Full text: Obrigkeit und Untertanen

gelten. Dagegen setzt Köllner für die von freiadligen Besitzern erworbenen städti¬ 
schen Wälder "mit Gewißheit voraus, daß die Gemeinde (i.e. Stadt, K.R.) das Domi¬ 
nium directum et utile, womit also die unbeschränkte Benutzung und Verwaltung der 
Forste verbunden ist, mit überkommen habe"34. Dies müßte dann z.B. für die beiden 
St.Johanner Waldbezirke des Bartenbergs und des Homburgs, die von den Brüdern 
von Steinkallenfels bzw. von den ametischen Erben erworben wurden und über die 
wir Dokumente besitzen, zutreffen. Dies ist aber nicht der Fall. Der Stadtschreiber 
Benz, der zu Anfang des Jahres 1726 von den Stadtgerichtsleuten beauftragt wurde, 
in alten Stadtprotokollen, -rechnungen usw. nach den Waldrechten der Städte zu for¬ 
schen, gab an, daß auch über diese beiden Waldbezirke die Stadt St. Johann allein das 
utile dominium besitze35; wenn die Städte das Dominium directum gehabt hätten, 
dann hätten sie es mit Sicherheit auch vorgebracht, aber in keinem uns bekannten 
Fall taten sie dies. Es ist davon auszugehen, daß die freiadligen Waldbesitzer selbst 
gar nicht das Dominium directum innehatten, sondern auch in diesem Fall die 
Landesherrschaft das Obereigentum besaß. Für die beiden Saarstädte war das Domi¬ 
nium directum allerdings auch gar nicht so entscheidend. Das Dominium utile, das ja 
kein bloßes Nutzungsrecht, sondern ein Nutzungseigentum war, genügte ihnen 
vollauf, weil es die praktische Nutzung ihrer Wälder sicherstellte, die das Dominium 
directum überhaupt nicht berührte; theoretisch hätten die Städte das Obereigentum 
über bestimmte Waldbezirke haben können, diese aber nicht nutzen dürfen, wenn sie 
nicht das Unter- bzw. Nutzeigentum besessen hätten. Das Dominium directum war 
auch deswegen nicht so wichtig für die Städte, weil sie sich stets darüber bewußt 
waren, daß sie in allen Dingen der landesherrlichen Oberaufsicht unterstanden; 
außerdem galt - wie wir bereits beim ländlichen Forstwesen gehört haben - die 
Waldaufsicht auch noch im 18.Jahrhundert als ein 'Regal der Landesherrschaff36; und 
schließlich übte die Herrschaft ihr hoheitliches Jagdrecht auch in den bürgerlichen 
Wäldern ausnahmslos aus37. So hatte die Herrschaft ohnehin das letzte Wort in 
städtischen Waldangelegenheiten - gleichwie, ob ihr nun das Dominium directum 
ausdrücklich zustand oder nicht. Hinsichtlich des Obereigentums über die städtischen 
Waldungen kam es vielmehr darauf an, ob und inwieweit die Landesherrschaft davon 
Gebrauch machte. In unserem Fall konnten wir sehen, daß die nassau-saarbrücki- 
schen Landesherm noch bis zum ersten Drittel des 18.Jahrhunderts ihr Obereigentum 
überhaupt nicht in Anspruch nahmen. Auch von daher besaß das Dominium directum 
für die Städte keine sonderliche Bedeutung, sie hatten nämlich seine praktischen 
Auswirkungen bislang noch gar nicht kennengelemt. Wenn wir im folgenden die 
34 Köllner, Städte II, S. 154. 
35 Vgl. den Auszug von 1726: LA SB 22/2865, fol.94r. 
36 Vgl. dazu nochmals Troßbach, Aufklärung, S.63. 
37 Die Städte geben dies selbst zu und nehmen auch keinen Anstoß daran, vgl. dazu die Petition der 
Städte v. 21.11.1731: StadtA SB Gemeins. Stadtger. 153, unpag.; vgl. dazu auch das Gutachten von 
Botzheims v. 6.9.1733: LA SB 22/2866, fol.65. Auch von daher ist die Aussage von Köllner zum 
Erwerb der Wälder ehemals freiadligen Besitzes nicht korrekt. 
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