Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

eigene  Stiftung  Heiligkreuz  bei  Woffenheim  beweist231,  in  der  das  Ehepaar  auch
begraben  ist232.
Vor  dem  Hintergrund  des  Todeszeitpunkts  von  Hugo  IV.  ist  auch  die  Frage  zu
behandeln,  ob  es  sich  bei  dem  Grafen  Hugo,  der  im  Jahre  1027  Kaiser  Konrad  II.
gegen  dessen  aufständischen  Stiefsohn,  Herzog  Emst  von  Schwaben,  unterstützt
hatte233,  um  Hugo  IV.  oder  schon  um  dessen  gleichnamigen  Sohn  Hugo  V.  gehan
delt  hat.  Falls  Hugo  IV.  zu  diesem  Zeitpunkt  noch  gelebt  hat,  wird  er  jedenfalls
schon  relativ  alt  gewesen  sein,  vielleicht  um  die  60  Jahre,  eher  noch  älter,  da  seine
Söhne  damals  alle  schon  politisch  handlungsfähig  gewesen  sind,  wie  sich  unschwer
an  dem  im  Jahre  1002  geborenen  Bruno  ablesen  läßt.  Bruno  war  für  den  geistlichen
Stand  bestimmt234,  also  ein  dritt-,  viert-  oder  fünftgeborener  oder  möglicherweise
noch  weiter  hinten  rangierender  Sohn.  Er  führte  schließlich  im  Jahre  1026,  als
vierundzwanzigjähriger  Touler  Domkanoniker,  das  Aufgebot  seines  Bistums  beim
Italienzug  Konrads  II.  an235.
Gerhard  III.  und  Hugo  V.  waren  sicher  älter  als  Bruno,  vielleicht  an  die  Dreißig  und
somit  politisch  natürlich  voll  handlungsfähig.  Berücksichtigt  man  zudem  noch  die
Zweifel  an  der  Nachricht  des  Jean  de  Bayon,  Hugo  IV.  sei  1038  noch  am  Leben
gewesen,  so  kann  man  davon  ausgehen,  daß  der  im  Jahre  1027  von  Herzog  Emst
von  Schwaben  bedrängte  Dagsburger  Gral  namens  Hugo  der  Sohn  Hugos  IV.
gewesen  ist.

Der  Vater  Heilwigs:  Ludwig  von  Dagsburg
Über  die  Vorfahren  Heilwigs  von  Dagsburg  ist  fast  gar  nichts  bekannt.  Wir  wissen
aus  der  vom  sogenannten  Wibert  verfaßten  Vita  Leos  IX.,  daß  Leos  Mutter  Heilwig
romanischsprechend  war236,  ihre  Eltern  kamen  also  wahrscheinlich  aus  einem
Gebiet,  das  sprachlich  am  Westreich  orientiert  war.  Von  Heilwigs  Mutter  ist
ansonsten  kein  Zeugms  auf  unsere  Zeit  gekommen.  Lediglich  der  Name  ihres
Vaters  ist  uns,  allerdings  aus  einer  Quelle  aus  dem  14.  Jahrhundert,  überliefert.  So

231  Bulle  Leos  IX.  vom  18.  November  1049,  abgedruckt  bei  Schöpflin,  Alsatia
diplomatica,  1.  Bd.,  Nr.  207,  S.  163  f.:  Ecclesiam  patris  mei  Hugonis  &  matris  meœ
Heilwigdis,  amborumque  fratrum  meorum  Gerardi  &  Hugonis  videlicet  jam
defunctorum,  meique  memor  adhuc  viventis,  &  apostolica  sede  licet  indignissime  tamen
sedentis,  ab  eisdem  meis  parentibus  fundatam  &  suo  studio  dedicatam,  mihique  jure
hereditario  delegatam,  prceditus  legalis  successionis  jure  nostrce  apostolicce  sedi
substituo  (Zitat,  ebda.,  S.  163).
232  L.  VIELLARD,  Documents  et  mémoire  pour  servir  à  l'histoire  du  territoire  de  Belfort,
Besançon  1884,  Nr.  97,  S.  147-150;  Quisquis  ergo  hanc  ecclesiam  [=  Heiligkreuz],  ubi
domnus  noster  prœdiclus  [=  Hugo  IV.]  seipsum  et  uxorem  suam  sepelivit  (Zitat,  ebda.,  S.
148);  zur  Identifizierung  des  domnus  noster  siehe  auch  Hlawitschka,  Grundlagen,  S.
59  mit  Anm.  87.
233  Siehe  dazu  unten  S.  200  ff.
234  Siehe  dazu  unten  S.  46  ff.  u.  S.  203.
235  Siehe  dazu  unten  S.  263.
236  Leonis  IX  vita,  lib.  I,  cap.  1,  S.  129:  ...  mater  [Leos  IX  ]  quoque  latina  aeque  utriusque
linguae  perita.

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