Colmar
(F, Dep. Haut-Rhin, Hauptort des Dep.)
Der Ort Colmar gehörte ursprünglich zum königlichen Fiskus975. Angeblich war
das Reichsgut Colmar von dem Grafen Guntram okkupiert worden976, welches ihm
bei seiner Absetzung durch König Otto I. von diesem entzogen worden ist977. Der
König gab Colmar an seinen Schwager, Herzog Rudolf von Burgund, weiter978.
Herzog Rudolf wiederum schenkte seinen Anteil an Colmar schließlich an das von
seiner Familie gegründete Kloster Peterlingen979. Ein weiterer Teil Colmars war in
welfischem Besitz. Der Welfe Rudolf überließ wahrscheinlich in den dreißiger
Jahren des 10. Jahrhunderts980 seinem Bruder, Bischof Konrad von Konstanz, im
Rahmen eines Gütertausches unter anderem auch Colmar, das der Bischof
anschließend seinem Bistum übereignete981.
Für den Peterlinger Oberhof in Colmar können wir Albert II. von Dagsburg als
Vogt erkennen. Er ist im Jahre 1186 in einer Urkunde von Kaiser Friedrich I., die
dieser am 5. Oktober in Colmar für das Priorat St. Peter ausstellte, als Vogt für den
Peterlinger Oberhof nachweisbar982.
Schwieriger verhält es sich mit den Vogteirechten über den Konstanzer Niederhof
in Colmar. Nun ist in der Forschung immer wieder behauptet worden, daß die
Vogtei über den Konstanzer Niederhof schon in der Mitte des 12. Jahrhunderts an
Friedrich Barbarossa gekommen sei983; es koimte aber kein Quellenbeleg
975 Karl III. urkundet am 9. Januar 883 in Cholembra curte imperiali (D Karl III 66, S. 112
f., Zitat, S. 113); vgl. Hund, Colmar, S. 1; dazu, daß in Colmar auch noch freier
Grundbesitz vorhanden war, siehe oben im Kap. 'Besitzungen' den Art. 'Colmar'.
976 So Büttner, Geschichte des Elsaß I, S. 160 f.
977 D O I 201, S. 280 f.; vgl. Mossmann, Les regestes, Nr. 1, S. 112; siehe oben das Kap.
'Der Prozeß gegen Guntram'.
978 D O I 201.
979 D O II 51, S. 60 f.; zur These, daß es sich bei D O I 284, S. 399, von dem nur die
Datierung überliefert ist, um die ursprüngliche Bestätigung der Schenkung Rudolfs an
Peterlingen durch Otto I. handelt, siehe H. E. Mayer, Peterlinger Urkundenfälschungen,
S. 42 f., Anm. 47.
980 Vgl. Hund, Colmar, S. 5.
981 Historia Welforum, cap. 5, S. 10: Sanctus igitur Chounradus in episcopatum promotus
patrirnonium, quod a patre possederat fratri suo Roudolfo per concambium donavit
et ipse ab eo remotiora recepil, ...et in Alsatia Colmir .... Quae omnia ecclesiae suae
Constantiensi ... contradidit\ vgl. Ladewig u. Müller, Regesta episcoporum
Constantiensium, 1. Bd., Nr. 353, S. 44 f.
982 Druck: D F I 952, S. 221-223; Friedrich I. entscheidet einen Rechtsstreit zwischen dem
Priorat St. Peter (zum Oberhof gehörend) und dem Ritter Ulrich von Erstein um
Eigenleute zugunsten von St. Peter: ... dilecto nostro comile Alberto de Tagesburc
sepedicte curie advocato (ebda, S. 222); zur Datierung der Urkunde siehe ebda., S. 221
f.; vgl. Mossmann, Les regestes, Nr. 10, S. 116.
983 So z. B. Hund, Colmar, S. 62; Scherlen, Colmar, S. 11; Waldner, Rechte und Güter,
S. 261-273, geht auf das Problem, wer Inhaber der Vogtei Uber den Niederhof ist, nicht
ein. Fein, Städtegründungen, S. 22-27, stützt sich bei ihrer Darstellung der Verhältnisse
in Colmar überwiegend auf die ältere Literatur, vor allem auf die Untersuchung von A.
Hund. Fein äußert sich nur allgemein zum Erwerb der Vogtei über den Niederhof durch
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