Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

Schenkung  der  Abtei  Erstein  an  den  Straßburger  Bischof,  ebenfalls  durch  Heinrich
VI. vorgenommen1039,  beinhaltet.  Das  besagt  aber  nicht,  daß  er  hier  als  Vogt  der
Abtei  amtierte  -  der  Vogttitel  erscheint  in  dieser  Urkunde  nicht  da  er  auch  in
anderen  Urkunden  Heinrichs  VI.  in  der  direkten  zeitlichen  Umgebung  zu  der
Urkunde  vom  4.  März  1192  als  Zeuge  zu  finden  ist,  nämlich  in  einer  am  3.
März1040  und  einer  am  5.  März  ausgestellten  Urkunde1041.  Es  ist  jedoch  durchaus
möglich,  daß  die  Ersteiner  Angelegenheit  den  Anlaß  für  den  Dagsburger  Grafen
gegeben  hat,  sich  Anfang  März  zum  Hofe  des  Kaisers  nach  Hagenau  zu  begeben.
Das  läßt  sich  aber  an  Hand  der  überlieferten  Quellen  letztendlich  nicht  beweisen1042.

Vielleicht  war  die  Ersteiner  Vogtei  bereits  nach  dem  Tod  Hugos  VIII.  im  Jahre
1178  wieder  an  das  Reich  gefallen1043.  Erstein  wird  schließlich  in  der  Reichssteuerliste
  von  1241  erwähnt1044.

Flöne
(B,  Dép.  Liège,  Arr.  Huy)
Hugo  VIII.  von  Dagsburg  stand  durch  eine  von  ihm  im  Jahre  1146  getätigte
Schenkung  in  Verbindung  mit  der  Prämonstratenserabtei  Flöne.  Er  beurkundet
neben  der  Übertragung  des  Geleitrechtes  der  in  seinem  Allod  Moha  gelegenen
Kirche  von  Antheit,  daß  er  sich  über  alles,  was  die  Abtei  im  gräflichen  Allod
erwirbt,  die  Schutzvogtei  vorbehält1045.

•039  Die  Urkunde  vom  17.  April  1191  ist  in  die  Urkunde  vom  4.  März  1192  inseriert.
1040  Urkunde  für  das  Kloster  St.  Nikolaus  in  Memmingen:  Abschrift  in  Vidimus  vom  11.
Oktober  1423.  Die  Urkunde  befindet  sich  nicht  mehr,  wie  Baaken  noch  angibt,  im
BHStA  in  München  (Böhmer-Baaken,  Nr.  209),  sondern  seit  1971  im  Staatsarchiv
Würzburg,  Signatur:  Würzburger  Urkunden  5/105  b.
1041  Druck  der  Urkunde  in:  Muratori,  Antiquitates  Italiae,  4.  Bd.,  Sp.  231  f.
1042  Albert  11.  ist  bei  der  Schenkung  von  Erstein  an  den  Straßburger  Bischof  vom  17.  März
1191,  die  im  Hoflager  Heinrichs  VI.  zwischen  Rom  und  Tusculum  beurkundet  wird,
nicht  anwesend,  wie  aus  der  Zeugenliste  des  Inserts  ersichtlich  ist  (Würdtwein,  10
Bd.,  Nr.  53,  Zeugenreihe:  S.  157  f  ).  Dieser  Umstand  spricht  aber  nicht  unbedingt  gegen
enge  Beziehungen  Alberts  II.  zur  Ersteiner  Abtei,  da  die  Schenkung  auf  dem  ersten
Italienzug  Heinrichs  VI.  vorgenommen  wurde,  an  dem  Albert  nicht  teilgenommen  hatte,
und  Uber  die  Übertragung  der  Abtei  an  den  Straßburger  Bischof  möglicherweise  vorher
nur  kurzfristig  verhandelt  worden  war.  Daß  dies  so  gewesen  sein  könnte,  deutet  ja  die
nachträgliche  Intervention  der  Reichsfürsten  mit  der  schüeßlichen  Rücknahme  der
Schenkung  rund  ein  Jahr  später  an.
1043  w.  Metz,  Staufische  Güterverzeichnisse,  Berlin  1964,  S.  111,  vermutet,  daß  die  Rechte
an  der  Ersteiner  Vogtei  Uber  die  Dagsburger  zurück  an  das  Reich  gelangt  sind.  Am
Beginn  des  13.  Jahrhunderts  sind  die  Landgrafen  vom  Unterelsaß,  die  Grafen  von
Wörth,  Inhaber  der  Ersteiner  Vogtei  (freundlicher  Hinweis  von  Herrn  Bernhard  Metz,
Strasbourg).
1044  Notitia  de  precariis  civitatum  et  villarum,  in:  MGH  Const.  III,  ohne  Nr.,  S.  1-6:  28.  Item
de  Erstein  XL  mr  (ebda.,  S.  3).  Die  Numerierung  wurde  von  J.  Schwalm,  dem  Herausgeber
  des  Verzeichnisses,  hinzugefügt.  Vgl.  hierzu  das  Faksimile  (ebda.,  nach  S.  6).
1045  Original  in  Huy,  AEH,  abbaye  de  Flöne,  boTte  de  chartes  1,  n°  13;  Druck  bei  Evrard,
Documents,  Nr.  17,  S.  312  f.:  Concessi  etiamprefati  loci  fratribus,  ut  ipsi  et  omnia  sua.

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