Full text: Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

Gründung ausgeübt hat, ist uns nicht überliefert, es ist jedoch nicht unwahr¬ 
scheinlich, daß sie bei dem Stifter verblieben ist. 
Näheren Aufschluß gibt uns eine Urkunde aus dem Jahre 1137, mittels der ein 
Gütertausch zwischen dem von Maursmünster abhängigen Priorat St. Quirin und 
der Abtei Hesse schriftlich fixiert wurde1212. Der Tausch, dem Abt Meinhard von 
Maursmünster zustimmte, wurde durch die Vögte der betroffenen monastischen 
Einrichtungen vollzogen, nämlich für Hesse von Hugo VIII. von Dagsburg und für 
St. Quirin von Graf Folmar von (Bischofs)homburg1213. Bei Folmar von 
(Bischofs)homburg handelt es sich um den Grafen Folmar von Metz, der Mathilde, 
die Tochter Alberts I. von Dagsburg, geheiratet hat. So findet sich auch eine 
plausible Erklärung, wie Folmar in den Besitz der Vogtei über St. Quirin gelangt 
ist. Mathilde von Dagsburg wird die Vogtei mit in die Ehe gebracht haben. 
Im Jahre 1181 ist uns ein Waltramnus advocatus S. Quirini bezeugt, den wir wohl 
als Untervogt von St. Quirin aufzufassen haben. Er tritt als Zeuge in einer Urkunde 
von Bischof Heinrich I. von Straßburg auf, der ein Synodalurteil bezüglich eines 
Streites zwischen den Äbten von Maursmünster und Moyenmoutier um Güter St. 
Quirins bestätigt1214. Dieser Waltramnus war sicher kein Mitglied der Dagsburger 
Grafenfamilie1215. Jedoch ist uns gerade für die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts 
mehrmals ein mächtiger dagsburgischer Ministeriale dieses Namens belegt, der 
hauptsächlich in Oberlothringen agierte1216 *. Dies läßt uns - bei aller Vorsicht - die 
1212 Strasbourg, AD BR, H 609, № 5. 
1213 Strasbourg, AD BR, H 609, № 5: ... cambium quodfactum est inter ecclesiam Hessen 
et ecclesiam Sancti Qvirini per liberos advocalos scilicet Hugonem comitem de 
Dagesburch et Volmarvm comitem de Huneburch, auf einen Umstand gilt es noch 
aufmerksam zu machen: In der Zeugenreihe dieser Urkunde wird ein Bebelinus 
advocatus Sancti Quirini genannt. Es handelt sich hier wohl um einen Untervogt. 
Andererseits könnte sich der zwischen zwei Punkten stehende Zusatz Sancti Quirini auf 
die nachfolgenden Zeugen Godefridus W[altjerus, Rambertus milites beziehen. Die 
Urkunde ist zudem in diesem Bereich stark beschädigt, so daß sich keine letztgilltigen 
Aussagen treffen lassen. - Zur Vogtei der Dagsburger Grafen Uber Hesse siehe oben den 
Art. 'Hesse'. - Zu Abt Meinhard von Maursmünster siehe H. Büttner, Abt Meinhard 
und die Pfarrei Maursmünster, in: StMGBO 53, München 1935, S. 213-228. 
1214 Die Urkunde ist abgedruckt bei Gerbert, Historia III, Nr. 67, S. 106 ff., Zitat, S. 107; 
RegBfeStr. I, Nr. 608, S. 349. 
1215 Der Name Waltranus bzw. Waltramnus kommt zu keiner Zeit in der Dagsburger 
Grafenfamilie vor; vgl. Büttner, Andlauer Besitz und Reichsgut, S. 20 mit Anm. 20 
(im Ndr. S. 286). 
1216 Der dagsburgische Ministeriale namens Waltranus ist uns für die zweite Hälfte des 12. 
Jahrhunderts gut bezeugt. So ist ein Ministeriale namens Waltranus de Dasborc Zeuge 
in einer Urkunde der Äbtissin Mathilde von Andlau, die zwischen 1155 und 1159 
ausgestellt worden ist und in der zudem Graf Hugo VIII. als Andlauer Vogt fungiert, 
abgedruckt bei Büttner, Andlauer Besitz und Reichsgut, Nr. 1, S. 27 (im Ndr. S. 292). 
In der letzten von Hugo VIII. ausgestellten Urkunde aus dem Jahre 1178, abgedruckt bei 
Würdtwein, 10. Bd., S. 58-60, werden als Zeugen Baltratno de Tagesburc und 
Heinrico filio eius genannt (Zitat, ebda, S. 57). Die Form Baltramus ist lediglich eine 
andere Schreibweise für Waltramus. Schließlich erfahren wir aus den Gesta 
episcoporum Mettensium, continuatio prima, MGH SS X, S. 546, Z. 29-32, daß ein 
Ministeriale Alberts II. von Dagsburg namens Waltranus - der wohl mit den beiden 
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