Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

Jahre  1218  von  Herzog  Theobald  I.  von  Oberlothringen,  dem  Gemahl  Gertruds  von
Dagsburg.  Herzog  Theobald  tritt  hier  als  Schlichter  eines  Streites  zwischen  Pairis
und  dem  Ort  Dinzheim  bei  Colmar  auf.  Dieser  politische  Einfluß  des  oberlothringischen
  Herzogs  im  Oberelsaß,  speziell  auf  Pairis  bezogen,  kann  nur  auf
Rechte  seiner  Gemahlin  zurückzuführen  sein.  Er  nimmt  quasi  schutzvogteiliche
Aufgaben  gegenüber  Pairis  wahr1187.

Remomont
(F,  Dep.  Haut-Rhin,  Arr.  Ribeauville,  Cant.  Lapoutroie,  Com.  d'Orbey)
Hugo  VIII.  von  Dagsburg  wird  in  einer  undatierten  Urkunde  für  das  Kloster
Alspach  als  Vogt  einer  Kirche  von  Rumilichesberg/Rumilisberg  genannt1188.  Karl
Stenzei,  der  Editor  der  Urkunde,  will  die  genannte  Kirche  mit  der  Abtei  von
Remiremont  identifizieren  und  folglich  Hugo  VIII.  als  Vogt  von  Remiremont
sehen1189.
Allerdings  läßt  sich  in  keiner  anderen  Urkunde  der  Dagsburger  Graf  als  Vogt  von
Remiremont  nachweisen.  Diese  Behauptung  Stenzeis  hält  auch  keiner  kritischen
Überprüfung  der  Fakten  stand.  Zwar  unterhielten  auch  die  Dagsburger  Grafen
nähere  Beziehungen  zu  dieser  Vogesenabtei,  eine  enge  Verwandte  von  ihnen,
Judith,  die  Tochter  Heilwigs  von  Egisheim  und  Gerhards  von  Vaudemont,  kann
man  sogar  als  Äbtissin  in  Remiremont  nachweisen1190.  Auch  ist  Hugo  VIII.  in  einer
wichtigen,  zwischen  1147  und  1151  ausgestellten  Urkunde,  die  die  Streitigkeiten
zwischen  der  Abtei  und  dem  oberlothringischen  Herzog  betrifft,  als  Zeuge
anwesend1191,  jedoch  ist  nirgends  von  einer  Ausübung  der  Vogtei  durch  den
Dagsburger  die  Rede.  Die  Hochvogtei  über  Remiremont,  die  wohl  ursprünglich
dem  König  Vorbehalten  war,  ist  von  diesem  an  den  Herzog  von  Oberlothringen
gegeben  worden1192.  Allerdings  hatte  der  Herzog  für  Remiremont  von  ihm

1187 Die  Urkunde  ist  abgedruckt  bei  Duvernoy,  Chartes,  S.  259  ff.;  vgl.  auch  Duvernoy,
Catalogue,  Nr.  306,  S.  198  f.;  siehe  Reichsland  III,  S.  824;  dem  folgt  auch  Herrmann,
Territoriale  Verbindungen,  S.  1423.  Es  ist  noch  auf  den  Nekrolog  von  Pairis
hinzuweisen,  in  dem  Herzog  Theobald  von  Oberlothringen  als  Vogt  von  Pairis
bezeichnet  wird.  Clauss,  Nekrolog,  S.  65:  Mem.  illustris  viri  D.  Theobaldi  ducis  et
marchionis  de  Lotharingia,  comitis  de  Tagesburg,  advocati  nostri.  1218.  Jedoch  wurde
der  Nekrolog  im  17.  Jahrhundert  von  Bernardin  Buchinger  abgefaßt,  dessen
Zuverlässigkeit  nicht  immer  gewährleistet  ist.  Siehe  dazu  oben,  S.  76  mit  Anm.  428.  Am
Rande  sei  vermerkt,  daß  in  dem  Nekrologeintrag  das  Todesjahr  Theobalds  falsch
angegeben  ist.
1,88  Stenzel,  Hirsau  und  Alspach,  Nr.  12,  S.  60  f.:  ...  eo  quod  curtis  in  Consheim  ad
Rumilichisbergensem  ecclesiam  proprietatis  iure  pertinet,  manu  Hugonis  comitis  de
Dagisburc  eiusdem  ecclesie  advocati  u.  ebda.,  S.  61:  ...  Rumilisbergensis  ecclesiq.
1189  Ebda.,  S.  43  a  S.  60,  Kopf  regest  zu  Nr.  11  u.  ebda.,  Anm.  7.
1190  Zu  Judith  siehe  Hlawitschka,  Studien,  S.  81  u.  85-94;  siehe  auch  oben,  S.  77.
1191  Urkunde,  abgedruckt  in:  Bridot,  Chartes,  Nr.  64,  S.  166  ff.;  weitere  Edition  bei
Hlawitschka,  Studien,  Nr.  6,  S.  146  ff.
1192  Vgl.  zur  Situation  im  11.  und  12.  Jahrhundert  die  nach  der  Mitte  des  11.  Jahrhunderts
gefälschte  Bulle  von  Papst  Johannnes  IV.  (Dez.  640  -  Okt.  642)  abgedruckt  in:  Bridot,
Chartes,  Nr.  2  b,  S.  32-35:  Interdicimus  etiam  ratione  firmissima,  ut  advocatus  qui

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