Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

im  Jahre  1212,  so  wie  es  meist  in  der  Forschung  gesehen  wird1009,  sich
möglicherweise  nicht  ganz  reibungslos  vollzogen  hat.  Vielleicht  hatte  die  Gräfin
Gertrud  noch  Rechte  an  der  Cohnarer  Allmende  beansprucht,  die  sie  aus  dem
ehemaligen  Besitz  der  Vogtei  durch  ihre  Vorfahren  herleitete,  was  sich  aber  leider
nicht  mehr  eindeutig  feststellen  läßt.  Zumindest  schien  der  Übergang  der  Vogtei  an
die  Staufer  nicht  unwidersprochen  geblieben  zu  sein,  wie  das  Regest  aus  dem
Güterverzeichnis  des  Priorates  St.  Peter  beweist.  Die  Pfirter  Grafen  versuchten,  sich
hier  Rechte  in  Colmar  zu  sichern,  konnten  sich  aber  mit  ihren  Ansprüchen  letztlich
gegen  die  Staufer  nicht  durchsetzen1010.
Daß  die  Vogtei  über  den  Colmarer  Oberhof  sozusagen  in  der  Erbmasse  der
Dagsburger  auftaucht,  verdeutlicht,  wie  sich  der  Erblichkeitsgedanke  bezüglich  der
Colmarer  Vogtei  in  der  Dagsburger  Familie  festgesetzt  hat  und  macht  wahrscheinlich,
  daß  die  Vogtei  schon  sehr  lange  in  den  Händen  der  egisheimisch-dagsburgischen
  Familie  gelegen  haben  muß10 1012*1.  Möglicherweise  reichen  diese  Rechte
bis  ins  10.  Jahrhundert  zurück,  da  sich  ja  schon  in  Guntrams  Händen  Besitz  in
Colmar  nachweisen  läßt1012.

Eichhofen
(F,  Dep.  Bas-Rhin,  Arr.  Selestat,  Cant.  Barr)
Am  13.  Juli  des  Jahres  1097  hat  Bischof  Otto  von  Straßburg  eine  Urkunde
ausgestellt,  in  der  er  die  Schenkung  eines  praediums,  das  in  der  Gemarkung  von
Eichhofen  liegt,  von  einem  gewissen  Luitfried,  eines  seiner  Getreuen,  an  das
Kloster  St.  Cyriacus  in  Altdorf  bestätigt1013.  Diese  Schenkung  wird  consensu
uxoris  suae  caeterorumque  amicorum  suorum  per  tnanum  comitis  Adelberti,
praenominatae  villae  advocati,  pro  remedio  animae  suae  &  uxoris  tradidit1014.
Besagter  Graf  Adelbert  ist  zweifellos  mit  Graf  Albert  I.  von  Dagsburg  und  Moha
gleichzusetzen1015,  wie  man  auch  aus  der  Lage  des  Ortes  Eichhofen  und  den
Besitzverhältnissen  daselbst  schließen  kann.  Der  Ort  Eichhofen  ist  wohl  alter
egisheimischer  Besitz,  der  zur  Burg  Bernstein  gehört1016.  Als  älteste  Besitzer  des
Andlauer  Tales,  zu  dem  Eichhofen  gehört1017,  sind  die  Gemahlin  Karls  III.,

1009  Ich  nenne  hier  nur  Büttner,  Bischof  Heinrich,  S.  174  (im  Ndr.  S.  311).
1010  Zu  den  politischen  Auseinandersetzungen  um  die  Dagsburger  Erbschaft  siehe  das
Kapitel  'Der  Streit  um  die  Dagsburger  Erbschaft'.
10,1  Vgl.  Hund.  Colmar,  S.  57.
1012  Siehe  oben  im  Kapitel  'Besitzungen'  den  Art.  'Colmar'.
1013  Druck  der  Urkunde  bei  SCHÖPFLIN,  Alsatia  diplomatica  I,  Nr.  230,  S.  178.  Eichhofen
taucht  in  der  Namensform  'Eichhohe'  auf:  quicquid  predii  habuit  in  Eichhohe  marchia,
in  provincia  Alsacia,  in  comitatu  Godefridi  comitis,  juxta  flumen  Andelaha  (ebda  ).
1014  Ebda.,  S.  178.
1015  Schon  Scherer,  Straßburger  Bischöfe,  S.  119,  nimmt  diese  Identifikation  vor,  ohne
allerdings  die  Gründe  dafür  zu  benennen.
1016  Vgl.  hierzu  Clauss,  Wörterbuch,  S.  305  f.
1017  Ebda,  S.  37.

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