Eine tiefgreifende Umgestaltung der gesamten Anlage erfolgte aller Wahrscheinlichkeit
nach ab der Mitte des 12. Jahrhunderts, anscheinend als Folge des egisheimischen
Erbfalls nach dem Tod Ulrichs. Es entstanden wohl erst zu dieser Zeit
aus der ehemaligen Gesamtanlage Hoh-Egisheim drei abgeschlossene, eigenständige
Burgen, von denen nach dem Baubefund die Nordburg die älteste
darstellt244. Sie ist in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts - eine dendrochronologische
Datierung ergab den Zeitraum von 1147 +/- 10 - als erste der drei
Egisheiiner Burgen entstanden245 und wird in einer Urkunde von 1251 Walhenburg
genannt246. Diese Burg ist als einzige der drei Egisheimer Burgen bis zum Tod
Gertruds von Dagsburg im Jahre 1225 im Besitz der Dagsburger Linie des
Familienverbandes geblieben. Nach dem Ableben Gertruds haben die Pfirter Grafen
die Walhenburg für sich beansprucht. Im Verlauf des Streites um das Dagsburger
Erbe, in dem auch die Staufer Ansprüche an Egisheim geltend machten247, mußten
sie allerdings die Walhenburg, die sie als ihren von der Gräfin Gertrud ererbten
Besitz betrachteten, vom Straßburger Bischof zu Lehen nehmen248.
In späterer Zeit haben sich neben dem Namen Walhenburg für die Nordburg auch
für die zwei anderen Egisheimer Burgen die Namen Dagsburg - die nicht mit der
gleichnamigen Stammburg der Dagsburger Grafen zu verwechseln ist - und Weckmund,
das wohl eine Verballhornung von Vaudemont darstellt, eingebürgert249.
244 Biller u. Metz, Anfänge, S. 251 ff. u. 274 f.
245 Ebda., S. 253 u. 275.
246 Urkunde, abgedruckt bei Schöpflin, Alsatia diplomatica, I. Bd., Nr. 544, S. 405 f.; siehe
das Zitat in Anm. 248.
247 Vgl. dazu auch die Formulierung in der Urkunde Kaiser Friedrichs II. vom März 1236, in
der er gegenüber dem Straßburger Bischof ebenfalls auf die Burgen Alt-Thann und
Egisheim verzichtet, in Straßburg, AD BR, G 50: Item pro nobis et heredibus nostris
renunciauimus et remisimus eidem episcopo et ecclesie sue, siquidem ius habebamus in
castris et possessionibus infrascriptis, videlicet Tanne ueteri, Egenesheim, pro parte que
fuit comitis Alberti de Tagesburc.
248 Urkunde, abgedruckt bei Schöpflin, Alsatia diplomatica 1, Nr. 544, S. 405 f.: Preterea
omni jure, quod nobis competebat, aut competere videbatur, occasione hereditatis de
Tagesburg, in castro Egens heim dicto der Walhenburg cum suis attinendis, videlicet
dem heiligen Crutze & Woffenheim, excepto jure patronatus ecclesie in Wojfenheim,
quod ab antiquo ad nos & nostros pertinebat progenitores, in manus predicti domini
nostri episcopi nomine sue ecclesie Argent, renunciavimus, & presenti carta
renunciamus, duobus castris in eodem colle sitis, que Petrus Melioc & Baldemarus a
nobis possident, a prelibato domino episcopo & ecclesia Argent, nobis & nostris
heredibus in feudum reservatis. Zu den Vorgängen um Egisheim im Verlauf des Streites
um die Dagsburger Erbschaft siehe oben das Kapitel 'Berthold von Teck und das
Dagsburger Erbe im Elsaß'.
249 Siehe die Chronik von Maternus Berler, in: Code historique et diplomatique de la ville de
Strasbourg, tome premier, deuxième partie, Strasbourg 1843, S. 11 f.: Das schlosz
Dreyegenszheim ist mitt dreyen gebuwen fur trefflichen gezirt gewessen. Das aller
schonest hatt geheissen Tageszburg, das ander Walenburg, das dritt Weckmund und das
letslh gebuwen Nellenburg. Bei der Angabe, daß eine weitere - quasi vierte Burg -
existierte, die den Namen Nellenburg trug, handelt es sich um ein Versehen Berlers.
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