Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

Egisheimer  Grafen1128.  Nach  dem  Zusammenstoß  dieses  Grafenhauses  mit  Otto  I.,
der  sich  am  deutlichsten  im  Prozeß  gegen  den  Grafen  Guntram  und  seiner  daraus
resultierenden  Absetzung  zeigt,  verloren  die  Eberharde  zum  Teil  ihre  einflußreiche
Stellung  im  burgundischen  Raum1129.  So  mußten  sie  den  Ort  Lüders  dem  König
übertragen,  der  ihn  wiederum  dem  Abt  Bertram  und  seinem  Konvent  schenkte,  die
von  Alanesberg  nach  Lüders  umsiedelten1130.  Die  Vogtei  über  die  Abtei  Lüders
blieb  den  Eberhardinern  aber  erhalten,  wenn  auch  nicht  uneingeschränkt.  Sie
mußten  zukünftig  die  Vogtei  mit  Herzog  Rudolf  von  Burgund  teilen1131.  Diese
Teilung  der  Vogtei  ist  im  Lichte  der  Orientierung  der  Politik  Ottos  I.  hin  zum
burgundischen  und  italienischen  Raum  zu  sehen1132.
Die  Vogtei  über  das  Kloster  Lüders  ist  anscheinend  über  Heilwig  von  Egisheim,
welche  Graf  Gerhard  von  Vaudemont  geheiratet  hat,  auf  die  Grafen  von  Vaudemont
übergegangen,  denn  Graf  Hugo,  der  älteste  Sohn  Heilwigs,  ist  uns  1H8  als  Vogt
von  Lüders  bezeugt1133.
Im  Jahr  1226  ist  die  Vogtei  in  den  Händen  von  Graf  Friedrich  II.  von  Pfirt,  der
seiner  Tochter  Adcardis  in  ihre  Ehe  mit  Theoderich  IV.  von  Mömpelgart/Montbcliard
  als  Mitgift  500  Silbermark  und  als  Pfand  bis  zur  Auszahlung  unter  anderem
die  Vogtei  über  Lüders  gab1134.  Theoderich  IV.  von  Mömpelgart/Montbeliard
wurde  wegen  seines  rigorosen  Vorgehens  gegen  die  Abtei  schließlich  exkommuniziert1135.
  Im  Jahr  1250  kamt  matt  wieder  den  Grafen  von  Pfirt  als  Inhaber  der

1128  Ex  Vita  S.  Deicoli,  MGH  SS  XV,2,  S.  679:  Accitoque  Heberardo  comite,
consanguinitatis  occasione  scelus  adhuc  irnnane  praesumpsit  eique  locum  sanctum  sub
advocationis  tuitione  cotmnisit.
1129  Zu  den  politischen  Vorgängen  siehe  oben,  S.  184-187.
U3°  pol  199,  S.  279;  siehe  oben  im  Kapitel  'Besitzungen'  den  Art.  'Luders'.
1131  Ex  Vita  S.  Deicoli,  MGH  SS  XV,2,  S.  682:  Omnia  secundum  quod  Divinitati  placuit
imperator  devotus  fidelium  consultu  implevit;  sacri  invasores  loci  iniquos  vocavit,  iure
universali  locum  recipit  atque  ...  beato  viro,  ...  potestative  contradidit.  Ipsum  quoque
Ruodulpho  duci  atque  praefatis  comitibus  ad  custodiendum  sub  fidelitatis  suae
condictione  commisit.
1132  Siehe  dazu  Büttner,  Geschichte  des  Elsaß  I,  S.  164  ff.
1133  Die  Urkunde,  welche  die  Translation  der  Kolumbanreliquien  nach  Lüders  beinhaltet,  ist
abgedruckt  bei  Viellard,  Documents,  Nr.  142,  S.  194:  Anno  ab  Incarnatione  Domini
millesimo  C  octavo  x,  ...  XII0  kal.  iulii,  cenobio  Luthre  interesse  sed  alio  negotio  sancte
Ecclesie  postea  valde  magno  interveniente  absente,  Hugone  filio  comitis  Gerardi
eiusdem  loci  advocato  cum  matre  sua  Hilwidi,  est  facta  sancti  Columbini  translatio.
Viellard  identifiziert  den  in  der  Urkunde  genannten  Grafen  Gerhard  fälschlicherweise
mit  Graf  Gerhard  von  Egisheim  (ebda.,  Anm.  4);  vgl.  Poull,  La  Maison  ducale  de  Bar,
Tome  1er,  S.  67.
1134  Druck  des  Vertrages  bei  Viellard,  Documents,  Nr.  348,  S.  405  ff.:  ...  et  ipse  comes
F  irre  tensis  dabit...  avoeriam  de  Liure  cum  appendiciis  suis,  ...  (Zitat,  ebda.,  S.  406);
weiterer  Druck  bei  Trouillat,  Monuments,  1.  Bd.,  Nr.  334,  S.  506  ff.;  vgl.  Wilsdorf,
Histoire,  S.  84  u.  121;  Trouillat  identifiziert  den  Ort  unrichtig  mit  dem  einige  Kilometer
südöstlich  von  Ferrette/Pfirt  gelegenen  Ort  Lutter  (Trouillat,  1.  Bd.,  S.  506,  Anm.  3);
dieser  Auffassung  folgt  auch  Clauss,  Wörterbuch,  S.  630  .
1135  Viellard,  Documents,  Nr.  358,  S.  417,  u.  Nm.  361  f.,  S.  420  f.

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