Full text : Studien zur Geschichte der Grafen von Dagsburg-Egisheim

alles  Pertinenzen  von  Girbaden  waren,  läßt  sich  nicht  genau  bestimmen.  Sicher
gehörten  in  Altdorf  einige  pflügbare  Äcker,  Wiesen  und  Wald  zu  der  Burg206.
Girbaden,  einer  der  wichtigen  strategischen  Stützpunkte  der  Dagsburger  Grälen,
wurde  im  Jahre  1162  von  Friedrich  Barbarossa  im  Zusammenhang  mit  der  Horburger
  Fehde207  zerstört,  jedoch  in  der  Folgezeit,  wahrscheinlich  noch  unter  Flugo
VIII.  von  Dagsburg,  wieder  auf  gebaut208.
Möglicherweise  ist  im  Zusammenhang  mit  der  Fehde  Herzog  Theobalds  I.  von
Oberlothringen  mit  Friedrich  11.209  auch  ein  Besitzwechsel  für  Girbaden  verbunden
gewesen.  Angeblich  hat  Herzog  Theobald  auf  seine  Anrechte  an  den  durch  seine
Heirat  mit  Gertrud  von  Dagsburg  erhaltenen  Burgen  Dagsburg,  Bernstein,  Egisheim
und  Girbaden  gegenüber  Friedrich  II.  und  dessen  Sohn  Heinrich  (VII.)  verzichtet210.
  Allerdings  läßt  sich  dazu  kein  Quellenbeleg  finden,  so  daß  diese  Nachricht
mit  Vorbehalt  zu  beurteilen  ist211.  Jedoch  hat  nach  dem  Tod  Gertnids  im  Verlauf
des  Streites  um  ihr  Erbe  König  Heinrich  (VII.)  Anspruch  auf  ein  Castrum  ...  novum
ante  Girbaden  [noviter  edificatumj212  erhoben,  was  es  durchaus  wahrscheinlich
macht,  daß  eine  Abtretung  -  zumindest  von  Teilen  des  Burggeländes  von  Girbaden  -
erfolgt  ist213.  Sowohl  die  Staufer,  Kaiser  Friedrich  II.  und  sein  Sohn  Heinrich
(VII.),  als  auch  Friedrich  von  Leiningen  haben  schließlich  gegenüber  dem  Stra߬206

  Siehe  oben  den  Art.  'Altorf/Altdorf.
207  Annales  Marbacenses,  ad  1162,  S.  50  f:  Eodem  anno  Horburch  a  comite  Hugone  de
Tagesburch  destruitur.  Ipso  anno  factum  est,  ut,  eversa  Horburch  et  captivatis  his  qui  in
castro  obsessi  fuerant,  imperator  Fridericus  destructo  Mediolano  reversus  de  Ytalia
veniret  in  Alsaciam.  Qui  bellum  inferre  cepit  comiti  Hugoni,  utpote  ei  qui  imperiale
preceptum  contempserat,  quod  videlicet  ad  obsidione  predicti  castri  non  recesserat;  eos
quoque  quos  comes  captivaverat  expugnato  et  destructo  castro  Girbaden  liberavit.  Die
Einnahme  Girbadens  durch  Friedrich  Barbarossa  vermelden  auch  die  Annales  Maurimonasterienses,
  ed.  H  Bloch,  ad  1162,  S.  105:  Horburg  destruitur  a  comite  Hugone  de
Dagesburc;  et  Girbaden  Hugonis  comitis  [castrum]  capitur  ab  imperatore;  zu  den
Vorgängen  um  die  Horburger  Fehde  siehe  oben  das  Kap.  'Die  Horburger  Fehde'.
208  Die  Burg  existierte  jedenfalls  weiter  und  ist  später  im  Besitz  Alberts  II.,  des  Sohnes  von
Hugo  VIII.,  nachzuweisen.  Siehe  dazu  im  Anhang,  Urkunde  Nr.  13.  Vgl.  zum  Problem
der  Zerstörung  Girbadens  auch  oben,  S.269  f.  mit  Anm.  694.
209  Siehe  oben  das  Kap.  'Die  Zeit  bis  1220  -  Die  Ehe  Gertruds  mit  Herzog  Theobald  I.  von
Oberlothringen’.
210  So  bei  Erb,  Hoh-Kcenigsbourg,  S.  34,  ohne  Quellenbeleg.
211  So  bei  Duvernoy,  Catalogue,  Nr.  321,  S.  205  f.;  vgl.  dazu  Bur,  Les  relations,  S.  80,
Anm.  6.
212  Böhmer,  Acta,  Nr.  319,  S.  279  f.,  Zitat,  S.  279.
213  Vgl.  dazu  Bur,  [.es  relations,  S.  80  f.  -  Die  These  von  Schwab,  Datierung,  S.  125,  daß
ein  Teil  Girbadens  tm  Anschluß  an  die  Horburger  Fehde  an  die  Staufer  ging  und  diese
dort  im  12.  Jahrhundert  das  Castrum  novum  errichtet  hatten,  ist  nicht  richtig.  Wohl  erst
nach  den  Auseinandersetzungen  zwischen  Friedrich  II.  und  Herzog  Theobald  1  von
Oberlothringen  im  Jahre  1218  ging  ein  Teil  der  Burg  an  die  Staufer.  In  diese  Richtung
w'eist  auch  der  archäologische  Befund,  der  für  das  Castrum  novum  ins  13.  Jahrhundert
weist.  Siehe  dazu  Th.  BILLER,  Die  Adelsburg  in  Deutschland,  Entstehung,  Form  und
Bedeutung,  München  1993,  S.  150.

422
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.