Gau-Odemheim
(D, Bld. Rheinland-Pfalz, Lkr. Alzey-Worms)
Es ist wohl als sicher anzunehmen, daß die Dagsburger Grafen in dem wenige
Kilometer nordöstlich von Alzey gelegenen Gau-Odernheim mit Metz
angehörenden Gütern belehnt waren. Man erfährt von Metzer Besitzungen in Gau-Odemheim
durch ein am 25. September 1166 in Hagenau ausgestelltes Diplom
Friedrich Barbarossas1046, in dem der Kaiser einen Vertrag bestäügt, der zwischen
Bischof Theoderich von Metz und dem Reichsministerialen Werner von Boianden
geschlossen worden ist. Werner von Boianden hat vom Metzer Bischof als
Gegenleistung für die Abtretung der Burg Ilabudingen die Höfe Gau-Odemheim
und Pfeddersheim zu Lehen erhalten1047. Wie man aus dem Diplom weiter erfährt,
hatten sowohl der Hochvogt der Metzer Bischofskirche, Hugo VIII. von Dagsburg,
als auch der Graf von Spanheim in den genannten Orten ebenfalls Metzer
Kirchenlehen inne1048. Deshalb wurden diese Lehen der beiden Grafen explizit aus
den vertraglichen Vereinbarungen zwischen Bischof Theoderich von Metz und
Werner von Boianden ausgenommen1049. Der Text des Diploms verdeutlicht
jedoch nicht, ob Hugo VIII. in beiden genannten Orten oder lediglich in
Pfeddersheim, in dem er nachgewiesenermaßen über Besitzungen verfügte1050,
vom Metzer Bischof belehnt worden war. Auf Grund dieser Tatsache kann man
nicht den Schluß ziehen, der Urkundentext sei in der Richtung auszulegen, daß die
Metzer Lehen des Dagsburgers in Pfeddersheim und die Lehen des Spanheimers in
Gau-Odemheim gemeint seien. Daß sich die Lösung des Problems nicht so einfach
ergibt, verdeutlicht schon der Umstand, daß auch der Graf von Spanheim, ebenso
wie der Dagsburger Graf, Besitzungen in Pfeddersheim besaß, die letzterer
ebenfalls an Werner II. von Boianden verlehnt hatte1051, womit sich zusätzlich die
Frage stellt, welche Lehen des Spanheimers in dem Barbarossadiplom gemeint sind.
que tunc temporis habebant vel quicquid in posterum tam in edificiis quam in omnimoda
possessione in allodio meo me annuente acquirerent, sub tutela mea fore (Zitat nach
dem Original).
1046 D p J 5i7t s. 455 ff. Zum Inhalt der Urkunde siehe Sibertin-Blanc, Les anciennes
possessions, S. 69 ff.
1047 D F I 517, S. 455 ff.: Notum igitur esse volumus .... qualiter fidelis noster Theodoricus
Metensis electus cupiens ecclesie sue consulere et iacture, que forte poterat
supervenire, occasiones sum/novere cum ministeriali nostro Wernhero de Bonlant tali
pactione convenit, ut iamdictus Wemherus castrum suum Hobeldingun cum pertinentiis
eius ecclesie Metensi donaret et electus Metensis prenominatus in recompensationem
huius donationis duas curias suas Oternheim et Phaterinheim, que sibi propter locorum
distantiam minus poterant esse utiles, illi autem plurimum commode tanquam domui sue
adiacentes in beneficium concederet (Zitat, ebda, S. 455). - Im Jahre 1286 gehen Burg
und Stadt Gau-Odernheim in Reichsbesitz Uber und erhalten von König Rudolf von
Habsburg die Freiung (siehe Böhmer-Redlich, Nr. 2012).
1048 Siehe dazu auch den Art. 'Pfeddersheim'.
1049 D F I 517, S. 456: Aliam etiam gratiam Metensis electus Wernhero ministeriali nostro
superaddidit, ut, quodcumque beneficium in prememoratis curiis vacaret, in usum suum
cederet, excepto beneficio comitis de Spanheim et comitis Hugonis Metensis advocati.
1050 Siehe dazu auch den Art. 'Pfeddersheim'.
1051 Sauer, Lehnsbücher, S. 243.
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