Unabhängig davon, daß die angebliche Urkunde des Grafen Albert eine Fälschung
ist, können wir behaupten, daß die Dagsburg-Egisheimer Grafen ursprünglich
Rechte in Herlisheim gehabt haben müssen. Wäre dem nicht so gewesen, wären die
Marbacher Kanoniker bei ihrer Behauptung, sie hätten die Rechte von einem
Dagsburg-Egisheimer Grafen übertragen bekommen, ein großes Risiko
eingegangen. Wäre ein anderes Adelsgeschlecht in Besitz der Rechte in Herlisheim
gewesen, dürfte dies sicher nicht verborgen geblieben sein, und es hätte dieses
Adelsgeschlecht seine Rechte gegenüber den Marbachem auch vertreten282. Die
Sache wird sich folglich so verhalten haben, daß die Marbacher Kanoniker wirklich
von einem Grafen von Dagsburg-Egisheim Rechte in Herlisheim übertragen
bekommen hatten, möglicherweise eine dementsprechende Urkunde jedoch
verlorengegangen ist und die Marbacher, als ihnen die Rechte von den Herren von
Hattstatt streitig gemacht wurden, zur Sicherheit das uns heute vorliegende
Falsifikat angefertigt haben.
Zudem können wir noch durch ein weiteres Zeugnis nachweisen, daß die
Egisheimer Grafen Besitzrechte an Herlisheim hatten. In der Notitia bonorum der
Mathilde, Tochter Ludwigs von Mousson-Mömpelgard, für Heiligkreuz bei
Woffenheim werden mehrere Übertragungen von Besitz und Rechten in Herlisheim
durch Mitglieder der Dagsburg-Egisheimer Grafenfamilie genannt, so durch
Hildegard, eine Schwester Leos IX., die für das Seelenheil ihres verstorbenen
Sohnes Ludwig an Heiligkreuz Besitz in Herlisheim schenkte283, und durch einen
Gerhard, der der Abtei eine jährliche Dotation von fünf Solidi in Herlisheim
zukommen ließ284. Bei diesem Gerhard handelt es sich offensichtlich um Gerhard
IV., den Gemahl der Richgard, der angeblich seinen Teil des Patronates an
Herlisheim an das Kloster Heiligkreuz gegeben hat, wie aus der auf Albert I.
gefälschten Urkunde für Marbach hervorgeht285.
I lerzogenbuchsee
(CH, Kant. Bern, Ab. Wangen)
Siehe den Artikel 'Oberer Aargau'.
Hesse
(F, Dep. Moselle, Arr. Sarrebourg, Cant. Sarrebourg)
Bei der in der Nähe des lothringischen Sarrebourg gelegenen Abtei Hesse handelt
es sich um eine eberhardinische Familienstiftung auf Eigengut, die wahrscheinlich
durch Graf Eberhard III. oder seinen Sohn Hugo III. raucus vorgenommen
282 Die Herren von Hattstatt hatten keine allodialen Rechte an Herlisheim, sie machten in
dem Streit mit Marbach lediglich ein Lehensrecht geltend, siehe das Zitat in Anm. 275.
283 Schöpflin, Alsatia diplomatica, Nr. 680, S. 477 f.: Ad Herlichesheitn quod comitissa
Hiltegardis pro anima filii sui Lodewici comitis nobis tradidit, accipiant (Zitat,
ebda., S. 477).
284 Ebda., S. 477 : ... ad Herlichesheitn, quod Geruardus dedit annuatim vsiclos.
285 Siehe auch Hlawitschka, Grundlagen, S. 55 ff.
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