Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

abgeschlossen  war,  verdeutlicht145.  Zudem  konnte  Eduard  Hlawitschka  darauf
hinweisen,  daß  wir  in  dem  Kloster  Einsiedeln  gewissermaßen  einen  Schnittpunkt
zwischen  dem  eberhardinischen  Guntram  und  dem  Guntramnus  dives  erblicken
können,  da  sowohl  die  Eberhardiner  enge  Beziehungen  zu  dieser  Abtei  unterhielten
-  so  wurde  sie  unter  maßgeblicher  Beteiligung  Eberhards  des  Eremiten,  einem
Mitglied  aus  dem  eberhardinischen  Familienverband,  gegründet146  -  als  auch  die
frühen  Habsburger  in  Verbindung  mit  dieser  Abtei  standen147.  Ebenso  kam  ein
Großteil  des  ehemaligen,  vom  König  konfiszierten  Besitzes  an  Einsiedeln,  was  auch
gewiß  kein  Zufall  ist148.  Darüber  hinaus  ist  Guntram  in  das  Einsiedler  Nekrolog
eingetragen149.  All  die  hier  vorgebrachten  Argumente  lassen  eigentlich  nur  den
Schluß  zu,  daß  der  von  König  Otto  I.  abgesetzte  eberhardinische  Graf  Guntram  mit
dem  sogenannten  Stammvater  der  Habsburger,  Guntramnus  dives,  identisch  ist.
Als  Todestag  Guntrams  wird  in  dem  schon  erwähnten  Einsiedler  Nekrolog  der  26.
März  angegeben150.  Sein  Todesjahr  dürfte  zwischen  den  Jahren  984  und  990
liegen151,  wahrscheinlich  ist  er  in  Altdorf  bestattet.  Zu  dieser  Annahme  gelangt
man  durch  eine  Notiz  aus  dem  11.  Jahrhundert,  wonach  Bischof  Werner  I.  von

145  Notitiae  Altorfenses,  MGH  SS  XV,2,  S.  994:  ...  preter  quartam  ecclesie  partem  ad
Toro  Ifes  heim,  quam  Guntramus,  filius  Hugonis,  pro  anime  sue  remedio  tradidit  istis
reliquiis,  zu  der  Schenkung  siehe  auch  im  Kap.  'Besitzungen',  den  Art.  'Dorlisheim'.
146  Zur  Stiftungs-  und  Gründungsgeschichte  von  Kloster  Einsiedeln  siehe  Keller,
Einsiedeln,  S  13-38.
147  E.  Hlawitschka,  Zur  Herkunft  und  zu  den  Seitenverwandten  des  Gegenkönigs  Rudolf
von  Rheinfelden  -  Genealogische  und  politisch-historische  Untersuchungen,  in:  Die
Salier  und  das  Reich,  1  Bd.:  Salier,  Adel  und  Reichsverfassung,  hrsg.  v.  S.  Weinfurter
u.  Mitarb  v.  H  Kluger,  Sigmanngen  1991,  S.  195  f.  So  wurde  die  Habsburger  Stiftung
Muri  eine  Propstei  von  Einsiedeln,  wie  in  Das  Kloster  Muri,  ed.  Kiem,  cap.  3,  S.  20  f.  zu
lesen  ist.  Auch  die  Nachkommen  des  Guntramnus  dives,  sein  Sohn  Kanzelin  (=Lanzelin)
  und  dessen  Gemahlin  Liutgart  sowie  Ita,  die  Gemahlin  seines  Enkels  Radbot,
wurden  in  die  Einsiedler  Nekrologe  auf  genommen.  Siehe  Annales  Einsidlenses,  MGH
SS  III,  ad  991,  S.  144:  Obiit  Landold  comes,  Quellenwerk  zur  Entstehung  der
Schweizerischen  Eidgenossenschaft,  Abt.  II:  Urbare  und  Rödel,  3.  Bd.,  bearb.  v.  P.
Kläui,  Aarau  1951,  S.  364  (zum  Januar),  ebenfalls  ediert  bei  Keller,  Einsiedeln,  S.
156.  Comes  Lantoldus  et  Lütgardis  uxor  eius  (Zitat  nach  der  Edition  bei  Keller);
Fragmenta  libri  anniversariorum,  ed.  F.  L.  Baumann,  MGH  Neer.  I,  S.  362,  ebenfalls
ediert  bei  Keller,  Einsiedeln,  S.  160  (zum  23.  Juli):  D.  Ita  coniunx  Ratbotonis  de
Windonissa,  cuius  coenobium  Murense  haeredilarium  fuil  (Zitat  nach  der  Edition  bei
Keller).
148  Siehe  Keller,  Einsiedeln,  S.  86;  Hlawitschka,  Rudolf  von  Rheinfelden,  S.  195  f
149  Siehe  Anm.  150.
150  Notae  necrologicae  Einsiedlenses,  MGH  Neer  1,  S.  359  (zum  26.  März):  VH.  kal.
Gundram  com.  ob:,  Böhmer,  Fontes  rerum  Germanicarum  IV,  hrsg.  v.  A.  Bauer,
Stuttgart  1868,  S.  144;  vgl  auch  Keller,  Einsiedeln,  S.  166.
151  Keiler,  Einsiedeln,  S.  152  f.  Der  Vollständigkeit  halber  sei  erwähnt,  daß  Guntram  zur
Zeit  der  Neuweihe  der  Altdorfer  Abteikirche,  die  in  die  Amtszeit  von  Bischof  Werner  I
von  Straßburg  fällt,  bereits  tot  war,  da  Berta,  die  Witwe  des  Grafen  Eberhard,  die
ehemalige  Schenkung  Guntrams  an  Altdorf  dieser  Kirche  wieder  entzog  und  sie  an  die
Straßburger  Marienkirche  übergab  (siehe  die  folgende  Anm  ),  Berta  also  für  den  bereits
verstorbenen  Guntram  handelt  Siehe  dazu  auch  Hlawitschka,  Anfänge,  S  114

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