Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

Vorgang  der  Schenkung  des  Allods  der  Ivette,  die  unter  Einschaltung  Hugos  VIII.
erfolgte,  verdeutlicht,  daß  dieses  nach  ihrer  Besitzerin  benannte  -  heute  nicht  mehr
lokalisierbare  -  Landgut  der  Grafschaf  t  Moha  zuzurechnen  ist.

Thanville/Thannweiler
(F,  Dep.  Bas-Rhin,  Arr.  Selestat,  Cant.  Ville)
Die  Burg  Thannweiler595,  zwischen  Schlettstadt  und  Ville  gelegen,  soll  nach  einer
Nachricht  des  im  14.  Jahrhundert  schreibenden  Jean  de  Bayon  vor  dem  Jahr  1089
von  dem  Grafen  Hugo  VI.  von  Egisheim  errichtet  worden  sein596.  Sie  wäre  somit
als  alter  egisheimischer  Besitz  ausgewiesen.  Ob  allerdings  diese  Mitteilung  des  Jean
de  Bayon  zutrifft,  entzieht  sich  auf  Grund  fehlender  anderer  diesbezüglicher
Quellen  einer  Überprüfung.  Auch  kann  man  über  das  Alter  der  Burg  keine  Aussage
mehr  treffen,  da  sich  heute  an  der  Stelle  der  alten  Burg  ein  Renaissanceschloß
befindet  und  eine  ältere  Bausubstanz  nicht  erkennbar  ist597.
Abgesehen  von  dem  heutzutage  nicht  mehr  bestimmbaren  Zeitpunkt  der  Errichtung
der  ersten  Burganlage  ist  es  aber  durchaus  wahrscheinlich,  daß  Thannweiler  zum
Eigentum  der  ehemaligen  Dagsburg-Egisheimer  Grafen  zählte,  denn  Thannweiler
liegt  in  einem  Kemgebiet  alten  egisheimi  sehen  Besitzes,  so  z.  B.  in  der  Nähe  von
Bernstein598,  Dambach599  und  Schlettstadt600.  Dieser  geographische  Befund  stützt
die  Aussage  des  Jean  de  Bayon,  daß  die  ehemalige  Thannweiler  Burg  von  Mitgliedern
  aus  dem  Geschlecht  der  Dagsburg-Egisheimer  Grafen  errichtet  wurde.

Thicourt/Diedersdorf
(F,  Dep.  Moselle,  Arr.  Boulay-Moselle,  Cant.  Faulquemont)
Im  Rahmen  des  im  September  des  Jahres  1206  zwischen  Herzog  Friedrich  II.  von
Oberlothringen  und  Graf  Albert  II.  von  Dagsburg  geschlossenen  Ehekontraktes  für
ihre  jeweiligen  Kinder,  Theobald  von  Oberlothringen  und  Gertrud  von  Dagsburg601,
  erhielt  der  Vater  von  Gertrud,  Graf  Albert  II.,  von  Herzog  Friedrich  II.  die
Burg  Diedersdorf602  mit  allem  Zubehör  unter  der  Bedingung,  daß  nach  dessen

ramo  et  cespite  legaliter  posuimus,  et  ipsi  ecclesie  sine  omni  calumpnia  in  perpetuum
quiete  possidere  concessimus.
595  Reichsland  III,  S.  1114.
596  Chronicon  Mediani-monasterii  authore  Joanne  de  Bayon,  lib.  II,  cap.  83,  S.  231:  Nonis
denique  Septembrius  Hugonis  comitis  generis  Sophice  cum  Ludovico  Comite  pridem
nuptee,  occisus  nimis  acer  &  subitus  fuit;  etenim  cum  ä  nudius  tertius  in  exstructione
castri  quod  ad  Thanvillariensem  Medianensium  dioecesis  vicum  factio  Principum
erigebat.
597  Biller  u.  Metz,  Anfänge,  S.  255,  Anm  51
598  Siehe  den  Art.  'Bernstein'.
599  Siehe  den  Art.  'Dambach'.
600  Siehe  den  Art.  'Schlettstadt'.
601  Druck  des  Ehekontraktes  bei  Dieterlen,  Le  fonds  lorrain,  Nr.  2,  S.  47,  Regest  bei
Duvernoy,  Catalogue,  Nr.  221,  S.  151.
602  Zum  Namen  siehe  Reichsland  III,  S.  216.

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