Full text : Obrigkeit und Untertanen

'Dauerbrennern'  der  ständischen  Gesellschaft  festgehalten,  daß  sie  sich  "zwischen
mittelalterlichem  Nutzungsdenken  und  moderner  Eigentumsauffassung"  bewegten;
denn:  "Der  Wald  teilt  die  Geschicke  einer  Entwicklung,  die  mit  der  Abbreviatur
>von  der  Nutzungsgesellschaft  zur  Eigentumsgesellschaft<  skizziert  werden
kann"1'57.  In  Nass  au-Saarbrücken  ging  der  gesamte  ländliche  Forstkonflikt  ausschließlich
  um  die  Nutzung  am  Wald  -  gleichwie,  ob  es  sich  um  waldbesitzende  oder
mcht-waldbesitzende  Gemeinden  handelte.  Ja  selbst  in  der  zweiten  Konfliktphase,  als
nur  noch  einige  waldbesitzende  Gemeinden  des  Köllertals  alleine  weiterprotestierten,
war  die  Nutzung  und  nicht  das  Eigentum  am  Wald  der  Dreh-  und  Angelpunkt  der
Auseinandersetzungen.  Damit  war  der  ländliche  Forstkonflikt  unter  nassau-usingischer
  Vormundschaft  ein  getreuer  Widerspiegel  der  ländlichen  Wirtschaftsweise
jener  Zeit,  die  hauptsächlich  an  der  Subsistenz  und  Notdurft,  d.h.  an  der  praktischen
Nutzung  der  vorhandenen  Ressourcen  orientiert  war.  Die  Usinger  Herrschaft  war
allerdings  schon  einen  großen  Schritt  weiter,  indem  sie  auf  gemeindeigenen  Wald
Übergriff  und  damit  indirekt  die  modemstaatliche  Eigentumsfrage  aufwarf.  Während
die  neue  Herrschaft  sich  auf  dem  Weg  in  die  ’Moderne’  befand,  blieben  die  Landuntertanen
  noch  in  ihrer  ’alten  Welt’  gefangen.  Wie  stand  es  nun  mit  den  Bürgern  der
beiden  Saarstädte  Saarbrücken  und  St.Johann?  Gemeinhin  gelten  die  Städte  als
Vorreiter  der  gesellschaftlichen  Entwicklung,  und  die  beiden  Saarstädte  gehörten  zu
denjenigen  Kommunen,  die  eigenen  Wald  besaßen.  Mußten  nicht  wenigstens  sie  um
ihre  Eigentumsrechte  am  Wald  kämpfen?

197 Blickte,  Wald,  S.47.

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