Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

mußte  der  Vogt  wieder  solange  warten,  bis  dem  Kloster  erneut  ein  Besitzzuwachs
von  zwölf  Hufen  erwachsen  war,  um  eine  weitere  Hufe  zu  erhalten1082.  Auch  hatte
die  Äbtissin  bei  Mißbrauch  des  Vogteiamtes  das  Recht,  an  den  Papst  zu  appellieren.
Falls  nach  dem  vom  Papst  ergangenen  Spruch  der  Vogt  von  seinen  Bedrückungen
dem  Kloster  gegenüber  nicht  ablasse,  wäre  es  der  Äbtissin  und  dem  Konvent
erlaubt,  sich  aus  dem  dagsburgisch-egisheimischen  Geschlecht  einen  besser  geeigneten
  Vogt  zu  erwählen1083.
Gerade  die  Bestimmungen  zur  Vogtei  über  Heiligkreuz  in  Woffenheim  führen  uns
die  Einschränkungen  vor  Augen,  denen  der  Vogt  unterworfen  war,  so  meint  Raissa
Bloch  in  ihrer  Untersuchung  zur  Klosterpolitik  Leos  IX.  Der  Papst  habe  mit  den
Bestimmungen  zu  den  Einkünften  des  Vogtes  versucht,  das  Kloster  gegen  den
Mißbrauch  des  Instruments  der  Vogtei  und  vor  Übergriffen  durch  die  Vögte  zu
schützen1084.  Den  Passus,  daß  die  Vogtei  in  der  Familie  erblich  sei,  wertet  Raissa
Bloch  zwar  als  Zugeständnis  an  die  Eigenherren,  jedoch  nicht  als  Stärkung  von
deren  Rechten,  sondern  lediglich  als  eine  Sanktionierung  bereits  bestehender
Zustände1085.
Nach  dem  Tod  Heinrichs  I.  von  Dagsburg-Egisheim  war  es  unter  seinen
Nachkommen,  Gerhard  IV.  und  Hugo  VI.,  wegen  der  Vogtei  über  Heiligkreuz  zum
Streit  gekommen.  Die  Ursache  des  Zwistes  ist  wohl  darin  zu  suchen,  daß  beide  -
neben  dem  in  diesen  Konflikt  nicht  involvierten  Albert  I.  von  Dagsburg-Egisheim  -
einen  Teil  der  Burg  Egisheim  geerbt  hatten  und  nun  beide  die  Vogtei  über  das
Hauskloster  beanspruchten.  Da  Heiligkreuz  ja  dem  römischen  Stuhl  unterstellt  war,
gelangte  die  Sache  natürlich  vor  den  Papst,  der  in  dieser  Angelegenheit  auch  tätig
wurde.  Gregor  VII.  hat  einen  Brief  an  die  Bischöfe  Werner  II.  von  Straßburg  und
Burkhard  von  Basel  abgeschickt1086,  in  dem  er  beide  Bischöfe  ermächtigt,  in  dem
Streit  um  die  Vogtei  gemäß  den  Bestimmungen  in  dem  Privileg  Leos  IX.  zu
entscheiden1087.  Er,  Gregor,  habe  Einsicht  in  das  Privileg  Leos  IX.  genommen  und

1082  Ebda.,  S.  163  f.:  Praterea  sive  sub  hoc  Heinrico  nepote  meo,  vel  sub  quolibet
advocatorum  futurorum  ipsum  in  rebus  amplius  creverit  monasterium,  quicunque
advocatus  fuerit,  excepto  villicationis  lucro  villa  pradicta,  non  plus  emolumenti  ex  ipso
incremento  sibi  vendicare  audeat  quam  duodecim  partem,  ita  ut  si  minus  quam
duodecim  mansi  sint,  tam  diu  sustineat  advocatus,  donec  impleatur  numerus
duodecimus,  &  tunc  talem  mansum  accipiat,  qualem  abbatissa  ei  dederit,  sive  in  ipso
loco,  sive  in  alio  ejusdem  utilitatis.  Hoc  etiam  sit,  si  plus  quam  duodecim  fuerint,  in  hiis
quee  supersunt  ad  duodecim,  quacunque  res  sint,  sive  in  villis,  sive  in  terris  ac  vineis,
interim  expectet  usque  dum  compleatur  numerus.
1083  Ebda,  S.  164:  ...  liceat  abbatissa  nostram  sedem  appellare,  &  apud  Romanum  papam
deponere  querimoniam  super  injustiis  monasterio  suo  ab  advocato  illatis.  Quod  si
advocatus  papa  judicio  juste  rem  tractantis  culpam  correxerit,  advocatia  in  eo
remaneat,  si  vero  refutaverit,  liceat  abatissa,  ejusque  congregationi  de  nostro  genere
propinquiorem,  qui  magis  ydoneus  possit  inveniri,  advocatum  acquirere  alium  sibi.
1084  Vgl.  R.  Bloch,  Klosterpolitik,  S.  202  ff.
i«83  Ebda,  S.  203  f.
1086  Der  Brief  Gregors  VII.  ist  abgedruckt  in:  Das  Regi  ster  Gregors  VII.,  1.  Bd.,  Nr.  11,14,  S.
146  f.
,087  Ebda.,  S.  146  f.:  Verum,  sicut  nos  certa  relatione  comperimus,  nepotes  illius,  Hugo
videlicet  et  Gerardus,  sua  potius  quam  qu$  Dei  sunt  querentes  nec  tam  sanctissimi  viri

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