Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

Henvilrre
(F,  Dep.  Moselle,  näheres  nicht  bestimmbar)
Siehe  den  Artikel  zu  'Hermenwirre*.

Hermenwirre
(F,  Dep.  Moselle,  näheres  nicht  bestimmbar)
Der  heute  abgegangene  Ort  Hermenwirre  war  ursprünglich  Pertinenz  der  Herrschaft
Türkstein  und  ging  am  Ende  des  12.  Jahrhunderts  nach  der  Erwerbung  dieses
Herrschaftskomplexes  durch  Albert  II.  von  Dagsburg  in  dessen  Besitz  über250.
Albert  II.  hat  eine  nicht  datierte  Urkunde  ausgestellt,  in  der  er  als  Lehensherr  die
Schenkung  von  Hermenwirre  und  des  ebenfalls  abgegangenen  Ortes  Varconville
durch  seinen  Lehensmann  Kuno  von  Türkstein  an  die  Abtei  Haute-Seille  bestätigte251.

Hermenwirre  war  wahrscheinlich  mit  dem  heute  ebenfalls  nicht  mehr  existierenden
Ort  Henvilre  identisch,  denn  es  ist  uns  eine  Urkunde  Kunos  von  Türkstein  überliefert,
  in  der  dieser  unter  anderem  Henvilre  und  Varkonville  an  die  Abtei  Haute-Seille
  übertrug252.  Aus  der  Urkunde  Kunos  von  Türkstein  geht  auch  klar  hervor,
daß  Albert  II.  der  Lehensherr  Kunos  für  diese  Orte  war,  da  er  für  die  Schenkung  an
Haute-Seille  die  Zusümmung  Alberts  II.  benötigte,  wie  uns  die  Corroboratio  dieser
Urkunde  zeigt.  Hier  wird  ausdrücklich  darauf  lungewiesen,  daß  jene  Schenkung  mit
assensu  el  voluntate  Alberts  II.  geschehen  ist  und  zusätzlich  durch  die  Anbringung
von  dessen  Siegel  bekräf  tigt  wurde253.  Die  eingangs  genannte  Bestätigungsurkunde
Alberts  II.  nimmt  anscheinend  auf  exakt  diese  Schenkung  Kunos  an  Haute-Seille
Bezug,  denn,  obwohl  sie  nicht  alle  von  Kuno  tradierten  Orte  nennt254,  wird  neben
Hermenwirre  ausdrücklich  die  Übertragung  von  Varkonville  erwähnt.  Es  liegt

250  Hermenwirre  ist  vielleicht  mit  dem  abgegangenen  Ort  Wilre,  ehemals  der  Gemeinde
Metairies-de-Saint-Quirin  zugehörig,  identisch,  wie  Lepage,  Les  seigneurs,  S.  195,
vermutet.  Zur  Erwerbung  von  Türkstein  siehe  den  Art.  Turquestein/Türkstein'.
251  Original  in  Nancy,  AD  M-et-M,  H  578,  Druck  bei  Lepage,  Les  seigneurs,  Nr.  5,  S.  185
f.:  ...  ego  Albertus,  dei  gratia,  Metensis  comes  et  de  Dasborc,  ad  pacis  tutelam
caritatisque  custodiam,  dignum  duxi  significare  presentibus  et  futuris  Conononem  (sic),
nobilem  hominem,  quandam  terrcun  de  Warkouile,  quam  a  me  tenebat,  per  tnanum  meam
contulisse  abbati  et  fratribus  Sancte  Marie  de  Alta  Silua,  insuper  et  aliam  terram  que
Hermenwirre  nuncupatur  (Zitat  nach  dem  Original).
252  Lepage,  Les  seigneurs,  Nr.  4,  S.  184  f.:  Eapropter  noverint  presentes  et  futuri  quod  ego
Cono  de  Turquestay,  pro  mea  et  omnium  praedecessorum  salute,  solempni  et  evidenti
donatione,  contuli  fratribus  Alice  Silvce  quidquid  mei  juris  erat  in  alodio  de  Henvilrre,
terram  videlicet  cultam  et  incultam,  nec  non  et  silvam  inter  duas  semitas,  et  usque  ad
fluvium  Saroam,  circa  grangiam  suam,  hinc  et  inde  porrectam,  remissa  primo  et  omnino
annihilata  calumpnia  quam  pro  eadem  terra  habueram  (Zitat,  ebda.,  S.  184).
253  Ebda.:  Igitur,  ne  quis  prcesumat  infirmare  quce  tam  fideli  devotione  firmavimus,  praesentis
sigilli  munimine  et  domini  Alberti  comitis  nostri  Dasborc,  cuius  assensu  et  voluntate  id
actum  est,  testimonio  roboramus.
254  So  übertrug  Kuno  von  Türkstein  an  Haute-Seille  noch  die  Zehnten  und  die  Mühle  von
Landange  (siehe  dazu  unten,  Art.  'Landange')  und  einen  Hof  bei  Rohencort.  Siehe  die
Urkunde  bei  Lepage,  Les  seigneurs,  Nr.  4,  S.  184  f.

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