Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

2.  Zweifelhafte  Besitzungen
Ammerschwihr/Ammerschweier
(F,  Dep.  Haut-Rhin,  Arr.  Ribeauvillc,  Cant.  Kaysersberg)
Den  am  Eingang  zum  Urbeistal  gelegenen  Ort  Aminerschweier732  muß  man  zu  den
ehemaligen  dagsburg-egisheimischen  Besitzungen  zählen.  Dies  geht  aus  dem
Umstand  hervor,  daß  Rechte  und  Besitzungen  in  diesem  Ort  der  Burg  Hohnack
zugehörten733,  die  ursprünglich  wohl  ebenfalls  in  den  Händen  dieses  Grafenhauses
war734.  Des  weiteren  spricht  natürlich  dafür,  daß  das  Gebiet  rund  um  Ammerschweier
  alter  egisheimischer  Besitz  war,  so  die  unweit  von  Ammerschweier  gelegenen
Orte  Sigolsheim,  Orbey/Urbeis,  Colmar  und  Egisheim735,  Auch  die  Grafen  von
Pfirt,  die  die  Erben  der  dagsburg-egisheimischen  Grafen  waren,  sind  als  Inhaber
von  Rechten  in  Ammerschweier  nachzuweisen736,  was  als  ein  weiteres  Indiz  dafür
gewertet  werden  kann,  daß  Ammerschweier  zu  den  ehemaligen  dagsburgegisheimischen
  Besitzungen  zu  rechnen  ist737.

Artoisheim
(F,  Dep.  Bas-Rhin,  Arr.  Selestat,  Cant.  Marckolsheim)
Im  obereisässischen,  nördlich  von  Marckolsheim  gelegenen  Ort  Artoisheim738
hatten  die  Egisheimer  Grafen  möglicherweise  Besitzungen,  denn  die  Abtei  Heiligkreuz
  bei  Woffenheim  bekam  von  diesem  Ort  eine  Abgabe  von  zwei  Silberlingen
für  Wachs,  die  am  3.  Mai  zu  zahlen  war,  wie  es  Leo  IX.  festgelegt  hatte.  Dies
erfahren  wir  aus  dem  von  Mathilde  von  Mousson-Mömpelgart  für  Heiligkreuz
angefertigten  Güterverzeichnis739.  Da  es  sich  bei  Heiligkreuz  um  eine  Stiftung  der

732  Vgl.  A.  Scherlen,  Geschichte  der  ehemals  reichsunmittelbaren  Stadt  Ammerschweier
(0.=E),  Colmar  1914;  vgl.  Clauss,  Wörterbuch,  S.  32  ff.
733  Albrecht,  Rappoltsteinisches  Urkundenbuch  I,  Nr.  223,  S.  162:  Das  dritte  teil  ist  ze
Hohennag  vnd  darzv  alles  das  gut,  das  si  haut  ginhalp  waldes  ane  fünf  phund  Zolles  ze
Sant  Diedat,  die  sint  gemeine  der  drier  von  Rapoltzsten.  Zv  disetne  teile  höret  daz
trottehus  vnd  daz  gelt  ze  Atnerswilr.  So  auch  schon  Scherlen,  Ammerschweier,  S.  11  f.,
der  seine  Behauptung,  die  Egisheimer  Grafen  seien  die  vom  Kaiser  bestimmten  Vögte
von  Ammerschweier,  durch  eine  gefälschte  Urkunde  Ottos  11.  gestützt  sehen  will;  vgl.
auch  Ders,,  Zur  Geschichte  der  Burg  Wineck  und  des  Dorfes  Katzenthal,  in:  JELWG  1.
Bd„  Heidelberg  1928,  S.  83.
734  Siehe  dazu  im  Kapitel  'Zweifelhafte  Besitzungen'  den  Art.  'Hohnack'.
735  Zu  den  genannten  Orten  siehe  unten  die  jeweiligen  Art.
736  Urkunde  König  Heinrichs  (VII.)  vom  24.  September  1227,  Druck  bei  Huillard-BRfiHOLLES
  III,  S.  349  f.,  u.  bei  Schöpflin,  Alsatia  diplomatica  I,  Nr.  454;  S.  362  f.;
Regest:  Böhmer-Ficker,  Nr.  4080;  Urkunde  König  Konrads  IV.  vom  Februar  1240,
Druck  bei  Huillard-Brüholles  V,2,  S.  1188  f.,  u.  bei  Schöpfun,  Alsatia  diplomatica  I,
Nr.  494,  S.  382;  Regest:  Böhmer-Ficker,  Nr.  4412;  vgl.  Albrecht,  Rappoltsteinisches
Urkundenbuch  I,  Nr.  70,  S.  75  f.;  siehe  Scherlen,  Ammerschweier,  S.  13  f.
737  Siehe  auch  Scherlen,  Burg  Wineck,  S.  83.
738  CLAUSS,  Wörterbuch,  S.  51  f.
739  Die  Notitia  bonorum  ist  abgedruckt  bei  Viellard,  Documents,  Nr.  97,  S.  147-150:  ln
Inventione  S.  Crucis  constitutum  est  a  domino  nostro  Leone  apostolico,  ut  unusquisque
de  familia  hujus  ecclesice  duos  denarios  ad  suscipiendas  cruces  et  reliquas  partes  det  ad

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