Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

Haut-Eguisheim/Hoh-Egisheim
(F,  Dep.  Haut-Rhin,  Arr.  Colmar,  Cant.  Wintzenheim,  Com.  Husseren-Les-Chäteaux)

Ursprünglich  war  der  Egisheimer  Burgberg  wohl  mit  nur  einer  größeren  Burganlage
bebaut.  Wann  sie  entstanden  ist,  läßt  sich  nicht  feststellen.  Die  Burg  wird  zuerst  in
der  Bulle  Leos  IX.  für  das  Kloster  Heiligkreuz  bei  Woffenheim  aus  dem  Jahr  1049
erwähnt238.  Sie  muß  jedoch  schon  früher  exisüert  haben,  da  wir  aus  der  von  dem
sogenannten  Wibert  angefertigten  Vita  Leos  IX.  erfahren,  daß  die  Eltern  Leos  IX.
unweit  der  Burg  Egisheim  auf  ihrem  Allod  das  Kloster  Heiligkreuz  gestiftet
haben239;  ob  Bruno/Leo  IX.  dort  geboren  ist,  läßt  sich  nicht  eindeutig  feststellen240.
Mitte  des  11.  Jahrhunderts  war  die  Burg  in  der  Hand  eines  einzigen  Burgherren,
Graf  Heinrich  I.  von  Dagsburg-Egisheim,  wie  uns  die  schon  erwähnte  Bulle  Ix'os
IX. für  Heiligkreuz  mitteilt24!.  Nach  dem  Tod  Heinrichs  I.  dürfte  die  Burg  unter
dreien  seiner  Sölme,  Gerhard  III.,  Hugo  VI.  und  Albert  I.,  aufgeteilt  worden  sein,
das  legt  schon  die  auf  zukünftige  Verhältnisse  abzielende  Formulierung  der  Bulle
Leos  IX.  nahe242.  Nach  dem  gewaltsamen  Tod  Hugos  VI.  im  Jahre  1089  ist  dessen
Anteil  wahrscheinlich  an  die  Linie  Vaudemont  gekommen.  Hier  scheinen  diese
beiden  Burgen  wiederum  getrennt  weitervererbt  worden  zu  sein,  an  Ulrich,  der  sich
nach  Egisheim  nannte,  und  an  Stephanie,  die  Friedrich  von  Pfirt  geheiratet  hatte.
Nach  dem  Ableben  LUrichs  von  Egisheim  1143  44  scheint  die  in  seinem  Besitz
befindliche  Burg  ebenfalls  an  die  Pfirter  Grafen  übergegangen  zu  sein243.

238  Druck:  Schöpflin,  Alsatia  diplomatica  1,  Nr.  207,  S.  163  f,  Zitat  siehe  Anm.  241.
239  Leonis  IX  vita,  lib.  I,  cap.  1,  S.  129:  Quorum  devotionem  imitatus  Hugo  comes
praecipuus  et  eius  devotissitna  coniunx,  parentes  utique  praefati  domini  Brunonis,
coenobium  remotae  vitae  aptissimum  construxerunt  Woffenheim  penes  nobile  castrum
suum,  Egisheim  dictum,  ex  praediorum  suorum  decimis',  vgl.  noch  ebda.,  lib.  I,  cap.  5,  S.
131  f.:  Ergo  quodam  aestivo  tempore  dum  ex  more  cum  eis  apud  nobile  castrum,
Eginisheim  nuncupatum,  inoraretur.  Biller  u.  Metz,  Anfänge,  S.  28!,  setzen  in  ihrer
Ersterwähnungsliste  für  Hoh-Egisheim,  sich  auf  Leonis  IX  vita,  lib.  I,  cap.  5,  S.  131  f.,
beziehend,  das  Datum  „vor  1018“;  vgl  das  Regest  bei  C.  Wilsdorf,  L.e  chäteau  de  Haut-Egisheim
  jusqu'en  1251,  in:  Revue  d'Alsace  106,  1980,  Nr.  3,  S.  23.
240  Siehe  dazu  oben  S.  47  mit  Anm.  246.
241  SCHÖPFLIN,  Alsatia  diplomatica  1.  Bd.,  Nr.  207,  S.  163  f,:  ...  sed  ipsa  advocatio,  sicut
nunc  eam  commisi  nepoti  tneo  Heinrico,  castrum  Egensheim  habenti,  ita  semper  dum
vixerit  (Zitat,  S.  163).
242  Ebda.,  S.  163:  Postquam  vero  Heinricus  nepos  meus  diem  clauserit  extremum,  ipsi,  qui
major  est  natu,  inter  possessores  castri  supradicti,  si  plures  extiterint,  advocatia
debeatur,  &  tunc  sit  in  electione  abbatissa:  ipsius  tui  loci  (sape  memoranda
gloriosissima  crux  t)  tuaque  congregationis,  quemvis  eorum  instituere  velint,  cui  non
plus  attineat  pro  advocatia  mercede  quam  quod  prafatum  est  &  constitutum  est  pro
Heinrico.  Quod  si  nemo  superstes  fuerit  hares,  tunc  non  alio,  sed  ad  genus  nostra
parentela  recurrant,  indeque  sibi  quemcunque  propinquiorem  velint  advocatum
suscipiant,  ut  semper  ipsa  advocatia  maneat  in  nostro  genere.  Daß  die  Burg  nach
Heinrichs  I.  Tod  auch  wirklich  aufgeteilt  wurde,  zeigt  uns  auch  der  Streit  zwischen
Gerhard  III.  und  Hugo  VI.  um  die  Vogtei  über  Heiligkreuz  bei  Woffenheim;  siehe  dazu
unten  im  Kap  'Vogteien'  den  Art.  'Heiligkreuz  bei  Woffenheim’.
243  Vgl.  Wilsdorf,  Le  chäteau  de  Haut-Eguisheim,  in:  CAF  136e  session  1978,  S.  158;
siehe  dazu  oben,  das  Kap.  'Erbanfall  durch  den  Tod  Ulrichs  von  Egisheim'.

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