Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

Albert  II.  von  Dagsburg  mit  Zustimmung  des  Metzer  Bischofs  das  Patronat  der
Kirche  in  Volmunster  an  die  Abtei  Herbitzheim  übertragen  habe1112
Joseph  Levy  gibt  nun  auch  noch  die  Tochter  Alberts  II.,  Gertrud,  als  Inhaberin  der
Vogtei  an1113.  Er  bezieht  sich  dabei  auf  die  einschlägige  Stelle  der  Erbschaftsvereinbarung
  zwischen  Albert  von  Dagsburg  und  Heinrich  von  Brabant1114.
Allerdings  kann  man  bei  Überprüfung  der  Passage  feststellen,  daß  in  dieser  Vereinbarung
  von  einer  Tochter  Alberts  II.  keine  Rede  ist1115,  zumal  sie  ja  zu  dem
Zeitpunkt,  als  die  Abmachung  geschlossen  wurde,  noch  gar  nicht  geboren  war.
Levy  schließt  wohl  nur  aus  dem  Umstand  der  Nichtwirksamwerdung  der  Erbschaftsvereinbarung
  durch  die  Geburt  der  Tochter  Gertrud  im  Jahre  1206,  daß  Gertrud
  als  Erbin  Alberts  von  Dagsburg  die  Vogtei  über  Herbitzheim  innehatte.
Die  Grafen  von  Dagsburg  haben  die  Vogtei  des  im  Vertrag  vom  8.  August  870
zwischen  Ludwig  dem  Deutschen  und  Karl  dem  Kahlen  erstmals  erwähnten  und
hierin  dem  Herrschaftsbereich  Ludwigs  zugeschlagenen  Klosters1116  wahrscheinlich
  durch  den  Metzer  Bischof  erhalten1117,  dem  Herbitzheim  seit  dem  Jahre
908  mit  Unterbrechungen  zugefallen  war1118.  Der  Besitz  des  Klosters  und  der
Vogtei  war  für  die  Dagsburger  Grafen  eine  wichtige  Erweiterung  ihres  Einflusses  in
der  Saargegend,  da  sie  ja  ebenfalls  in  dem  ca.  vier  Kilometer  von  Herbitzheim
entfernten  Saaralben  und  auch  in  Sarrebourg  Besitzungen  hatten1119.  Wahrscheinlich
  erst  nach  dem  Tod  der  Gräfin  Gertrud  von  Dagsburg  im  Jahre  1225
wurde  unter  Abzweigung  einiger  oben  schon  genannter  Vogteirechte  an  der
Rodalbe  in  der  Südpfalz,  welche  an  die  Leininger  Grafen  kamen1120,  die  Vogtei

1112 Paris,  BN,  Collection  de  Lorraine  284,  f.  364:  Exhibita  siquidem  nobis  vestra  petitio
continebat,  quod  quondam  Adelbertus  comes  de  Asburg  cupiens  terrena  pro  celestibus
et  caduca  pro  eternis  felici  commercio  commutare  ius  patronatus,  quod  in  ecclesia  de
Welemunstere  Metensis  diocesis  obtinebat,  prout  spectabat  ad  eum,  uobis  et  per  uos
monasterio  uestro  pro  sue  et  parentum  suorum  animarum  remedio  contulit,  intuitu
pietatis  uenerabilis  fratris  nostri...  Metensis  episcopi  ad  id  accedente  consensu,  prout
in  patentibus  litteris  inde  confectis  plenius  dicitur  contineri.  •  Regest:  JUNGK,  Regesten,
Nr.  776,  S.  228,  -  vgl.  Levy,  Herbitzheim,  S.  17.
11,3  Levy,  Herbitzheim,  S.  78.
1114  Ebda.,  S.  78,  Anm.  3.  Text  der  Erbschaftsvereinbarung  zwischen  Albert  II.  von
Dagsburg  und  Herzog  Heinrich  siehe  im  Anhang,  Urkunde  Nr.  13.
1115  Siehe  im  Anhang,  Urkunde  13.
11,6  MGH  Capitularia  regum  Francorum  11,1,  Nr.  251,  S.  193  ff.;  vgl,  dazu  Levy,
Herbitzheim,  S.  5,  mit  falscher  Datumsangabe.
1117  Siehe  dazu  Herrmann,  Saarwerden,  2.  Bd.,  S.  44.
11,8  Urkunde  vom  18.  Januar  908  von  Ludwig  dem  Kind  (D  LdK  57,  S.  183ff.);  vgl.  dazu
Levy,  Herbitzheim,  S.  8,  mit  falschem  Datum,  weil  er  sich  auf  einen  fehlerhaften  Druck
der  Urkunde  stützt  (vgl.  die  Vorbemerkung  zu  D  LdK  57,  S.  183).  Ab  911  findet  sich
die  Vogtei  des  Klosters  wieder  in  dem  Besitz  der  Grafen  von  Metz.  1055  wird  das
Kloster  durch  Bischof  Adalbero  III.  von  Metz  und  die  Herzoge  von  Lothringen
restauriert  (vgl.  ebda.,  S.  9);  vgl.  Herrmann,  Saarwerden,  2.  Bd.,  S.  44.
1119  Siehe  oben  im  Kapitel  'Besitzungen'  die  Art.  'Saaralben'  und  'Sarrebourg/Saarburg'.
1120  Toussaint,  Grafen,  S.  112,  will  die  Herkunft  der  Vogteirechte  an  der  Rodalbe  aus  dem
Saarbrücker  Erbe  herleiten;  dagegen  spricht  sich  mit  guten  Gründen  neuerdings
Herrmann,  Handel  und  Verkehr,  S.  344,  für  eine  Herkunft  dieser  leiningisehen
Vogtei  rechte  aus  dem  dagsburgischen  Erbe  aus.

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