Nancy
(F, Dep. Meurthe-et-Moselle, Hauptort des D£p.)
Für kurze Zeit sollte Nancy in den Besitz Gertruds von Dagsburg übergehen. Nancy
bildete zusammen mit Gondreville das Heiratsgut Gertruds für ihre zweite Ehe mit
dem Grafen Theobald von der Champagne, welches ihr im Mai des Jahres 1220 von
Herzog Matthäus II. von Oberlothringen, dem Bruder ihres verstorbenen ersten
Mannes, Herzog Theobald von Oberlothringen, im Rahmen eines Beistandsabkommens
zwischen dem Herzog einerseits und dem Grafen Theobald von der
Champagne und dessen Mutter Bianca von Troyes andererseits übergeben
wurde446. Der Herzog benötigte dafür, wie aus der eben genannten Quellenstelle
hervorgeht, die Zustimmung seiner Mutter Agnes, da es sich um deren Witwengut
handelte. So hat Agnes schließlich im Juni 1220 ihre Ansprüche auf Nancy
auf gegeben und der Übertragung an Theobald von der Champagne und an Gertrud
zugestimmt447. Die Investitur von Gertrud und ihrem Mann mit Nancy erfolgte
anschließend im Beisein der Herzoginmutter448 und des Trierer Erzbischofs, der
den Verzicht von Agnes auf Nancy bestätigt hatte449. Nach dem Tod der Gertrud
sollten die genannten Orte wieder in den Besitz des Herzogs übergehen450.
Die Mitgift Gertruds hat nach ihrer Trennung von Theobald von der Champagne
vielleicht Anlaß zu den Streitigkeiten zwischen Graf Theobald von der Champagne
und der Stadt Metz gegeben, da der Graf die Mitgift behalten wollte451. Gemäß
dem Abkommen von 1220 fiel Nancy nach dem Tod der Gertrud von Dagsburg im
Jahre 1225 wieder an den Herzog452, der Nancy nicht mehr seiner Mutter
zurückgab453, sondern selbst behielt454.
446 Druck der Urkunde in: Bouquet, Recueil, 18. Bd., S. 695: Nanciacum et Gundrevillam,
quce eis assignavi pro dotalitio carissimce sororis mece Gertrudis Comitissce Metensis et
Darnburgensis, quondam Ducissce Lotharingice, et quicquid in duobus castellis illis et in
castellaniis eorum habebam, tam in domanio quam in feodis, in dominio, in justitia, ei in
omnibus modis et commodis, faciam eis quittari á carissima matre mea Ducissa
Lotharingice.
447 Urkunde abgedruckt in: Calmet, Histoire ecclésiastique, 2. Bd., 1. Aufl., preuves, coi.
429: Ego Agnes Ducissa Lotharingice, notum facio universis prcesentes litteras
inspecturis, qudd Nantiacum cum omnibus pertinenliis, quod nomine dotalitii
possidebam, & quicquid habebam ibi in omnibus modis & commodis, totum reddidi &
quittavi Mathceo Duci Lotharingice filio meo, & inde me devestivi in manus ipsius, coram
domina Comitissa Trecensi & Th. Comite nato ipsius.
448 Ebda.: ... ipse vero filius meus prce fatum Comitem & Gertrud uxorem ejus de Nantiaco á
de omnibus pertinendis in mea prcesentia investivit.
449 Bestätigungsurkunde vom Juni 1220 von Erzbischof Theoderich von Trier, abgedruckt
in: Calmet, Histoire ecclésiastique, 2. Bd., 1. Aufl., preuves, col. 430. Die Anwesenheit
Theoderichs bei der Investitur ergibt sich automatisch durch die Angabe seiner Präsenz
beim Verzicht der Herzoginmutter.
450 Bouquet, Recueil, 18. Bd., S. 695: Post mortem vero dictce Gertrudis prcedicta duo
castella cum omnibus appenditiis suis, ad me vel ad homines sine contradictione qualibet
revertentur.
451 Vgl. Wampach, Urkunden- und Quellenbuch, 2. Bd., Nr. 140, S.157.
452 Es ist nicht ganz zu klären, ob Nancy und Gondreville schon nach der Scheidung
Gertruds von Theobald IV. von der Champagne 1222 wieder an den Herzog von
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