Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

Straßburg  sich  geweigert  haben  soll,  der  Bitte  von  Berta,  der  Witwe  des  Grafen
Eberhard  IV.,  nachzukommen,  die  Altdorfer  Kirche  nochmals  zu  weihen,  solange
dort  gebannte  Personen  begraben  seien.  Erst  nachdem  Berta  der  Altdorfer  Kirche
ein  von  Guntram  gestiftetes  Gut  bei  Dorlisheim  entzogen  und  im  Anschluß  daran
der  Straßburger  Marienkirche  übertragen  hatte,  vollzog  W  erner  die  Neuweihe152.

Seitenverwandte  der  Eberhardiner
Die  bedeutendsten  Seitenverwandten  der  Eberhardiner  sind  die  ebenfalls  von  Hugo
von  Tours  abstammenden  sogenannten  Liutfride.  So  können  wir  gegen  Mitte  des
neunten  Jahrhunderts  einen  in  Italien  wirkenden  Liutfrid  ausmachen,  der  ein  Sohn
Hugos  von  Tours  gewesen  sein  muß153.  Von  diesem  Liutfrid  sind  uns  zwei  Söhne
bekannt,  Liutfrid  II.,  der  wie  sein  Vater  in  Italien  tätig  war154,  und  Hugo,  der  die
Abtei  Münster-Granfelden  in  seiner  Hand  hatte155.  Nach  dem  Tod  Hugos  folgte
ihm  Liutfrid  II.  in  dessen  Besitzungen  nördlich  der  Alpen  nach156.  Als  Nachkommen
  Liutfrids  II.  kennen  wir  drei  Söhne,  Hunfrid,  Liutfrid  und  Hugo157 158.  Auch
im  Liber  memorialis  von  Remiremont  finden  wir  Mitglieder  des  Liutfridischen
Familienverbandes  eingetragen1-58.
Es  ist  hier  auch  noch  kurz  auf  Personen  der  Reichsgeschichte  im  10.  Jahrhundert
einzugehen,  die  mutmaßlich  mit  der  Familie  der  Eberharde  verwandt  gewesen  sind,
so  der  Straßburger  Bischof  Richwin  und  der  von  seinen  Widersachern  geblendete
Bischof  Benno  von  Metz.

152  Notitiae  Altorfenses,  MGH  SS  XV,2,  S.  994:  Rursum  ipsam  partem  ecclesie  huic
abstulit  Bertha  comitissa,  uxor  Eberhardi,  et  donavit  ad  allare  sancte  Marie  Strasburg
cum  appendiciis  decirnarum,  quas  Guntramus  memoralus  huic  cenobio  attribuil,  quia
presuli  Vernhero  renuente  et  negante  istud  templum  ab  ipso  Deo  consecrari,  quod
hornines  hic  anathemalizali  sepulti  requiescerent;  RegBfeStr.  I,  Nr.  245,  S.  268.
153  Urkunde  Lothars  II.  vom  19.  März  866,  D  Lo  II  28,  S.  430  f.,  in  der  der  König  dem
Kloster  Münster-Granfelden  Besitzungen  bestätigt,  die  dem  Kloster  von  Hugo  geschenkt
worden  waren,  dem  Sohn  des  Grafen  Liutfrid,  den  der  König  als  seinen  Oheim
bezeichnet:  Hugo  cotnes  quondatn  illustri  avunculi  nostri  Liutjridi  filius.  Liutfrid  war
folglich  ein  Bruder  von  Lothars  II.  Mutter,  Ermengard,  einer  Tochter  Hugos  von  Tours
(zur  Abstammung  Ermengards  siehe  oben,  Anm.  35),  vgl.  E.  HLAWrrscHKA,  Franken,
Alemannen,  Bayern  und  Burgunder  in  Oberitalien  (774-962).  Zum  Verständnis  der
fränkischen  Königsherrschaft  in  Italien,  Freiburg  i.  Br.  1960,  S.  221  ff.  Hier  sind  auch
die  Belege  für  das  Wirken  Liutfrids  in  Italien  zusammengestellt;  zu  den  Liutfrieden  vgl.
Wilsdorf,  Les  Etichonides,  S.  1-33.
154  Hlawitschka,  Franken,  S.  223-226.
155  Böhmer-Mühlbacher,  2.  Aufl.,  Nr.  1210;  Bruckner,  Regesta  Alsatiae,  Nr.  572,  S.
352  u.  Nr.  581,  S.  356;  vgl.  Hlawitschka,  Franken,  S.  223.
156  Siehe  Bruckner,  Regesta  Alsatiae,  Nr.  662,  S.  398  f.
157  Liutfrid  II.,  sein  Bruder  Hugo  und  Liutfrids  Söhne,  Hunfrid,  Liutfrid  und  Hugo,  werden
in  einer  gefälschten  Urkunde  vom  21.  Februar  902  genannt.  Siehe  Bruckner,  Regesta
Alsatiae,  Nr.  662,  S.  398  f.
158  Liber  memorialis  von  Remiremont,  fol.  6r,  Eintrag  Nr.  2;  siehe  dazu  genauer  den  1.
Exkurs  'Die  Familieneinträge  der  Eberhardiner  im  Liber  memorialis  von  Remiremont'.

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