Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

von  Dagsburg  war  eines  der  wichtigsten  Ereignisse  in  der  Geschichte  der
Egisheimer  Grafenfamilie,  da  sich  im  Laufe  der  nächsten  Jahrhunderte  gerade  in
der  Hauptlinie  der  Familie  der  Name  Dagsburg  durchgesetzt  hat.  Während  die
Egisheimer  Linie,  die  ab  den  letzten  Dekaden  des  11.  Jahrhunderts  einen
Nebenzweig  des  Geschlechtes  bildete,  schon  in  der  ersten  Hälfte  des  12.
Jahrhunderts  ihr  Ende  fand,  bestand  die  Dagsburger  Linie  bis  ins  erste  Viertel  des
13.  Jahrhunderts.  Auch  nach  dem  Erlöschen  der  Familie  mit  Gertrud,  der  Tochter
Alberts  II.,  im  Jahre  1225,  blieb  der  Name  in  der  Benennung  der  Grafschaft
Dagsburg  weiter  erhalten.
Wenn  wir  einer  Nachricht  des  im  14.  Jahrhundert  schreibenden  Jean  de  Bayon
Glauben  schenken  dürfen,  ist  Hugo  IV.  -  ebenso  wie  seine  Gemahlin  -  im  Jahre
1038  beim  Tod  seines  Sohnes  Gerhard  noch  am  Leben  gewesen,  denn  Jean  de
Bayon  berichtet,  daß  der  in  einer  Fehde  mit  Reginbald  von  Rappoltstein  gefallene
Gerhard  von  seinen  Eltern  betrauert  wurde228.  Wir  haben  keine  Kenntnis  davon,
welcher  Quelle  Jean  de  Bayon  diese  Mitteilung  entnommen  hat,  es  dürfte  sich  aber
bei  seiner  Vorlage  um  eine  Quelle  chronikalischer  Art  gehandelt  haben.  Die
Aussage  über  die  Trauer  der  Eltern  müßte  wohl  schon  in  der  Vorlage  enthalten
gewesen  sein.  Allerdings  fällt  bei  näherer  Betrachtung  der  gesamten  Passage  acrem
luctum  tarn  parentibus  &  fratri,  quam  cunctce  provincice  &  ipsi  Augusto  reliquifi29
auf,  daß  sie  nach  einem  rhetorischen  Aufbau  konstruiert  ist.  Von  der  ganz
natürlichen  Trauer  der  Eltern  um  ihren  toten  Sohn  führt  der  Weg  über  die  Trauer
der  Brüder  hin  zu  der  schon  erstaunlicher  anmutenden  Trauer  einer  gesamten
Provinz  -  bei  der  es  sich  in  dem  vorliegenden  Fall  um  das  Elsaß  handeln  dürfte  -,  ja
der  gesamte  Vorgang  erfährt  durch  die  Trauer  des  Kaisers  um  Gerhard  noch  eine
zusätzliche  Steigerung.  Der  Tote  wird  dadurch  in  seiner  politischen  Bedeutung
enorm  heraus  gehoben.  Ob  sich  daraus  ein  für  uns  verwertbarer  Terminus  post  quem
für  den  Tod  Hugos  IV.  ergibt,  scheint  nach  dieser  Betrachtung  doch  zumindest
fragwürdig.  Es  muß  also  hinter  der  Angabe  des  Jean  de  Bayon  doch  ein  großes
Fragezeichen  stehenbleiben230.  Im  Jahre  1049  sind  Hugo  IV.  und  seine  Gemahlin
jedenfalls  sicher  schon  verstorben,  wie  uns  die  Bulle  ihres  Sohnes  Leo  IX.  für  ihre

228  Siehe  dazu  das  Zitat  in  der  folgenden  Anm..
229  Chronicon  Mediani-monasterii  authore  Joanne  de  Bayon,  lib.  11,  cap.  48,  col.  220:  Hinc
Gerardus  Comes  Ekenisheim  castri,  frater  scilicet  jam  dicti  Episcopi  Brunonis,  dum
contra  Reginbaldum  de  Castello,  quod  ab  ejus  nomine  Reginbaldi  Petra  dicitur,  qui
Alemanniam  tunc  &  s  ce  pius  populabatur,  cum  paucis  profectus,  orto  gravi  conflictu
insigniter  bellans  occisus  est:  acrem  luctum  tam  parentibus  &  fratri,  quam  cunctce
provincice  &  ipsi  Augusto  reliquit,  auch  auszugsweise  abgedruckt  in:  K.  Albrecht,
Rappoltsteinisches  Urkundenbuch,  759-1500.  Quellen  zur  Geschichte  der  ehemaligen
Herrschaft  Rappoltstein  im  Elsaß,  1.  Bd.  759-1363,  Colmar  i.  Elsaß  1891,  Nr.  6,  S.  4.
230  Jedoch  wird  dadurch  das  von  dem  im  14.  Jahrhundert  schreibenden  Chronisten
behauptete  Faktum,  daß  der  Tod  Gerhards  sich  tatsächlich  1038  während  der  Fehde  mit
dem  Rappoltsteiner  ereignete,  nicht  in  Zweifel  gezogen.  Es  sollte  mit  der  Trauersequenz'
lediglich  die  Bedeutung  Gerhards  verdeutlicht  werden.  Zu  Gerhard  III.  siehe  unten,
S.  48  f.

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