Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

wurde286.  Die  Abtei  wurde  von  seiten  der  Dagsburg-Egisheimer  Familie  mit  reichlich
  Stiftungsgut  ausgestattet,  wie  aus  einem  Privileg  von  Papst  Leo  IX.  ersichtlich
wird,  das  die  Besitzungen  der  Abtei  bestätigte287.
Die  Abtei  war  neben  Altdorf  und  Heiligkreuz  bei  Woffenheim  eines  der  wichtigen
Hausklöster  der  Familie.  Wir  wissen  ebenfalls  aus  dem  Privileg  Leos  IX.,  daß
zumindest  ein  Familienmitglied  namens  Gerberga  in  Hesse  Äbtissin  war288.  Noch
Albert  II.  von  Dagsburg  war  im  Besitz  von  Rechten  und  der  Vogtei  über  Hesse289.
Seine  Tochter  Gertrud  trug  Hesse  im  Jahr  1224,  zusammen  mit  anderen  Besitzungen,
  dem  Bischof  von  Metz  zu  Lehen  auf290,  somit  fiel  die  Abtei  nach  Gertruds
Tod  an  das  Metzer  Bistum291.

Hohenburg  (Odilienberg)
(F,  Dep.  Bas-Rhin,  Arr.  Molsheim,  Cant.  Rosheim,  Com.  de  Rosheim)
Auch  auf  Hohenburg,  später  Odilienberg  genannt,  sind  Besitzrechte  der  Egisheimer
Grafen  feststellbar,  was  auf  Grund  ihrer  Abstammung  von  den  Etichonen  nicht
verwundert.
So  kann  man  aus  einem  im  frühen  11.  Jahrhundert  angefertigten  Verzeichnis  von
Gütern,  die  der  Straßburger  Kirche  St.  Thomas  im  Laufe  der  Zeit  geschenkt  worden
waren,  einen  Grafen  Hugo  nachweisen,  der  in  der  ersten  Hälfte  des  10.  Jahrhunderts
gelebt  hat  und  auf  Hohenburg  residierte292.  In  diesem  Güterverzeichnis  heißt  es,

286  Leonis  IX  vita,  lib.  I,  cap.  1,  S.  129:  Etenim  inter  plurima,  quae  sparsim  divinis
distribuerunt  templis,  duo  monasteria  instituerunt  ex  suis  praediis,  scilicet  Hissam  in
honore  beati  Martini  pontificis,  necnon  alterum  coenobium  veneratione  sancti  Cyriaci
martyris;  zur  Stiftung  von  Hesse  siehe  oben,  S.  189  ff.  Zu  Hesse  siehe  Reichsland  III,  S.
431;  vgl.  neuerdings  Ch.  HiEGEL,  Domus  sancti  Laurentii  in  Hissa  prope  Sarburgum,  in:
Monasticon  Windeshemense,  hrsg.  v.  W.  Kohl,  E.  Persoons  u.  A.  G.  Weiler,  Teil  2:
Deutsches  Sprachgebiet,  unter  Schriftltg.  v.  K.  Scholz,  Brüssel  1977,  S.  194-197;  vgl
K.-H.  Debus,  Domus  sancti  Petri  apostoli  in  Hegene,  in:  ebda.,  S.  242;  vgl  auch  T.  de
Morembert,  Hesse,  in:  DHGE24,  Paris  1993,  Sp.  281  f.
287  Druck  in:  Calmet,  Histoire  de  Lorraine,  2.  Bd.,  2.  Aufl.,  preuves,  col.  287  ff.
288  Ebda.,  col.  287:  ...  per  eam  Serbergce  Abbatissce  nepti  noslrce.
289  Original  in  Bruxelles,  AGR,  Chartes  de  Brabant,  n°  9,  siehe  im  Anhang,  Urkunde
Nr.  13.
290  Druck  der  Urkunde  bei  Marichal,  Cartulaire  I,  Nr.  147,  S.  343  f.
291  Urkunde  des  Metzer  Bischofs  Jean  d'Apremont  vom  Mai  1225  in  Metz,  AD  Mos.,  G  152,
Nachtrag  2.
292  Das  Güterverzeichnis  ist  abgedruckt  in:  Wiegand,  Urkundenbuch  I,  Nr.  52,  S.  43  ff.,
Zitat,  S.  44;  RegBfeStr.  I,  Nr.  130,  S.  244  f.;  die  Datierung  des  Verzeichnisses  in  das
frühe  11.  Jahrhundert,  die  Wiegand  vomimmt  (ebda.,  S.  43),  Übernehmen  auch  Biller  u.
Metz,  Anfänge,  S.  247  u.  281,  Anm.  1;  Wiegand  gibt  aber  in  seinem  Register
fälschlicherweise  an,  daß  jener  Graf  Hugo  nach  1007  gestorben  sei  (Wiegand,
Urkundenbuch  I,  S.  523).  Er  beruft  sich  augenscheinlich  auf  die  präsentische  Form  des
Partizips  regnante  (Zitat  siehe  unten,  Anm.  293)  und  zieht  daraus  wohl  den  Schluß,  daß
Graf  Hugo  zur  Zeit  der  Erstellung  des  Güterverzeichnisses,  also  nach  1007,  noch  am
Leben  gewesen  sei.  Nun  ergibt  sich  jedoch  durch  die  Erwähnung  des  Straßburger
Bischofs  Richwin,  der  die  in  dem  Verzeichnis  genannten  Besitzungen  und  Rechte  von
Graf  Hugo  erworben  und  an  St.  Thomas  übertragen  hat,  eine  zeitliche  Unstimmigkeit  zu

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