken sonst von Hertzen Feind sey(e)n, so mußten sie doch klarstellen, daß sie die 
neue Forstordnung nur insoweit sie nicht ihr altes Herbringen verletzte, einhalten 
könnten. Die städtischen Repräsentanten erinnerten die Fürstin an ihr Huldigungsver¬ 
sprechen und an ihr mündliches Versprechen bei ihrer letzten Anwesenheit und 
April 1730: LA SB 22/2309, S.69-70; hier wird deutlich, daß der städtische Konflikt in dieser Phase 
für die Herrschaft nicht so entscheidend war wie der Landprotest. 
99 Vgl. die nassau-saarbrückische Forstordnung vom 16.Oktober 1729 in: LA SB 22/4337; zur endgülti¬ 
gen Veröffentlichung am 24.Mai 1730 die Marginalie vor der Titelei (fol.2); s.dazu ausführlicher oben 
in Kap.1.2b). 
100 Vgl. allgem. zum Begriff der Konfliktlage: Blickle, Unruhen, S.102ff. 
159
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.