Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

vogteiliche  Tätigkeit  weltlicher  Großer  über  Klöster  dieses  Ordens  hauptsächlich  in
einer  Art  Schutzfunktion  niedergeschlagen  haben,  wie  wir  es  hier  im  Fall  der  im
Jahre  1125  von  dem  zwei  Jahre  zuvor  von  Kaiser  Heinrich  V.  abgesetzten
Straßburger  Bischof  Cuno965  gestifteten  ehemaligen  Zisterzienserabtei  Baumgarten
im  Elsaß966  vor  uns  haben.  Über  diese  Abtei  hat  Graf  Albert  II.  von  Dagsburg
nachweislich  die  eben  beschriebene  Schutzvogtei  ausgeübt.  Er  hat  die  Abtei  in  einer
1197  von  ihm  aus  gefertigten  Urkunde  unter  seinen  Schutz  gestellt:  ...  ego  Albertus
comes  de  Daguesburg  notum  facio  omni  generationi  que  nunc  est,  et  que  Ventura
est,  quod  ego  dotnum  de  Boumgartten  sub  mea  suscipio  protectione^7.  Außerdem
bestätigt  er  der  Abtei  Baumgarten  Besitzungen,  die  ihr  von  seinem  Vater  Hugo
VIII.968  und  von  anderer  Seite  geschenkt  wurden969.  Zudem  erweiterte  Albert  II.
die  Nutzungsrechte,  wie  sie  die  Abtei  im  Bann  von  Dambach  und  Hohwarth  hatte,
ubicunque  dominium  meum  extenditur97°.
Diese  Besitzbestätigungen  zeigen  ebenfalls  das  vogteirechtliche  Verhältnis  zwischen
  Albert  II.  und  der  Abtei  Baumgarten  an,  wie  schon  Lucian  Pfleger  feststellt971.
Die  Übernahme  der  Schutzvogtei  durch  den  Dagsburger  Grafen  erklärt  Pfleger  mit
dem  Umstand,  daß  Baumgarten  keine  Reichsabtei  war  und  somit  auch  keine
kaiserliche  Schutzvogtei  bestanden  habe972.  Wer  nach  dem  Ableben  Alberts  II.  die
Schutzvogtei  über  Baumgarten  übernommen  hat,  kann  mangels  Belegen  nicht
festgestellt  werden973.  Vögte  über  einzelne  Höfe  der  Abtei  waren  später  jedenfalls
die  Habsburger974.  Möglicherweise  kann  dies  als  Hinweis  auf  eine  Nachfolge
dieser  Familie  in  der  Schutzfunktion  über  Baumgarten  angesehen  werden,  aber  das
bleibt  Spekulation.

COls  et  La  libris  Augustensium  comparavitnus  et  per  tnanum  advocati  comitis  Teobaldi
de  Lechesgemunde  recepunus  (Zitat,  ebda.,  S.  49).
965  Zur  Absetzung  Cunos  siehe  RegBfeStr.  I,  Nr.  411,  S.  306  ff.
966  Zur  Stiftung  siehe  ebda,  Nr.  426,  S.  310  f.
967  Vidimus  aus  dem  16.  Jahrhundert  in  Straßburg,  AD  BR,  G  1308  (a);  Druck  der  Urkunde
bei  WÜRDTWE3N,  10.  Bd.,  S.  181  f.,  Zitat  nach  dem  Vidimus,  fol.  2v°-3r°.  Das  sub  mea
suscipiensprotectione  erwähnt  Albert  noch  einmal  in  der  Urkunde  (ebda,  fol.  3v°).
968  Albert  bestätigte  der  Abtei  die  Nutzungsrechte  im  Bann  von  Dambach  und  Hohwarth
(ebda.),  welche  schon  von  Hugo  VIII.  Baumgarten  zugestanden  wurden  (ebda,
RegBfeStr.  I,  Nr.  595,  S.  345  f.);  zu  den  Schenkungen  durch  den  Vater  Alberts  II.  siehe
auch  die  Art.  zu  'Dambach-la-Viile/Dambach'  und  'Hohwarth'.
969  Vidimus  in  Straßburg,  AD  BR,  G  1308  (a),  fol.  2v°-3v°.
970  Ebda.,  fol.  3r.
971  L.  Pfleger,  Die  ehemalige  Cistercienserabtei  Baumgarten  im  Eisass,  in:  StMBCO  21,
Brünn  1900,  S.  312.
972  Ebda,  S.  311  f.
973  Ebda.
974  Ebda.

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